Trio bei „Pothole Rodeo“ dabei

Aus dem Sulinger Land 4000 Kilometer durch den Balkan für den guten Zweck

Drei junge Männer stehen rund um ihr Auto.
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Mit ihrem Fahrzeug: Janne Janzen, Simon Hadamla und Nils Pache freuen sich auf die Rallye (von links).

Borstel / Sulingen – Wie eine Rallye aussieht, ist im Sulinger Land kein Geheimnis: Hochgerüstete Fahrzeuge werden von den Teams dank ausgeprägter Fahrkünste in aberwitziger Geschwindigkeit über nur teilweise befestigte Strecken bewegt. Dass eine Rallye auch ganz anders sein kann, wollen drei junge Männer aus Sulingen und Borstel zeigen. Sie nehmen teil am „Pothole Rodeo“, einer Veranstaltung, die sie für einen guten Zweck über 4000 Kilometer durch den Balkan führen wird.

Er habe Werbung für die Rallye auf Instagram gesehen, berichtet Simon Hadamla aus Sulingen, „das sah interessant aus.“ Also erzählte er seinen Freunden Janne Janzen, ebenfalls aus Sulingen, und Nils Pache aus Borstel davon. „Die Idee ist gereift“, erinnert sich Janzen, und schließlich habe man begonnen, nach einem Auto zu gucken.

Die Art der Fahrzeuge, mit denen die Teilnehmer starten, ist eine der Besonderheiten dieser Rallye. Drei Klassen stehen zur Wahl: Die „500 Euro“-Klasse umfasst Fahrzeuge, die mindestens 20 Jahre alt sind und nicht mehr als 500 Euro in der Anschaffung gekostet haben. Weitere Klassen gibt es für Autos mit maximal 50 PS Leistung oder solchen, die wenigstens 500 000 Kilometer Strecke hinter sich haben.

Die Motorhaube zieren die Flaggen der Nationen, die unterwegs durchquert werden.

Das Trio wurde im März fündig bei „E-Bay Kleinanzeigen“: In Bremerhaven wurde ein Audi Kombi, Baujahr 1998, für weniger als 500 Euro angeboten. „Das Wichtigste war für uns der Preis“, betont Simon Hadamla, „und am besten sollte es auch ein Diesel sein, weil die Rallye alleine schon etwa 4 000 Kilometer lang ist – und mit An- und Abreise kommen wir sicher auf 7 000.“ Ebenfalls wichtig: eine Klimaanlage.

„Er sollte auch zuverlässig sein, aber das ist bei den alten Audis ja gegeben“, ergänzt Nils Pache. Vom Organisator „BackRoadClub“, der seit 2014 solche Rallyes anbiete, werde ein kleiner Werkstattwagen mitfahren, um Kleinigkeiten zu beheben, ansonsten würden die Teams auf Werkstätten vor Ort zurückgreifen. Für alle Fälle werde man aber Werkzeug dabei haben, und die Teams würden sich auch untereinander per Whatsapp austauschen. Über eigene Erfahrung als Mechaniker verfügt keiner der drei: Hadamla studiert Englisch und Geschichte auf Lehramt für Gymnasien, Janzen absolviert ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik und Pache ist Fachinformatiker Systemintegration. Wenn notwendig, könne man aber Paches Bruder Henrik anrufen, denn der sei immerhin ausgebildeter Kfz-Mechatroniker.

Die Fahrtstrecke der Rallye findet sich als Aufkleber am Auto. Platz für Werbung von Sponsoren gäbe es noch.

Ein Fahrzeug der 50-PS-Klasse sei aufgrund der Strecke nicht infrage gekommen, erläutert Hadamla. Die Rallye startet in der Südsteiermark in Österreich. Von dort führt die Route über Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, den Kosovo, Albanien, Nord-Mazedonien, Bulgarien und Rumänien bis zum Ziel im serbischen Belgrad – elf Länder in zehn Tagen. „Da sind unterwegs viele Passstraßen, das wäre zu dritt in einem 50-PS-Auto nicht zu schaffen.“ Das Ziel sei ohnehin das Durchkommen, um Geschwindigkeit gehe es nicht.

Unterwegs gebe es für die Teams auch immer wieder Tagesaufgaben, erklärt Janne Janzen. So hätten die Teilnehmer bei vorigen Rallyes beispielsweise ein Foto machen müssen von ihrem Auto, auf dem das Auto aber nicht zu sehen sein durfte oder sie hätten ein Video drehen müssen, in dem das Fahrzeug von einem Esel gezogen wird.

Mit Rallye Spenden sammeln für Bau einer Vorschule

Eine vorgegebene Strecke gebe es laut Nils Pache auch nicht, sondern nur Checkpoints in den Ländern und Empfehlungen, wie diese zu erreichen seien. Zusätzlich erhalte man Tipps, welche „coolen Orte“ noch in der Nähe sind. „Alles werden wir sicher nicht schaffen“, vermutet Simon Hadamla, „sondern spontan entscheiden.“

Das „Pothole Rodeo“ (Pothole heißt Schlagloch) dient aber nicht nur dem Vergnügen der Teilnehmer, sondern auch einem guten Zweck: Die Veranstalter unterstützen mit ihren Touren das Projekt „Chance für Bildung“. Gemeinsam mit dem Verein „Child-Care-Africa Entwicklungshilfe“ soll in Marokko eine Vorschule ausgebaut werden, die dafür notwendige Summe von 45 000 Euro sollen die Teilnehmer über Sponsoren zusammentragen:  Im Internet kann unter Angabe der Teamnummer „220“ für das Trio aus dem Sulinger Land gespendet werden. Bis zum Start wolle man aber noch heimische Unternehmen als Sponsoren gewinnen und deren Logos auf dem Wagen platzieren, sagt Pache: „Auf dem Auto ist noch Platz.“

Start ist am 20. August in Österreich

Am 20. August beginnt die Rallye, zuvor haben die drei noch einige Aufgaben vor sich: Der Audi muss angemeldet werden, damit er ein paar Testfahrten absolvieren kann, außerdem gilt es, die Radlager zu überholen und die Klimaanlage aufzufüllen. Aktuell werde gerade getestet, ob die Campingausrüstung für die Übernachtungen vollständig und in Ordnung ist – und das „Probepacken“ der Ausstattung stehe auch noch an.

Worauf freuen sie sich am meisten? „Endlich mal wieder rauskommen“, sagt Nils Pache. Der Wagen habe noch eine TÜV-Zulassung bis November 2022. „Wenn uns das Spaß macht, können wir im nächsten Jahr eine andere Tour fahren.“

Die Tour der drei Rallyepiloten wird man auf ihren Profilen auf Instagram verfolgen können, kündigen sie an.

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