Schnelles Internet im Landkreis Diepholz

Falsche Rohre, kaputte Gasleitungen: Probleme beim Glasfaserausbau

Mehrere Menschen stehen vor einem Bauschild und halten ein graues Leerrohr für ein Glasfaserkabel in der Hand.
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Noch in der Hand, bald unter der Erde: In der Samtgemeinde Siedenburg werden ab sofort auch Glasfaserkabel verlegt. Über die ersten 10 von insgesamt 140 Kilometern freuen sich Kreisrat Jens-Hermann Kleine (3. v.l.), Samtgemeindebürgermeister Rainer Ahrens (4. v.l.) sowie Claudia Pelzl (GVG Glasfaser, 5. v.l.) mit Mitarbeitern der beauftragten Tiefbaufirma Ludwig Freytag.

Ein Redensart besagt: Wer schnell macht, dem passieren Fehler. Beim Thema Breitbandausbau scheint dem Landkreis Diepholz genau das jetzt auf die Füße zu fallen. Zwar legen öffentliche und private Hand beim Ausbau ein beachtliches Tempo an den Tag – doch die Probleme mehren sich, wie eine Recherche zeigt. Es soll um ungezahlte Rechnungen und notdürftig mit Panzerband geflickte Gasleitungen gehen.

Landkreis Diepholz – Die Zukunft kündigt sich im Landkreis Diepholz in Form von bunten Rohren an, die aktuell an fast jeder Straßenecke aus dem Boden schauen. Ende 2019 fiel der Startschuss für das, was von offizieller Seite oft als „Deutschlands größtes Breitbandprojekt“ oder „180-Millionen-Euro-Projekt“ bezeichnet wird. Der Landkreis drückt beim Internetausbau im ländlichen Raum derzeit ordentlich aufs Tempo. Schon Anfang 2021 soll die Hälfte von insgesamt 1 850 Kilometern Glasfaserkabel verlegt worden sein.

Doch wo gehobelt wird, da fallen Späne. Schon im März 2020 gab es Berichte über bei Tiefbauarbeiten beschädigte Gasleitungen. Es folgten Gespräche zwischen Landkreis und Bauunternehmen – Besserung wurde gelobt. Doch ein Jahr später gibt es vor allem im Südkreis nach wie vor Berichte, wonach die Feuerwehr wegen Gaslecks bei Tiefbauarbeiten ausrücken muss. Nachfrage beim Landkreis: Sind die Probleme noch nicht im Griff?

„Es kommt bei Tiefbauarbeiten durchaus vor, dass bei der Durchführung der Arbeiten Leitungen anderer Versorgungsträger beschädigt werden“, heißt es aus der Kreisverwaltung. Die Ursachen seien vielfältig, ganz ausschließen ließen sich solche Pannen nicht. Allerdings habe der Landkreis zuletzt den Eindruck gehabt, „dass es in Teilbereichen des Bauvorhabens zu vermehrten Beschädigungen an Leitungen von Versorgungsträgern gekommen ist“. Daraufhin seien die beauftragten Bauunternehmen erneut für das Thema sensibilisiert worden.

Eine der betroffenen Regionen ist die Samtgemeinde Schwaförden. Eine Nachfrage im Rathaus offenbart jedoch erst einmal ganz andere Probleme: Absackungen an Geh- und Radwegen. Im zuständigen Bauamt ist man sich sicher: „Die haben zur falschen Jahreszeit gebuddelt.“ Weil der Boden nach den Arbeiten nicht wieder richtig verdichtet worden sei, gebe es jetzt Unwuchten an den Wegen, erläutert Bauamtsleiter Achim Hollmann. Die Abschnitte seien zwar noch „mehr oder weniger benutzbar“, müssten jedoch nachgearbeitet werden – auf Kosten der beauftragten Bauunternehmer. Als Grund für die Probleme vermutet Hollmann: „Die haben einfach Strecke gemacht. Da fehlt es manchmal ein bisschen an Exaktheit.“

Glasfaserausbau in der Samtgemeinde Siedenburg

„Die wohl sinnhafteste Investition, die die Samtgemeinde seit vielen, vielen Jahren gesehen hat“, nannte Rainer Ahrens den Ausbau des Glasfasernetzes jüngst bei einer Besichtigung der Bauarbeiten in Maasen. Der Samtgemeindebürgermeister zeigte sich erfreut, dass Regionen, die sonst eher abgehängt seien, nun an das Internet der Zukunft angeschlossen würden.

In Maasen sei nun etwa eine Vermarktungsquote von 77 Prozent erreicht worden, freute sich Ahrens. Daraus, dass die Not groß ist, machte vor Ort keiner einen Hehl. So lägen von 1 485 Haushalten in der Samtgemeinde 1 135 in unterversorgten weißen Flecken, rechnete der Bürgermeister vor. Homeoffice und Homeschooling seien oft nicht möglich.

Die Verlegung von rund 140 Kilometern Glasfaser in der Gemeinde koste dabei laut den Beteiligten rund 1,1 Millionen Euro. Voraussichtlich Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Wer sich noch nicht für einen der schnellen Internetanschlüsse entschieden habe, sei noch nicht zu spät dran, fügte Claudia Pelzl von der GVG Glasfaser hinzu. „So lange die Bagger rollen“, seien noch Bestellungen möglich.

