Syker Familie Peterich-Ewulu nahm ein behindertes Baby bei sich auf / Pflegestufe drei / Mittlerweile voll integriert

„Sementha ist eine große Bereicherung“

Familie Peterich-Ewulu in trautem Beisammensein (v.l.): Joy , Sibylle, Fancy, Ray und Sementha.

Syke - Von Florian NeuhaussSYKE · Ganz weihnachtlich kam Sibylle Peterich-Ewulu wie die Jungfrau zum Kinde. Plötzlich war das Baby Sementha da – mittendrin in der Familie mit Vater Fancy, Bruder Ray und Schwester Joy. Sementha steht in öffentlicher Erziehung, lebt in einer sogenannten Erziehungsstelle (siehe Text links). Zur Syker Familie Peterich-Ewulu gehört sie trotzdem voll und ganz.

Sementha, die „Sammy“ genannt wird, ist mittlerweile vier Jahre alt. Bei der Geburt hatte das Kind Sauerstoffmangel. Mit schwerwiegenden Folgen: Das kleine Mädchen erlitt schwerste Gehirnschäden, die eine umfassende Pflege rund um die Uhr nötig machen. Da sich die leibliche Mutter damals in einer schwierigen Lebenssituation befand, war das anscheinend zu viel für sie.

Sibylle Peterich-Ewulu (53) kümmert sich im Auftrag des gemeinnützigen Jugendhilfeträgers Hermann-Hildebrand-Haus um Sementha. Die Einrichtung gehört dem Verbund Bremer Erziehungsstellen an, der sich der kleinen Sementha annahm. Dort hatte sich die Diplom-Pädagogin bereits zwei Jahre zuvor beworben. „Wir hätten auch einen Jugendlichen bekommen können“, weiß die 53-Jährige.

Bevor „Sammy“ mit drei Monaten zur Familie ziehen konnte, machten sich Fachberater vor Ort ein Bild und sprachen auch mit den Kindern. „Ich habe mich richtig gefreut, dass ich eine Schwester bekomme“, sagt die mittlerweile zehnjährige Joy. Mit sechs Jahren sei ihr allerdings nicht bewusst gewesen, dass ihre Schwester behindert ist. Als ihre Eltern sie aufklärten, hatte sie Angst, wie ihr Umfeld reagieren würde. „Aber da ist nie was gekommen“, freut sich die Gymnasiastin.

Ihr Bruder Ray sah vor seinem zwölften Geburtstag schon klarer: „Ich hatte die Sorge, dass Aufmerksamkeit für mich verloren geht. Auch wenn das egozentrisch ist.“ Immerhin erreichte er, dass Sementha erst nach seinem Geburtstag in die Familie kam. „Als ich von der Behinderung gehört habe, dachte ich damals an das Down-Syndrom“, berichtet der Zehntklässler.

Sementhas Beeinträchtigungen sind aber viel größer. Ray habe Angst gehabt, erinnert sich Mutter Sibylle, „Sammy“ würde ihn nie erkennen, als er das Ausmaß der Behinderung verstand.

Ihr Ehemann Fancy kommt aus Nigeria und hat sieben Geschwister. „Ich wollte immer auch selbst viele Kinder haben. Mit der Idee, ein behindertes Kind bei uns aufzunehmen, war ich sofort einverstanden“, erzählt der 48-Jährige.

Doch erst im vorigen Jahr entdeckte seine Ehefrau den Zugang zu Sementha. Nach einem Ärztemarathon stieß sie auf eine Fachklinik in Pelzerhaken an der Ostsee. Insgesamt sieben Wochen verbrachte sie dort mit dem Kind. „Es war eine 180-Grad-Wendung“, sagt die Sykerin. „Dank Basaler Stimulation, einer ganzheitlichen Therapieform, ist sie jetzt ansprechbar. Außerdem ist es nicht mehr egal, wer sie auf dem Schoß hat.“

Und mittlerweile haben sich auch Rays Befürchtungen verflüchtigt. Auf seinem Arm wird Sementha schnell ruhig und entspannt sich. „Das verschafft mir Glücksmomente“, sagt der 16-Jährige. Anders ist es, wenn jemand in seiner Gegenwart „behindert“ als Schimpfwort benutzt. „Das geht gar nicht – ich habe es aber den meisten schon  abgewöhnt.“

„Es ist ganz wichtig, dass bei uns keiner zurückstecken muss und alle zu ihrem Recht kommen“, erklärt Sibylle Peterich-Ewulu das Geheimnis in der Gemeinschaft. „Sementha ist eine große Bereicherung für unsere Familie.“ Ihr Mann Fancy ergänzt: „Wir sind einfach ein gutes Team.“

Nur mit Geschenken für Sementha ist es schwierig. „Meist landen dann doch alle bei Klamotten“, sagt die Mutter. Nur Joy wusste schon früh, was sie ihrer Schwester zu Weihnachten schenken würde. „Aber was es ist, kann ich nicht schon vorher  verraten.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte

Blitzer im Landkreis Diepholz: Dies sind die aktuellen Standorte
300 Meter langer Damm für Bassum

300 Meter langer Damm für Bassum

300 Meter langer Damm für Bassum
Weitere Impfteams im Kreis Diepholz kurz vor dem Start

Weitere Impfteams im Kreis Diepholz kurz vor dem Start

Weitere Impfteams im Kreis Diepholz kurz vor dem Start
Impfen in Stuhr: Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen richtet eine Außenstelle ein

Impfen in Stuhr: Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen richtet eine Außenstelle ein

Impfen in Stuhr: Heiligenroder Hausarzt Piet Lueßen richtet eine Außenstelle ein

Kommentare