Eschbachwasser als Zankapfel

HAUSGESCHICHTE(N): Ehemalige Wassermühle in Mellinghausen ist heute Wohnhaus

Heute wohnt Renate Schumacher in der ehemaligen Wassermühle.
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Heute wohnt Renate Schumacher in der ehemaligen Wassermühle.

Mellinghausen – Unter Denkmalschutz steht die ehemalige Wassermühle in Mellinghausen nicht, ortsbildprägend ist sie allemal. „Wir haben bei der Renovierung versucht, den Charakter des Hauses zu erhalten“, erklärt die heutige Besitzerin Renate Schumacher.

Ihr aus Mellinghausen stammender Ehemann Dieter und sie – damals beide Anfang 20 – hatten das stattliche Gebäude 1976 erworben, um hier zusammen mit Freunden den Traum vom Leben auf dem Land zu verwirklichen: Bausteine der geplanten Selbstversorgung waren Gemüseanbau, Kleintierhaltung, Milchschafzucht und Käserei. Parallel zu dieser Berufung und zur Familiengründung renovierten sie in Eigenleistung nach und nach die drei Wohnungen, die das seinerzeit rund 250 Jahre alte Gebäude beherbergte. Hauptaugenmerk lag auf neuen Fenstern, Zentralheizung und Isolierung.

Die Geschichte der Mellinghäuser Wassermühle beginnt vor 700 Jahren. „Sie wurde 1301 erstmals erwähnt, Lehnsherren waren die Grafen von Hoya“, heißt es in den Unterlagen von Gerd Meyer (Heimatverein Mellinghausen-Ohlendorf-Brake-Maasen). Das erbliche Nutzungsrecht ging auf die Burgmänner von Klencke aus Thedinghausen über, 1668 wurden die Herren von Staffhorst Eigentümer. Auf der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1771 ist der Standort als „Staforster Mühle“ markiert.

Die historische Aufnahme der Wassermühle in Mellinghausen entstand um das Jahr 1920.

Die heutige Wassermühle stammt aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts, der Ostflügel wurde Mitte der 1920er Jahre aufgestockt und in das Gesamthaus integriert. Müller Heineke, Nachfolger von Müller Dohrmann aus Siedenburg, gehörte die Mühle von 1819 bis 1847. Er verkaufte das Anwesen am 15. März 1847 an die Interessengemeinschaft von Wiesenberieselungsanlagen, laut Vertrag „… bestehend aus einem Mahl- und Graupengang mit allen darin und daran befindlichen gehenden Zeuge, Schütten, Stauen, Wasserleitungen und Mühlenkolch, daran klebenden Rechten und Gerechtsamen, dem dazugehörigen Wohnhause mit allem, was darin niet- und nagelfest ist, der an dem Wohnhause belegenen zu 8 Quadratruten Fläche in der Grundsteuer Mutterrolle angegebenen Garten, Hofplatz und darauf befindlichen Stall“.

Die Nutzung des Eschbachs war jahrhundertelang Streitthema zwischen den Müllern und den anliegenden Landwirten. Die einen benötigten ständig Wasser für ihren Mahlbetrieb, die anderen zur Bewässerung der Wiesen. Der Konflikt beschäftigte fortlaufend Deichamt, Landespolizeibehörde, Gerichte und sogar Kirchenamt und Konsistorium. Der Deichinspektor aus Nienburg legte schließlich Staustunden für den Zulauf zur Mühle fest, aber auch diese Regelung brachte keinen Frieden zwischen den Kontrahenten.

Etwa 1940 wurde dieses Foto der Wassermühle gemacht.

Nachdem der letzte Müller im Krieg gefallen war, wurde der Betrieb der Wassermühle Ende der 1940er Jahre eingestellt; die Anlage war angesichts der fortschreitenden Technisierung nicht mehr profitabel. Der als Badeteich genutzte Mühlenteich verschlammte allmählich; man schüttete ihn 1950 aus Kosten- und Sicherheitsgründen zu. „Jeder Mellinghäuser hat hier schwimmen gelernt“, weiß Renate Schumacher aus Erzählungen von Einheimischen. In den 1950er Jahren wurden auch die mühlentechnischen Einrichtungen entfernt und der Eschbach, der zwischen Mühle und Stall verlief, in westliche Richtung verlegt.

Heute erinnern unter anderem das zugemauerte Radwellenfenster und der Dacherker für den Sackaufzug an die ursprüngliche Bestimmung des Gebäudes. Die Mühle dient Familie Schumacher seit 1976 als Wohnhaus; nach der Aufgabe der Milchschafzucht betrieb Dieter Schumacher in dem zur Werkstatt umgebauten Stallgebäude, von Ende der 1980er Jahre bis zu seinem Tod 2001, eine Tischlerei.

Zwischen Werkstatt und Wohnhaus verlief einst der Eschbach.

„Irgendwie hängt mein Herz an der Mühle – auch wegen der vielen Erinnerungen“, offenbart Renate Schumacher. Wie andere Häuser im „gesetzten Alter“ ist das Gebäude eine Herausforderung für Besitzer und Bewohner, sein Charme ist jedoch unvergleichlich.

Die Serie „Hausgeschichte(n)“

Private Häuser im südlichen Landkreis Diepholz: Deren Geschichte und auch Geschichten von Bewohnern stellen wir in der Serie „Hausgeschichte(n)“ vor. Besitzen oder bewohnen Sie ein Gebäude, das etwa 100 Jahre alt ist und über das oder aus dem es Interessantes zu erzählen gibt? Dann lassen Sie es Teil der Serie werden. Schreiben Sie eine E-Mail mit dem Betreff Hausgeschichte(n) an redaktion.diepholz@kreiszeitung.de beziehungsweise redaktion.sulingen@kreiszeitung.de und beschreiben Sie darin kurz und stichwortartig die Besonderheiten des Gebäudes. Bitte Anschrift und Telefonnummer nicht vergessen. Nach Prüfung und Absprache verfassen wir dann einen Bericht mit Fotos. Kosten entstehen Ihnen dadurch selbstverständlich nicht.

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