Mehrheit im Rat will Wandel der Bäckerei zum Dorfzentrum

Dorfzentrum in Siedenburg: Bau soll noch 2020 beginnen

Die ehemalige Dorfbäckerei Schacht soll zum Dorfzentrum werden.
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Die ehemalige Dorfbäckerei Schacht soll zum Dorfzentrum werden.
  • Martina Kurth-Schumacher
    vonMartina Kurth-Schumacher
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Siedenburg – Der Siedenburger Fleckensrat beschäftigte sich am Donnerstag erneut mit der Zukunft der ehemaligen Bäckerei Schacht. Den Überblick über die wesentlichen Kapitel der „Never ending Story“ gab Bürgermeister Detlef Metzlaff.

Seit die Gemeinde die Immobilie in der Ortsmitte 2014 im Rahmen eines Zwangsversteigerungsverfahrens erworben hat, wird ein Nutzungskonzept gesucht – federführend vom Arbeitskreis „Unser Dorf hat Zukunft“. Ein Förderantrag aus dem Jahr 2018 wurde abgelehnt, im Folgejahr ein weiterer gestellt. Im Januar entschied sich der Rat mehrheitlich für den Verkauf, ein akzeptables Angebot ging jedoch nicht ein. Unverhofft erhielt die Gemeinde am 4. Juni dieses Jahres eine Förderzusage: Die mit 290 000 Euro kalkulierte Maßnahme wird mit 71 Prozent der Investitionskosten bezuschusst. Voraussetzung ist, dass das Gebäude mindestens zwölf Jahre wie im Konzept dargelegt genutzt wird.

Mehrheitlich entschied sich der Rat am Donnerstag, die Immobilie Mühlenstraße 2 und 2a zu einem Dorfzentrum umzubauen. Geplant ist die Einrichtung eines Archivs, die Umgestaltung des Ladenlokals zum Kiosk mit Café und Vermarktung regionaler Produkte sowie der Ausbau eines Schulungs-, Veranstaltungs- und Gruppenraums (ehemalige Backstube) und das Integrieren einer Postfiliale. Henry Gerdes, Heinrich Knoop und Thomas Bückmann stimmten dagegen, Bianca Stratmann wirkte nicht an der Beschlussfindung mit.

Vor Beginn der Maßnahme sollen Pachtverträge mit Betreibern von Kiosk und Café sowie Vereinbarungen mit potenziellen Interessenten für die öffentlichen Räumlichkeiten geschlossen werden. Im Anschluss gibt es ein Vergabeverfahren für die Ausführungsplanung. Erklärtes Ziel ist, noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten zu beginnen.

Sieben Mitglieder des Rates sehen in dem Umbau eine große Chance für den Ort. Der Eigenanteil der Gemeinde ist mit rund 80 000 Euro überschaubar, zumal die Immobilie zurzeit jährlich durch Vermietung der drei Wohnungen zwischen 10 000 und 15 000 Euro erwirtschaftet. Die Befürworter setzen darauf, dass das Angebot von der Bevölkerung angenommen wird. „Dass jemand in Siedenburg Kaffee trinken will, ist reines Wunschdenken. Wir stecken viel Geld in das Gebäude und keiner wird es nutzen“, prophezeite Henry Gerdes. Heinrich Knoop äußerte sich noch drastischer: „Das ist ein Witz! Bagger her und weg damit!“ Thomas Bückmann nannte das Vorhaben „zu riskant“, da unliebsame Überraschungen während der Bauphase unabsehbare Kosten nach sich ziehen könnten.

Skeptisch äußerten sich auch einige der 20 Zuhörer. „Ich glaube, ein Großteil der Einwohner ist dagegen“, sagte ein junger Siedenburger. Seine Befürchtung: „Das wird nicht laufen, und unsere Generation muss es ausbaden.“ Andere befürchten, dass der Betrieb von Kiosk, Café und Tagungsraum wirtschaftliche Nachteile für die örtlichen Gewerbetreibenden nach sich zieht. Ratsherr Carsten Küfe platzte förmlich: „Ich kann die Laberei nicht mehr hören! Lasst euch das nächste Mal in den Rat wählen.“ Auch Helge Kühling schlug in diese Kerbe: „Der Arbeitskreis hat sich viele Jahre über die Zukunft der Bäckerei Gedanken gemacht. Warum war da von euch keiner dabei?“ Er mahnte zu „Mut und Vertrauen in die Zukunft.“

Kommentar zum Thema: Optimisten setzen sich durch

Die ehemalige Bäckerei Schacht ist keine Augenweide und ein Käufer, der einen annehmbaren Preis zahlt, findet sich nicht. Dass die Immobilie Mieteinnahmen abwirft und nun doch Fördergelder für den Umbau zu einem Dorfzentrum fließen, spricht gegen einen Abriss. 1 : 0 für die Optimisten im Rat: Sie setzten sich am Donnerstag gegen Skeptiker und Boykotteure durch. Ob das Dorfzentrum eine Bereicherung für den Ort ist oder nicht, wird die Zukunft zeigen. Durch das jahrelange Hin und Her haben einige Verfechter des Projekts offenbar das Vertrauen in die Idee verloren. Ohne Rückenwind aus der Dorfgemeinschaft wird sie sich nicht umsetzen lassen. Die Einwohner sollten zusammenrücken und gemeinsam nach Möglichkeiten suchen, das Konzept mit Leben zu füllen.

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