Siedenburg: Peter von Sassen macht Lust auf Literatur einer besonderen Frau und auf Smaland

Publikum kommt Astrid Lindgren nahe

Peter von Sassen beschrieb Astrid Lindgren als durchweg positiven Menschen. Foto: Kurth-Schumacher
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Peter von Sassen beschrieb Astrid Lindgren als durchweg positiven Menschen. 

Siedenburg - Von Martina Kurth-schumacher. „Seit Tagen ist unser Ort im Astrid-Lindgren-Fieber“, sagte Sonja Schweers am Freitagabend bei der Begrüßung der 150 Gäste im Hotel Block in Siedenburg. Das große Interesse an dem Vortrag über die schwedische Kinderbuchautorin gehe sicher auch auf „Stargast“ Peter von Sassen zurück, vermutete die Vorsitzende des Landfrauenvereins Borstel: „Er ist hier ungefähr genauso bekannt wie Astrid Lindgren.“

Unter dem Titel „Astrid Lindgren – ganz persönlich“ widmete der Fernsehjournalist der geistigen Mutter von Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga und Co. einen besinnlich-heiteren Abend. Das Publikum folgte ihm etwa in ihren Geburtsort Vimmerby, in ihre Stockholmer Wohnung im Vasaviertel, ihr Sommerhaus auf Furusund. Peter von Sassen: „Auch an anderen Plätzen ist man ihr nah. Ich habe spannende Orte gesehen und Menschen getroffen, die einer Lindgren-Geschichte entsprungen sein könnten.“ 1993 hatte er, zusammen mit Erwin Neu, den letzten Dokumentarfilm über die damals 87-jährige Astrid Lindgren gedreht. 2013 fuhr er erneut nach Smaland, um Material für einen Multimedia-Vortrag zu sammeln. Er traf unter anderem Lindgrens Tochter Karin Nyberg, die Illustratorin Katrin Engelking und weitere Menschen, die ihm Türen öffneten und Informationen und Erinnerungen zu seinem Projekt beisteuerten.

„Astrid Lindgrens Leben hat viele Brüche, aber sie war ein durchweg positiver Mensch“, sagte von Sassen, zudem sei sie „rührend bescheiden“ gewesen. Ihren kindlichen Humor habe sie sich ins hohe Alter bewahrt. „Meine Mutter hatte einen hellen Charakter und ein gutes Lebenstalent“, heißt es im Originalton von Karin Nyberg. Quelle ihres Glücks und ihrer Inspiration sei ihre Kindheit gewesen – eine „Bullerbü“-Idylle, die ihr gleichermaßen Geborgenheit und Freiheit gab. Viele Menschen aus ihrem Umfeld standen Pate für die Figuren in ihren Büchern. Ihrem Bruder Gunnar setzte Astrid Lindgren etwa mit den Michel-Geschichten ein Denkmal.

Ursprünglich hatte sie nicht vor, Schriftstellerin zu werden. Als ihre Tochter Karin im Alter von sieben Jahren an Lungenentzündung erkrankte, erfand sie die Geschichten von Pippi Langstrumpf. Drei Jahre später schenkte sie ihr das Manuskript zum Geburtstag. 1945 erschien das Buch in Schweden bei Rabén & Sjögren, 1949 im deutschen Verlag Oetinger. Hüben und drüben hatten mehrere Verlage eine Veröffentlichung des Buches, das das erfolgreichste aller Zeiten wurde, zunächst abgelehnt.

Im Publikum saßen auch zahlreiche Männer, die von der kurzweiligen und – wie sollte es anders sein – professionellen Multimedia-Reportage ebenso begeistert waren, wie die Gastgeberinnen. 

Die Reportage machte Lust auf die Literatur einer besonderen Frau, aber auch auf den Besuch der Schauplätze in Smaland, die Kern-, Herz- und Ausgangspunkt ihrer Erzählungen waren.

Er sei gern bei den Landfrauen zu Gast, hatte Peter von Sassen eingangs versichert: „Meist gibt es etwas Leckeres zu essen, die Atmosphäre ist besonders herzlich und normalerweise ist man dort unter Frauen.“ Nur im letzten Punkt wurden seine Erwartungen nicht erfüllt: Im Publikum saßen zahlreiche Männer, die von der kurzweiligen und – wie sollte es anders sein – professionellen Multimedia-Reportage ebenso begeistert waren wie die Gastgeberinnen. Voraussetzung für einen guten Abend sei, dass die Zuhörer bereit sind, sich emotional auf das Thema einzulassen, sagte Peter von Sassen: „Das hat hier toll geklappt.“

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