Stechpalmen bilden hier regelrecht Wald / „Baum des Jahres“ hat nicht nur stachelige Blätter

Immergrüner Fleck im Staffhorster Sundern

Ein regelrechter Stechpalmenwald wuchs im Staffhorster Sundern.
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Ein regelrechter Stechpalmenwald wuchs im Staffhorster Sundern.

Staffhorst – Ein bisschen Baumkunde beim Radeln durch die Natur: Das wird der Erdmanntrail erlauben, der derzeit vom Team des Forstamtes Nienburg um Ideengeber Henning Schmidtke vorbereitet wird. Und dabei können die Fahrradausflügler herausfinden, dass die Stechpalme nicht immer sticht. Frisch gekürt als „Baum des Jahres 2021“ grüßt die „Gemeine Stechpalme“, auch Ilex oder Hülse genannt.

„Auch in den Wäldern des Forstamtes Nienburg gibt es zahlreiche Vorkommen der Stechpalme“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Niedersächsischen Landesforsten.

Einerseits: Man müsse schon etwas genauer hinschauen, um die stachelige dauergrüne Art in den Wäldern zu entdecken. Am ehesten treffe man auf sie in feuchten, nicht zu schattigen Laubwäldern, also in Eichenbeständen. Trockener Kiefernwald auf Sandboden sage dagegen der Art, die maritimes Klima besonders liebe, gar nicht zu.

Andererseits: Ein ausgedehntes Vorkommen von Ilex aquifolium hat Revierförster Uwe Niedergesäss im Staffhorster Sundern ausgemacht. „Dort steht ein regelrechter Ilex-Wald unter Eichen“, berichtet Niedergesäss. „Neben der sonst überwiegenden Strauchform kann man hier auch erkennen, wie der Ilex baumförmig in die Höhe strebt und durchaus acht bis zehn Meter Wuchshöhe erreicht.“

Aus diesem Grunde werden die Niedersächsischen Landesforsten den Staffhorster Ilexwald als einen von 18 Themenpunkten auf dem Erdmann-Radweg ausweisen, der mit seinen gut 70 Kilometer Länge im Frühjahr oder im Frühsommer eröffnet werden soll, teilt Pressesprecher Rainer Städing mit. Birgt das nicht die Gefahr, dass junge Ableger einfach entnommen werden? „Die Stechpalme ist ja geschützt, daher darf sie auch dort, wo viele wachsen, nicht entnommen werden. Wer sie trotzdem rausreißt, kappt so viele Wurzeln, dass das Anwachsen schwierig sein dürfte“, erklärt Städing.

Als immergrüne Art mit den markanten roten Beeren belebe der Ilex im Winter in die kahlen Laubwälder und entfalte mit seiner stacheligen Blattform seine ganz eigene Ästhetik.

Jörg Brüning von der Revierförsterei Linsburg regt an, auch in Gärten vermehrt heimischen Ilex zu pflanzen: Die Stechpalme könne nichtheimisches Dauergrün sinnvoll ersetzen. „Ilex ist unter Bäumen im Garten ein grüner Blickfang, der im Gegensatz zu nichtheimischen Arten mit seiner Blüte und den Früchten zur Artenvielfalt beiträgt und im Schutz der Stachelblätter kann manch ein Heckenbrüter seine Jungen aufziehen“, findet Brüning. Zudem vertrage die langsam wachsende Stechpalme einen Rückschnitt problemlos und lasse sich daher im Garten gut im Zaum halten.

Die Stechpalme habe sich vor etwa zwei Millionen Jahren entwickelt und sei in ganz Europa und darüber hinaus verbreitet.

Dabei halte sie sich besonders gut in Regionen, wo das Klima vom Meer beeinflusst wird oder in Bergregionen, die nicht zu heiß und nicht zu trocken sind. Sie bevorzuge feuchten Laubwald und breite sich laut dem Kuratorium „Baum des Jahres“ in den letzten Jahrzehnten nach Skandinavien und in Osteuropa aus – eine Folge des Klimawandels. Ilex aquifolium – so der botanische Name – sei ein Anpassungskünstler. Die stacheligen Blätter, die gegen Fressfeinde schützen sollen, werden in größerer Wuchshöhe wieder glattrandig. Dort, wo Verbiss nicht mehr stattfinde, werde also die wertvolle Wuchsenergie anders verwendet, als für die wehrhaften Stacheln.

Rote Beeren trägt der Ilex –allerdings nur die weiblichen Pflanzen.

„Faszinierend ist auch die Fähigkeit, die lebensnotwendige Fotosynthese über die ganzjährig grünen Blätter bereits bei Temperaturen ab null Grad starten zu können“, erklärt Städing. Zum Vergleich: Gras beginne ab etwa sechs Grad zu wachsen. Damit sichere der Strauch oder kleine Baum sein Überleben im sonst schattigen Laubwald.

Zu beachten sei beim Ilex, dass es weibliche und männliche Pflanzen gibt, aber nur die weiblichen Exemplare tragen die roten Beeren. Da die Art früher als Weihnachtsschmuck sehr beliebt gewesen sei und dadurch gefährdet wurde, stehe sie unter Artenschutz.

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