Junge Flüchtlinge aus Sprachlernklassen des Berufsbildungszentrums erkunden den Hof Campe

Milchviehbetrieb versetzt ins Staunen

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Die Migranten aus den Sprachlernklassen mit ihren Staffhorster Gastgebern.

Staffhorst - Wie viel Sprit verbraucht der John Deere? Wie viel frisst eine Kuh? Wie oft muss der Trecker zum TÜV? Wie viel Milch liefert der Betrieb täglich an die Molkerei? Die Schüler der Sprachlernklassen des Berufsbildungszentrums Dr. Jürgen Ulderup stellen Marvin Campe Fragen über Fragen. Der Staffhorster Landwirt ist begeistert von dem großen Interesse: „Damit habe ich gar nicht gerechnet.“

Berufsschullehrerin Alla Hörner hatte das Konzept der Klassen für junge Migranten auf einer Ausbildertagung der Landwirtschaft vorgestellt, Marvin Campe hatte die Gruppe daraufhin eingeladen.

Die 16- bis 21-jährigen Flüchtlinge aus Rumänien, Syrien, Eritrea, dem Sudan, dem Südsudan, dem Irak und von der Elfenbeinküste erhalten Deutschunterricht im Klassenverband, dienstags und donnerstags stehen Fachpraxisunterricht oder Praktika in unterschiedlichen Betrieben auf dem Stundenplan.

Die Erkundung des Milchviehbetriebs in Staffhorst ist nach der Besichtigung der Firma Lloyd Shoes die zweite gemeinsame außerschulische Unternehmung. Das Angebot der Lehrerinnen Alla Hörner und Lena Bünnemeyer zur praktischen Berufsorientierung kommt an. Die 19 Gäste stellen allerdings fest, dass Landwirtschaft in Deutschland mit der in ihren Heimatländern nicht vergleichbar ist. Sie staunen über den umfangreichen Einsatz von Maschinen, die Milchleistung der Kühe und die exakt bemessene und bedarfsgerechte Fütterung: Die Zusammenstellung einer Tages-Futterration ist eines der praktischen Beispiele, anhand derer Marvin Campe den Jugendlichen die moderne Landwirtschaft erklärt.

„Betriebserkundungen kennt man im Rahmen des ‚Grünen Klassenzimmers‘, sie sind aber nicht nur für Grundschüler interessant“, sagt Birte Brackmann, Öffentlichkeitsbeauftragte des Landvolk-Kreisverbands. Sie zeigt den Jugendlichen nach der Betriebserkundung, wie man aus Sahne Butter herstellt. Jeder erhält ein zur Hälfte mit Sahne gefülltes Glas und wird zum Schütteln aufgefordert: Nach 15 Minuten trennen sich die Butterklümpchen von der Buttermilch – Ausdauer vorausgesetzt. Im Anschluss dürfen die Schüler Butter, aber auch Milch und Joghurt aus der von Campe belieferten Asendorfer Molkerei kosten.

Die jungen Migranten sind seit vier bis elf Monaten in Deutschland. Ihr nächstes Ziel ist der Hauptschulabschluss, den sie 2017 absolvieren könnten. Vielleicht findet der eine oder andere in der Landwirtschaft eine berufliche Perspektive. Marvin Campe betont: „Unsere Branche möchte einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen leisten. Abgesehen davon gibt es in der Landwirtschaft großen Bedarf an Arbeitskräften.“

mks

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