Und wie schaut es aus beim Thema Gasleitungen? Hier erinnert sich Hollmann vor allem an einen Fall, der sich in einer anderen Gemeinde im Südkreis abgespielt haben soll. Bauarbeiter hätten dort eine beschädigte Gasleitung mit Panzerband repariert. Als das herauskam, seien personelle Konsequenzen gezogen worden.

Der Geschäftsführer des besagten Bauunternehmens äußert sich auf Nachfrage offen, möchte jedoch anonym bleiben. In der Tat habe es eine beschädigte Gasleitung im Südkreis gegeben, die nur mit einem Panzerband repariert worden sei. Das sei seinem Unternehmen bei Kontrollen sofort angelastet worden, obwohl nie bewiesen werden konnte, ob das Klebeband nicht vielleicht schon vorher an der Leitung befestigt gewesen war. Weil Konsequenzen aus dem Fall erwartet worden seien, habe er einen Mitarbeiter freigestellt.

Auf Nachfrage heißt es vom Landkreis zu dem Vorfall aus dem Januar 2020: „Das bauausführende Subunternehmen hat den Schaden notdürftig versorgt, jedoch nicht umgehend dem Versorgungsträger gemeldet.“ Daraufhin habe das Hauptunternehmen dem Subunternehmen gekündigt.

Kreis soll Rechnungen nur verzögert bezahlen

Der Tiefbauunternehmer übt derweil weitere Kritik am Landkreis. So kümmere sich die Kreisverwaltung nur „äußerst dürftig“ um die Begleichung von Rechnungen. Diese würden teils Wochen oder Monate nicht bezahlt – gerade in Corona-Zeiten sei das kritisch für die Bauunternehmer. Außerdem versuche der Landkreis bei jeder Gelegenheit, den Preis zu drücken – teils gehe es um nur 50 Euro, so der Unternehmer.

Der Landkreis verweist bezüglich der Verzögerungen bei den Auszahlungen auf feste Abläufe und eine reguläre Überweisung innerhalb von drei Wochen. Jedoch müssten auch „regelmäßig Nachfragen zu Rechnungen in dem 180-Millionen-Euro-Projekt erfolgen, die sich je nach Aufwand verzögernd auf die Rechnungszahlung auswirken können“.

Mit kaputten Gasleitungen und spät bezahlten Rechnungen ist die Reihe der beklagten Probleme jedoch noch nicht beendet. Vor allem im Südkreis gibt es Gerüchte, wonach Leerrohre für die Glasfaserstränge teils wieder ausgegraben werden müssen, weil sie zu schmal seien und nicht gerade genug verlegt wurden.

Die Kreisverwaltung teilt auf Nachfrage mit, dass es zwar keine zu schmalen Leerrohre gegeben habe, aber es sei richtig, dass es „zu Auffälligkeiten bei einem Teil der Leerrohre“ gekommen sei. Und weiter: „Nach Sichtung der Lagerbestände wurden in Abstimmung mit dem Lieferanten und der Produktionsfirma ein Austausch dieser Rohre gegen eine Neulieferung im Rahmen einer Kulanz vorgenommen.“ Wo genau der Fehler entstanden ist – ob bei der Bestellung oder der Lieferung – teilt der Landkreis nicht mit. Dass es Probleme beim Einblasen der Glasfaserstränge in bereits verlegte Leerrohre gegeben hat, bestätigt der Landkreis hingegen. Die Ursache des Problems werde derzeit noch geprüft.

Kritik: Bauarbeiten teils ohne Ankündigung

Nicht nur beim Ausbau zeigen sich aber noch Probleme. So gibt es Beschwerden, dass Bauarbeiter teils unangekündigt oder nur mit kurzer Vorlaufzeit zu den Endkunden kommen würden. Ein Problem, dass sowohl für den Landkreis als auch den Ausbaupartner GVG Glasfaser neu ist. Dort seien bislang keine Beschwerden aufgelaufen, heißt es unisono. Der Landkreis unterstreicht: „Es wäre eine Vertragsverletzung, wenn Bautrupps ohne eine entsprechende vorherige Absprache mit den Arbeiten beginnen würden.“

Eine Reihe von Problemen bedeutet am Ende häufig auch eine Verzögerung im Zeitplan. Doch diesbezüglich sind GVG Glasfaser und Landkreis optimistisch. Aus Kiel heißt es von dem Breitbandunternehmen, die Arbeiten in den schwarzen Gebieten lägen voll im Zeitplan. Diepholz erklärt zu den weißen Flecken: „Möglicherweise entstandene Verzögerungen sind so gering, dass sie sich nicht merkbar auf den Zeitplan auswirken.“ Einige Baustellen könnten sogar vorfristig fertiggestellt werden.

Keine Probleme in schwarzen Flecken

Landkreis Diepholz – Während sich der Landkreis Diepholz um den Ausbau der unwirtschaftlichen, weißen Gebiete in Eigenregie kümmert, übernimmt die GVG Glasfaser aus Kiel mit ihrer Marke Nordischnet die Versorgung der schwarzen Gebiete. Dort seien die beschriebenen Probleme beim Ausbau (siehe Artikel oben) bislang nicht aufgetaucht, heißt es. Auf Anfrage erklärt das Unternehmen: „Wir können die Kritikpunkte für den von der Unternehmensgruppe GVG Glasfaser durchgeführten Ausbau in den schwarzen Flecken so nicht bestätigen.“ Der Landkreis betont hingegen nur: „Bei dieser Projektgröße sind solche Schäden kein Einzelfall und lassen sich nicht auf einen einzelnen Leistungserbringer eingrenzen.“

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