„KULTURbunt Siedenburg“: Aschermittwochs-Kabarett mit Andrea Bongers

„Das letzte Kind trägt Fell“

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„Die letzte Kiste ist gepackt, das Kind ist aus dem Haus. Ich bin frei“, sagt Andrea Bongers.

Staffhorst - „Die letzte Kiste ist gepackt, das Kind ist aus dem Haus. Ich bin frei.“ Andrea Bongers steht am Scheideweg ihres Lebens. Und sie ist fest entschlossen, die „Puppen tanzen zu lassen“, verrät sie dem Staffhorster Publikum, das sich am Aschermittwoch auf Einladung des Vereins „KULTURbunt“ im Gasthaus Wolters eingefunden hat.

Dass sie loslassen kann, hat sie bei der Trennung vom ersten und zweiten Mann und dem Kindsvater bewiesen.

Die Abnabelung von Kalle gestaltet sich dagegen schwierig. Er ist groß, kann reden, laufen, wählen und auch die Sache mit der Fortpflanzung bekommt er auf die Reihe. „Mein Verdienst“, triumphiert Andrea Bongers.

Jetzt studiert der Sohnemann in Gießen. Die Helikopter-Mutter hat sich dort schon eine Wohnung angesehen: „Kalle hat 20 Jahre mein Leben gestört, jetzt bin ich dran...“

Die Hamburger Schauspielerin – fröhlich, unkompliziert, improvisationsfreudig und völlig allürenfrei – gastiert in der Regel auf größeren Bühnen.

Das Staffhorster Publikum hat sie von der ersten Minute an auf ihrer Seite. Die Verbindung von tiefsinniger Puppen-Comedy und geistvollem, musikalischem Kabarett kommt an. Bongers Auftritt ist hinreißend. Ein Meisterstück.

Nesthocker, Trennungspaare und „zusammengenähte“ Familien: Andrea Bongers lässt die Puppen sprechen. Die alkoholkranke, ungechillte Lehrerin Paula Schlüter, die Sexualtherapeutin Dr. Sissy Snake, Klappmaul-Opa Heinz und Bongers gezähmtes Alter-Ego im Schafspelz haben mehr oder weniger praktikable Tipps für die „Aufzucht und Pflege“ der lieben Kleinen.

„Sind die Staffhorster fremdenfeindlich?“, fragt Bongers unvermittelt ins Publikum. „Keine Antwort ist auch eine“, stellt sie nach einer rhetorischen Pause fest: „Ich wollte nur wissen, ob ich meine Bayern-Nummer machen darf ...Ich mach‘s.“ Und schon ist sie die Anni, die die Stadtbuben – „antiseptisch aufgewachsen, aber Allergien bis zum Haaransatz“ – das Schwimmen in der Jauchegrube lehrt und ihr Essen selbst töten lässt: Happy Meal à la Bauern-Bootcamp.

Brillant ist sie auch in der Rolle der überforderten Hausfrau und Mutter, die immer noch nicht bereit für die Trennung von ihrem „verlängerten Ich“ ist.

Trost spendet der plüschige „Manolo Panik“ mit seiner Liebeserklärung. Und Heinz aus dem Publikum, der von Bongers verdonnert wird, „Mama“ mit Gedicht und Flötenspiel zu „überraschen“.

„Jetzt erfülle ich mir meine eigenen Träume“, trötet Andrea Bongers trotzig: „Ein Bügelzimmer, Urlaub außerhalb der Ferien und ein barrierefreies Badezimmer.“

Auch ein neuer Hausgenosse muss her. Einer, der „Sitz“ und „Platz“ macht und Mutti das Stöckchen bringt. Eine kluge Strategie: „Das letzte Kind trägt Fell.“

Das Publikum lässt Bongers nur ungern gehen.

„Ihr wart die besten, die man an einem dusseligen Aschermittwoch finden kann“, lobt die Künstlerin Gastgeber und Gäste augenzwinkernd. Mit der Zugabe „Das war’s, genug ist genug“ und der Aussicht auf ein Aftershow-Programm bei Staffhorster „Nationalgetränken“ verabschiedet sie sich singend und swingend von 70 begeisterten Fans im Gasthaus Wolters: „Gleich trinken wir noch gemeinsam ein Kirchenfenster.“

mks

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