Rainer Cohrs: „Die Hemmschwelle der Menschen sinkt von Jahr zu Jahr“

Der Sicherheit verpfichtet

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Der Unternehmer Rainer Cohrs aus Brinkum. ·

Brinkum - Von Sigi SchrittOb beim Freimarkt, Brokser Heiratsmarkt oder bei der Freiluftfete der Landjugend – auf solchen großen Veranstaltungen sind Leute wie Rainer Cohrs aus Brinkum gefordert, um die Sicherheit der Besucher zu garantieren.

„Die Anzahl der betrunkenen Menschen, die auf Veranstaltungen feiern wollen, nimmt zu. Es gibt ein unkontrolliertes Vorglühen“, sagt der 38-jährige Brinkumer Unternehmer, der seit 2008 nebenberuflich eine eigene Sicherheitsfirma hat und derzeit über einen Pool von 50 Mitarbeitern inklusive ausgewählten Subunternehmern verfügt.

Sicherheit ist immer dort ein Thema, wo sich viele Menschen an Regeln halten müssten, sagt Cohrs. „Wir sind der verlängerte Arm der Veranstalter und sorgen dafür, dass die Gesetze eingehalten werden.“ Cohrs glaubt allerdings, dass die Hemmschwelle der Menschen von Jahr zu Jahr sinkt. „Es gibt Menschen, die vergessen den Anstand und urinieren mitten in den Raum. Andere schlagen Partygäste, nur weil sie Lust dazu haben. Ich erlebe auch, dass ein am Boden liegender weiter Tritte gegen den Kopf erhält.“ So etwas müsse dringend von Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgt werden. „Wir übergeben die Beteiligten den Beamten.“ Die Zusammenarbeit mit den Behörden klappe hervorragend, sagt Cohrs.

Der 38-Jährige hat das Geschäft von der Pike auf gelernt. „Als ich 19 war, bekam ich die ersten Anfragen, ob ich unerwünschte Gäste von Partys fern halten könne. Mit 20 bewachte ich für ein größeres Sicherheitsunternehmen Gebäude. Ein paar Jahre später wechselte ich die Firma, um große Veranstaltungen und Konzerte zu schützen.“

Die Sicherheitsbranche gefiel ihm. Dennoch machte der in Weyhe aufgewachsene Cohrs sein Hobby nicht zum Beruf. Er begann eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn zum Energieelektroniker, arbeitete in der Fachrichtung Anlagetechnik und qualifizierte sich als Werksmeister in der Leit- und Sicherungstechnik. „Jetzt unterstütze ich die Bau- und Betriebskoordination der Bahn vom Büro aus.“ Das Unternehmen habe keine Probleme damit, dass Cohrs in seiner Freizeit als Sicherheitsmann arbeitet. Dass der 38-Jährige aus einem strengen Elternhaus stammt, in dem viel Wert auf einen sozialen Umgang gelegt wurde, kommt ihm nun zugute. Denn er muss mit Menschen in allen Lebenslagen reden. Die Aufträge werden größer. „Ich war bislang in vier Bundesländern im Einsatz. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland war das größte Ereignis“, berichtet der Brinkumer. Die Begeisterung für seine nebenberufliche Tätigkeit mündete im Jahr 2008 schließlich in der Übernahme der Firma WWS-Objektschutz. Seine Mitarbeiter seien alle von der Industrie- und Handelskammer geprüft. „Wir schauen uns die Leute genau an, die für uns tätig werden sollen. Mitarbeiter, die sich selber nicht kontrollieren können, kann man nicht andere kontrollieren lassen“, sagt Cohrs. Er will mit seinem Team gegen den schlechten Ruf der Branche ankämpfen. Dafür wirbt er auch als Junior-Beauftragter in der Brinkumer Interessengemeinschaft. Cohrs wünscht sich von der nächsten Bundesregierung verbesserte Rechte der Mitarbeiter in der Sicherheitsbranche. „Um unsere Arbeit zu erleichtern, wäre es gut, wenn wir auf öffentlichen Plätzen ein Platzverweis aussprechen und die Personalien fordern dürfen.“ Dies darf in Deutschland nur die öffentliche Hand wie etwa Polizei, Staatsanwaltschaft und Ordnungsamt. Die Politik sollte solche Rechte aber nur in geschulte private Hände geben.

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