Abschiedsgottesdienst von Pastor Burkhard Westphal

Mellinghausen: „Gehet im Segen des Herrn“

Pastor Burkhard Westphal im letzten Gottesdienst in der Mellinghäuser Kirche.
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Pastor Burkhard Westphal im letzten Gottesdienst in der Mellinghäuser Kirche.

Mellinghausen/Siedenburg –  Organistin Christine Bremer, die die Besucher des Abschiedsgottesdienstes von Pastor Burkhard Westphal musikalisch willkommen hieß, musste eine weitere Strophe dranhängen. Es dauerte, bis alle Gäste die (Corona-)Formalitäten erledigt hatten: 55 Erwachsene und neun Kinder fanden sich am Sonntag zur letzten von ihrem Pastor gestalteten Andacht in der Johannes-der-Täufer-Kirche ein – mehr als doppelt so viele wie üblich.

„Lasst uns Jubilate feiern“, rief Pastor Westphal, der die Areopagrede des Paulus in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte, die Gottesdienstgemeinde auf. Die Gemeindelieder, etwa „Wir wollen alle fröhlich sein“ oder „In mir ist Freude“, sang er Corona bedingt „solo“. Die Auswahl passte zur österlichen Zeit, nicht aber zur allgemeinen Betroffenheit über den Weggang von Pastor Westphal, den dieser selbst nur „durch die Blume“ thematisierte.

Dass Kirche „immer öffentlich“ und „keine Geheimrunde“ sein sollte, dass Jesus „nicht ohne seine Familie, ohne Brüder und Schwestern im Glauben“ zu haben ist und man sich diese „nicht aussuchen kann“, waren Anspielungen auf die vorausgegangenen Auseinandersetzungen mit dem Kirchenvorstand. Sie gipfelten im März darin, dass Westphal einen Versetzungsantrag stellte, dem das Landeskirchenamt kurzfristig nachkam. Mit den Worten „Und so gehet in der Freude, im Frieden und in dem Segen des Herrn“, entließ Westphal die Gottesdienstbesucher in den Sonntag. Sein Dienst als Pastor und Seelsorger in der Kirchen- und Kapellengemeinde Mellinghausen/Siedenburg ist Ende April beendet: Burkhard Westphal, der Mitte August nach Nienburg zieht, übernimmt zum 1. Mai 2021 eine „Springer-Pfarrstelle“ im Ev.-luth. Kirchenkreis Stolzenau-Loccum; die Vakanzvertretung liegt in den Händen von Pastor Horst Busch. Die Konfirmation am 27. Juni werde er jedoch durchführen und so die intensive und coronabedingt besondere Zeit, die er mit den Jugendlichen erlebt habe, auf festliche Weise abschließen, sagte Westphal.

Ohne offizielle Verabschiedung

Auf seinen Wunsch hin fand der Gottesdienst am Sonntag ohne offizielle Verabschiedung durch den Superintendenten und den Kirchenvorstand statt. „Ich habe ihnen damit erspart, Dinge zu sagen, die der Situation nicht entsprechen“, sagte der 62-Jährige.

Viele Gemeindemitglieder verabschiedeten sich persönlich von Burkhard Westphal - auch Kirchenvorsteher, die nahezu geschlossen am Gottesdienst teilgenommen hatten. Aus ihren Reihen war zu hören, dass sich der Kirchenvorstand in seiner ablehnenden Haltung Westphal gegenüber doch nicht so einig war, wie nach außen hin kommuniziert worden ist.

Wieso die Situation so eskaliert sei, könne man nicht mehr nachvollziehen. Ihre Prognose für die Zukunft: „Es wird weitergehen, aber einfach wird es nicht.“

Hinweis:

Pastor Burkhard Westphal ist ab sofort nur unter Tel. 0 42 72 / 96 32 80 erreichbar, auch für Bürger aus dem Kirchenkreis Stolzenau-Loccum (bis Juli/August), in dem Westphal als Springer-Pastor wirkt. Ab Mitte August wird Westphal aus dem Pfarrhaus Mellinghausen nach Nienburg umziehen. Die pfarramtliche Tel. 0 42 72 / 3 18 ist allein dem Pfarrbüro Mellinghausen/Siedenhausen zugewiesen, Telefonate unter dieser Telefonnummer darf Westphal nicht mehr bearbeiten, da er das Pfarramt Mellinghausen / Siedenburg nicht mehr leitet. Seitens des IT-Dienstes des Kirchenamtes Sulingen werde es zeitnah eine entsprechende technische Regelungen geben.

Kommentar von Martina Kurth-Schumacher:

Nicht nur Außenstehende, sondern auch viele Gemeindeglieder sind bestürzt darüber, dass es unter dem Dach der Kirchen- und Kapellengemeinde Mellinghausen/Siedenburg offenbar nicht möglich war, die Worte „Friede und Versöhnung“ mit Leben zu füllen. Pastor Westphal geht, und seine Stelle bleibt bis auf Weiteres vakant. Es war ein undurchschaubares „Spiel“, bei dem es ohne Frage nur Verlierer gab und gibt: Pastor, Kirchenvorstand, kirchliche Mitarbeiter und nicht zuletzt die Gemeinde.

Von Martina Kurth-schumacher

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