INTERVIEW Rainer Ahrens: 40 Jahre im Dienst der Samtgemeinde Siedenburg

„Bodenhaftung und Bürgernähe“

Seit 40 Jahren im Öffentlichen Dienst arbeitet Samtgemeindebürgermeister Rainer Ahrens.
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Seit 40 Jahren im Öffentlichen Dienst arbeitet Samtgemeindebürgermeister Rainer Ahrens.

Siedenburg – Samtgemeindebürgermeister Rainer Ahrens beging am 1. August sein 40-jähriges Dienstjubiläum (wir berichteten). Sein Arbeitsplatz seit dem ersten Tag: das Rathaus der Samtgemeinde Siedenburg. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen, den Wandel in der Verwaltung und aktuelle Herausforderungen.

Vom Auszubildenden zum Samtgemeindebürgermeister – das hört sich fast so an wie „vom Tellerwäscher zum Millionär“?!

Ganz so ist es nicht. Es gehört aber wohl in die Rubrik „Raritäten“, dass jemand 40 Jahre seiner Arbeitsstelle treu bleibt, hier seine Ausbildung absolviert und 34 Jahre später zum „Chef“ gewählt wird.

Haben Sie diesen Werdegang vor 40 Jahren für möglich gehalten?

Nein. Ich wusste nur, dass ich einen Beruf mit Bürotätigkeit erlernen möchte und habe zwei Bewerbungen losgeschickt. Nach der Zusage der Samtgemeinde habe ich meine zweite zurückgezogen. Als Jugendlicher habe ich noch nicht an eine mögliche Karriere gedacht.

Haben Sie nie in Erwägung gezogen, den Arbeitsplatz zu wechseln?

Während meiner Ausbildung habe ich mich kurz mit dem Gedanken beschäftigt, da nicht sicher war, ob ich übernommen werde. 1994, nachdem ich meinen Angestelltenlehrgang II bestanden hatte, gab es interessante Stellen in den Neuen Bundesländern. Letztendlich war ein Wechsel keine Option, da meine Familie in Mellinghausen stark verwurzelt ist. Ich hätte meinen Freundeskreis, den Fußballsport und die ehrenamtliche Arbeit im TSV Mellinghausen aufgeben müssen.

Wann hatten Sie erstmals den Gedanken, eine Führungsposition zu übernehmen?

Ab Mitte der 1980er Jahre habe ich für rund 20 Jahre den komplexen und nicht unproblematischen Fachbereich „Ordnung und Soziales“ geleitet. 2002 bewarb ich mich für die neu eingerichtete Stelle des stellvertretenden Samtgemeindedirektors. Verwaltungsspitze und Samtgemeinderat entschieden sich für einen Bewerber von außen; er sollte neue Ideen in die Verwaltung einbringen.

Hat man es als Verwaltungschef nicht schwer unter den ehemaligen Kollegen?

Ich habe tatsächlich lange überlegt, ob ich für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters kandidiere, aber viele Kollegen, Mitglieder der Räte und auch Einwohner haben mich dazu ermutigt und mir entsprechendes Vertrauen entgegengebracht.

Was waren die wichtigsten Projekte der letzten Jahre?

Wir sind dabei, unsere Infrastruktur im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten zukunftsfähig auszubauen. Verwaltung und Politik ziehen an einem Strang. Unsere Grundschule und die Kindertageseinrichtungen sind auf dem neuesten Stand, der Breitbandausbau ist auf den Weg gebracht. Aktuelle Projekte sind die Hallenbadsanierung, der Ausbau von Angeboten im Seniorenbereich, die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung und die „Dorfentwicklung“.

Wie hat sich die Arbeit in der Verwaltung in den letzten 40 Jahren verändert?

Die Verwaltung hat sich von einer „Obrigkeitsverwaltung“ zum kundenorientierten Wirtschafts- und Dienstleistungsbetrieb entwickelt. Ich bin stolz, dass meine Mitarbeiter diesen Weg mitgehen. Mitunter helfen sie auch in Angelegenheiten, die nicht zu ihrem eigentlichen Aufgabenbereich gehören.

Verliert man als Leiter der Samtgemeindeverwaltung die Bürgernähe?

Ja, das ist leider so. Als Angestellter habe ich im Umgang mit den Bürgern eine Menge schöner, aber auch schwieriger Situationen erlebt. Aus Zeitgründen kann ich Kontakte nicht in dem Umfang pflegen, wie ich es möchte. Das vermisse ich sehr. Die Bodenhaftung und Bürgernähe habe ich aber nicht verloren; ich versuche, immer erreichbar zu sein.

Worin sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit als Hauptverwaltungsbeamter?

Ich habe den Anspruch, mich in alle Projekte einzuarbeiten und mich aus erster Hand gut zu informieren. Beim Breitbandausbau prüfe ich derzeit, ob die Verlegung der einen oder anderen Trasse Sinn macht oder sich noch Verbesserungsmöglichkeiten ergeben. Auch bei der Sanierung des Hallenbads liegt mir daran, möglichst viele Details zu kennen, um der Politik Alternativen bieten zu können.

Was sind die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Der Erhalt der Eigenständigkeit der Samtgemeinde und ihrer Mitgliedsgemeinden ist das wichtigste Ziel. Wir wickeln zurzeit viele Projekte ab, um uns zukunftsfähig aufzustellen – für eine kleine Verwaltung wie unsere ein Kraftakt, den wir dank des Engagements unserer Mitarbeiter und der Unterstützung der Ratsmitglieder meistern. Auf meiner „Wunschliste“ steht außerdem die Stärkung des Ehrenamts. Und der Fortbestand des guten Zusammenhalts unserer Einwohner.

Haben Sie jemals bereut, sich als Verwaltungschef beworben zu haben?

Der Zeitaufwand ist höher, als ich mir das damals vorgestellt hatte. Familie und Freunde müssen oft zurückstehen. Dennoch bereue ich diesen Schritt nicht. Es ist ein gutes Gefühl, die Zukunft unserer Samtgemeinde mitgestalten zu können.

Rainer Ahrens’ Vita in Zahlen und Fakten

Rainer Ahrens ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. 1980 bis 1983: Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Samtgemeine Siedenburg; 1983 bis 2014: Tätigkeiten unter anderem im Steueramt, Ordnungs- und Sozialamt (Leitung) sowie als Vollstreckungs- und Vollziehungsbeamter; 1994: Angestelltenlehrgang II; 2010 bis 2014: Mitglied des Personalrats, ab 2012 dessen stellvertretender Vorsitzender; Seit dem 20. Juni 2014: hauptamtlicher Bürgermeister der Samtgemeinde Siedenburg; Hobbys: Brieftaubenzucht, Garten, Fußballspielen (Oldie-Liga, SV Staffhorst).

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