Digitalisierung in der Landwirtschaft

„Smart Farming“ in Niedersachsen: „Internet ist sehr wichtig für uns“

Anhand von Satellitendaten ist dieser Acker in unterschiedliche Zonen eingeteilt, an denen sich die Technik beispielsweise beim Düngen orientieren kann.
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Anhand von Satellitendaten ist dieser Acker in unterschiedliche Zonen eingeteilt, an denen sich die Technik beispielsweise beim Düngen orientieren kann.

Die Digitalisierung betrifft fast jeden Bereich - auch die Landwirtschaft. Deshalb sind Landwirte auf gutes Internet angewiesen, sagt ein Mitglied der Junglandwirte Mitte Niedersachsen.

  • Für Landwirte in Niedersachsen ist das Internet sehr wichtig für die heutige Landwirtschaft.
  • Landwirte sind laut der Junglandwirte Mitte Niedersachsen auf stationäres und mobiles Internet angewiesen.
  • Mit dem Internet könnten Landwirte 10 bis 15 Prozent Dünger einsparen.

Staffhorst – „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“, sagte Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, vor zwei Jahren zum Ausbau des Mobilfunknetzes im ländlichen Raum. Zwar räumte sie zwischenzeitlich ein, dass das Bild falsch gewählt gewesen sei, es offenbart jedoch eine weitverbreitete Skepsis – wozu benötigt die Landwirtschaft Internet? Gedeihen Kühe und Getreide nicht auch abseits der Datenautobahn?

VerbandJunglandwirte Niedersachsen
Mitglieder4.000
VorstandHenrik Brunkhorst
Regionale Arbeitskreise26

Mathis Meyer hat dazu eine klare Meinung. Der Staffhorster, Mitglied im erweiterten Vorstand der Junglandwirte Mitte Niedersachsen, sagt: „Das Internet ist sehr, sehr wichtig für uns, weil es mittlerweile in allen Bereichen immer digitaler wird.“

Landwirte sind ständig aufs Internet angewiesen

Dabei seien die Landwirte ebenso auf stationäres wie auf mobiles Internet angewiesen. Dabei gehe es nicht nur darum, Informationen zu erhalten, sondern auch um die Steuerung von Anlagen in den Ställen, vor allem aber für das digitale Büro: „Viele Betriebe nutzen das schon, indem sie alle Unterlagen digitalisieren und sie zur Weiterverarbeitung online speichern.“

Die Bildschirme sind für Mathis Meyer eine wichtige Hilfe am Steuer seines Traktors.

Dafür werde aber eine große Bandbreite, vor allem zum Hochladen der Daten gebraucht: „Eine eingescannte DIN A4-Seite ist etwa zwei Megabyte groß, da brauche ich unter einer Anbindung von 50 Megabit pro Sekunde gar nicht anzufangen.“ Allerdings gelte dabei auch, dass die Digitalisierung im Kopf beginne: „Wenn ich mich einmal auf die Technik eingelassen habe, muss ich auch dabei bleiben“, betont der 26-Jährige. Wichtig sei dafür aber, dass das Internet auch dauerhaft verfügbar sei – „wir brauchen das 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.“

Gleiches gelte für das mobile Internet über das Mobilfunknetz: „Vernünftig 4G wäre schon ein Fortschritt, aber dann auch in jeder Ecke.“ Als Beispiel nennt Meyer das Parallelfahrsystem, das in vielen modernen Schleppern bereits installiert ist. Dafür werden die Ackerflächen kartografisch erfasst und im Fahrzeug gespeichert. Das kann einerseits genutzt werden, um die Flächen optimal zu befahren, und andererseits kann die Karte, ergänzt um Daten wie Bodenfeuchte, Temperatur oder Nährstoffgehalt, genutzt werden, um angepasst an die jeweiligen Verhältnisse Dünger, Pflanzenschutzmittel oder Saatgut zielgerichtet aufzubringen.

Internet statt GPS spart 10 bis 15 Prozent Dünger

„Dafür braucht man zwingend Internet, denn das GPS-Signal ist nur bis auf 15 Meter genau, aber das Korrektursignal aus dem Internet verbessert die Genauigkeit auf zwei Zentimeter.“ In Zukunft führe daran kein Weg mehr vorbei, denn so ließen sich beispielsweise je nach Fläche zwischen zehn und 15 Prozent an Dünger einsparen. „Das ist auch gut für die Umwelt – und viel besser, als pauschal irgendwelche Mengen zu reduzieren.“

Andere Anwendungsbeispiele seien mobile Wetterstationen auf den Feldern, die selbstständig ihre Daten senden, Drohnen, mit denen sich ein Bestand von oben überblicken lasse, oder moderne Traktoren, die selbst an den Landmaschinenhändler meldeten, dass bei ihnen Wartungsbedarf besteht. Das alles lasse sich bereits mit 4G erreichen, sofern die Netzabdeckung gut sei, und 5G sei der nächste Schritt, damit die Maschinen auch untereinander kommunizieren können, ähnlich wie es heute schon beim „Internet der Dinge“ der Fall sei, wenn der Kühlschrank über das Internet Milch nachbestelle. So könne etwa ein Mähdrescher eigenständig ein Fahrzeug zum Leeren seines Getreidetanks anfordern.

Dieses „Smart Farming“ sei jedoch kein Allheilmittel, warnt der Junglandwirt, denn nach wie vor müsse der Anwender die Daten deuten können und sich damit beschäftigen – „es erfordert immer noch den Blick und das Gespür des Landwirts.“ Andererseits habe sich in den vergangenen Jahrzehnten die Technik in Ackerbau und Viehzucht so sehr weiterentwickelt, und es wäre falsch, sich die Chance für eine bessere Netzversorgung nehmen zu lassen.

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