Bürgerinitiative in Gründung

Verpressung von Lagerstättenwasser: In Campen macht sich Widerstand breit

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Thorben Gruhl vom Verein Bundesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz (links) sprach am Freitag in Campen von drei bis vier Millionen Kubikmeter Lagerstättenwasser, das im Jahr niedersachsenweit bei der Erdfasförderung anfalle.

Borstel - Gegen die Absicht der „ExxonMobil“ ab den Jahren 2020 / 2021 die Erdgaslagerstätte Siedenburg-Ost, nördlich der Borsteler Ortschaft Campen und südlich der Bundesstraße 214, zur Ablagerung von Lagerstättenwasser zu nutzen, regt sich Widerstand. Nach Veranstalterangaben waren am Freitagabend 140 Gäste der Einladung des Ortsverbandes Sulingen von „Bündnis 90 / Die Grünen“ zu einer Vortragsveranstaltung gefolgt.

Teilnehmer warben an dem Abend um Mitglieder für eine in Gründung befindliche Bürgerinitiative, die das weitere Verfahren kritisch begleiten soll. Die Stimmung im Saal des Gasthauses war am Ende des Abends gereizt: Während vereinzelte Veranstaltungsbesucher den Gastgebern „Panikmache“ vorwarfen, übten andere scharfe Kritik an dem Vorhaben von „ExxonMobil“.

Laut Guido Wagner von „Bündnis 90 / Die Grünen“ habe der Ortsverband eine Anregung von „besorgten Bürgern“ aufgenommen, die Detail-Informationen über die geplante Lagerstättenwasserablagerung in der Gemeinde Borstel einforderten. Die, die „Exxon“ bereits vor Jahresfrist verbreitet hatte, seien als nicht ausreichend angesehen worden.

Thorben Gruhl vom Verein Bundesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz sprach am Freitag in Campen von drei bis vier Millionen Kubikmeter Lagerstättenwasser, das im Jahr niedersachsenweit bei der Erdfasförderung anfalle; stark salzhaltig, versehen mit diversen Kohlenwasserstoffresten, unter anderem mit als krebserregend geltendem Benzol, zum Teil mit Quecksilberanteilen und natürlich radioaktiven Stoffen.

Konkrete Risiken nur bedingt abschätzbar

In der Region seien Versenkbohrungen nicht neu: „Mehr oder weniger um Campen herum sind an acht Stellen bereits siebeneinhalb Millionen Kubikmeter von dem Zeug unter Tage gebracht worden.“ Für das Projekt „Siedenburg Z11” sei nach Angaben des Referenten angedacht, dort etwa anderthalb Millionen Kubikmeter Lagerstättenwasser im Erdreich zu versenken, angeliefert per Lkw. „Das macht auf eine Betriebszeit von 30 Jahren gerechnet dann etwa acht Lkw am Tag.“ Gelagert werde in etwa 3000 Metern Tiefe in einem Feld mit einer Mächtigkeit von 200 Metern in einem Radius von bis zu einem Kilometer.

Konkrete Risiken, die von der Verpressung nördlich von Campen ausgehen könnten, seien laut Gruhl derzeit nur bedingt abschätzbar. Nicht auszuschließen seien neben Emissionen wie Licht und Lärm im schlimmsten Fall ein Sauergas-Ausbruch während der Arbeiten, Leckagen und Betriebsstörungen, die sogar zu Explosionen führen könnten. „ExxonMobil arbeitet derzeit noch an den Antragsunterlagen.“ Erst wenn diese vorliegen, könnten Details benannt werden. Nach der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung am 8. November vergangenen Jahres und einem Abstimmungstermin am Folgetag stehe der Termin der formellen Öffentlichkeitsbeteiligung noch aus.

Thema während der Juni-Sitzung des Gemeinderats 

Thorben Gruhl empfahl am Freitag in Campen, mit weiteren Aktivitäten der Unmutsbekundung nicht bis zum Termin zu warten. Das Vorhaben müsse schon im Vorfeld öffentlich infrage gestellt werden.

Borstels Gemeindebürgermeister Dieter Engelbart teilte am Sonntag auf Anfrage mit, dass sich der Gemeinderat öffentlich mit den Planungen während seiner Juni-Sitzung beschäftigen werde. Ratsmitglied Harry Brauer habe eine Positionierung des Rates eingefordert.

Engelbart: „Angedacht ist, dass wir während der öffentlichen Sitzung weitere Experten hören – und bei Bedarf auch die Bürger zu Wort kommen lassen.“ 

oti

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