Daseinsvorsorge im ländlichen Raum am Beispiel des Sulinger Landes / Workshop in Siedenburg

Was brauchen wir und wer macht das?

Rund 60 Teilnehmer fanden sich zum jüngsten Workshop in Siedenburg ein, zeigten Probleme auf, suchten gemeinsam nach Lösungen, gaben Denkanstöße.

Siedenburg - Von Sylvia Wendt. Na, das wäre ja was: Eine Vision für das Vereinswesen. Die Vorstandsetage macht, was die Vorstandsetage eines Vereins aus satzungsgemäßer und rechtlicher Vorgabe halt so tut. Und die einzelnen Sparten, aktuell noch 44 im Sulinger Land, teilen sich auf: etwa in die Schützen aus Bockhop, in die Schützen aus Klein Lessen, in die Schützen aus Stocksdorf, in die Schützen aus Wehr-bleck. Die Sparten arbeiten autark, wie sie das vor Ort schon seit der Gründung ihres Vereins getan haben. Nun aber unter einem gemeinsamen Vorstandsdach. Soweit eine Vision.

Realität ist, dass alle Vereine, nicht nur die Schützen, kleine bis große Probleme haben, für alle vorgegebenen Vereinsposten Personal zu finden. Noch gibt es Schießwarte, die bei jedem Termin im Schießstand sind, Munition kontrollieren und Schusswaffen. Noch gibt es Übungsleiter, die sich allwöchentlich hinstellen und Zeiten, Höhen und Weiten der Hobbysportler messen. Aber eben nicht mehr überall.

„Daseinsvorsorge – kooperativ, innovativ & digital – im Sulinger Land“ heißt der sperrige Titel eines Projektes, der seit einigen Monaten versucht, das Expertenwissen aus der Region zu bündeln (wir berichteten). Vertreter aus allen Bereichen des täglichen Lebens sind in unterschiedlichen Workshops gefragt gewesen, Probleme aufzuzeigen – und an Lösungsansätzen zu arbeiten.

„Kooperativ, innovativ & digital“

Im jüngsten Workshop wurden fünf Bereiche thematisiert: 1. Teilhabe am öffentlichen Leben (die Bereiche Vereine, Ehrenamt, Kultur, Freizeit umfassend), 2. Mobilität, 3. Grund- und Nahversorgung (zum Beispiel Lebensmittel und Post), 4. Medizinische Versorgung und 5. Bildung.

Vorschläge zur Problemlösung, gruppenübergreifend, lauten: Ressourcen bündeln, Schwerpunkte setzen (etwa: dass nicht alles überall vorgehalten werden müsste).

Teilhabe

Hier heißt es, dass mitunter die Zahl der Mitglieder hoch sei – aber die Gruppe derjenigen, die bereit sei, Verantwortung zu übernehmen, „zu wünschen übrig“ ließe. Gewünscht werden Fortbildungen, etwa zum Thema Datenschutz und bezüglich digitaler Medien. Das könne auch ortsübergreifend stattfinden. Tatsächlich gebe es bereits Kooperationen, etwa Jugendspielgemeinschaften. Und hier setzt die Vision an: Was, wenn es einen Dachverband gebe, um die rechtliche Organisation für alle zu sichern?

Mobilität

Eine regionsübergreifende Idee heißt, die Sammeltaxen als Service für die Nutzer per App zu verknüpfen. Und individuell sind die Wünsche, auch den ländlichen Raum an den ÖPNV anzuknüpfen, im Hinblick auf die Pendlerströme.

Versorgung

Angeregt wurde, die bereits zahlreich vorhandenen Dorfgemeinschaftshäuser im Hinblick auf die Versorgung vor Ort auszustatten: Etwa mit einer Packstation, einem kleinen Lebensmittelladen.

Medizin

Das ist kein neues Thema in der Region. Ein langfristiges Projekt sei sicherlich ein „medizinisches Versorgungszentrum Sulinger Land“, dessen Struktur und Standort aktuell nicht diskutiert wurden.

Ein anderer Vorschlag beschäftigt sich damit, wie Medizinern das Leben und Arbeiten auf dem Land schmackhaft gemacht werden könnte, losgelöst von der bereits bestehenden Kampagne des Landkreises „Ärztlich willkommen“.

Bildung

Die Elterntaxen und die einhergehenden Verkehrsprobleme vor Schule und anderen Einrichtungen sind vielen bewusst. Die Frage: Wie kann man die Situation optimieren? Den Schülertransport verbessern? Gäbe es auch hier Chancen, sich zu vernetzen, so dass nicht jedes Kind einzeln gefahren werden müsste? Gefordert wird zudem die Fortbildung der Lehrkräfte an den Schulen im Hinblick auf deren geplante Digitalisierung. Und: Ist der Austausch von Lehrmaterialien möglich?

Das Projektende

Wie geht es weiter? „Die Projekte werden geprüft, mit den Bürgermeistern der Kommunen mögliche und sinnvolle Kooperationen erörtert – und ein Handlungskonzept erarbeitet, das innovative Lösungsansätze beinhalten soll“, erklärt Alisa Koch von der Firma Sweco aus Bremen. Sie kündigt eine Abschlussveranstaltung für Dezember an – denn das Projekt rund um die Daseinsvorsorge läuft Ende des Jahres aus.

Welche dieser Vorschläge und Konzepte aber bereits ab 2020 umgesetzt werden könnten, das wolle man gerne über die Laufzeit des Projektes hinaus begleiten, erklärt Alisa Koch.

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