Bahnhof Syke verärgert Reisende und Anwohner:

Vollgestopft und zugeparkt

Kein seltenes Bild: Der Parkplatz am Syker Bahnhof ist bis auf den letzten Platz gefüllt

Syke - Von Heinrich Kracke. Der Syker Bahnhof wird gegenwärtig mit Millionenaufwand umgebaut, aber mit mehr Attraktivität steht auch neuer Ärger ins Haus. Das Umfeld ist nicht mitgewachsen, wer das Auto abstellen will, für den heißt es statt „Park & Ride“ immer häufiger „Park & Walk“. Und fixe Lösungen zeichnen sich nur schemenhaft ab.

Die Bahnsteige kommen neu, der Bahnhofstunnel erhält eine Schönheitskur, der gesamte Syker Bahnhof wird gegenwärtig saniert und präsentiert sich dann ab Frühjahr nächsten Jahres als komfortabler Umsteigepunkt. Mehr als zwei Millionen Euro nehmen Stadt und Bahn dafür in die Hand. Alles für noch mehr Attraktivität und noch mehr Menschen, die auf den Zug umsteigen. Doch der ganze Aufwand hat einen Schönheitsfehler: Die Infrastruktur wächst nicht mit. Es fehlen Parkplätze jetzt schon an allen Ecken und Enden. Es fehlen Abstellplätze für Fahrräder. Anlieger beginnen darüber zu maulen, dass an ihren Vorgärten jeder freie Meter zugeparkt ist, Firmenchefs schimpfen über Park-Versuche auf ihrem Betriebsgelände und ergreifen erste Schutzmaßnahmen - und wer wirklich an einem ganz normalen Wochentag Reisende zum Zug bringen will, der trägt die Koffer zu Fuß zum Zug, oder er geht das Risiko eines Knöllchens ein. Das Problem ist durchaus auch im Syker Rathaus bekannt. „Da besteht ein gewisser Parkdruck“, sagt Lars Brunßen aus der Bauverwaltung. Lösungen zeichnen sich jedoch nur schemenhaft ab und sind verbunden mit vielen Fragezeichen.

Der Nordwohlder Dennis Jäsche hat eigentlich alles richtig gemacht. Er fährt die fünf Kilometer mit dem Auto zum Bahnhof, er steigt auf den umweltfreundlichen Schienenverkehr um, er gelangt schneller als mit anderen Verkehrsmitteln ans Ziel, an die Hochschule Bremerhaven, und er kommt ausgeruht an. Er liegt eigentlich im Trend. Eigentlich. Wäre da nicht die verflixte Parkplatzsuche. „Ich war zu Anfang gar nicht darauf gefasst, dass ich hier nichts finde oder zumindest suchen muss. Einmal hab ich sogar den Zug verpasst.“ Für ihn steht fest: „Da besteht dringender Handlungsbedarf.“

Wie ihm geht es vielen Pendlern, die das Pech haben, etwas später zum Dienst antreten zu müssen. Sie steuern einen der entfernteren Parkplätze an. Statt „Park & Ride“ heißt es für sie „Park & Walk“. Und ab ungefähr 12.30 Uhr geht gar nichts mehr. Die Straße Auf den Wührden ist zugeparkt, das anschließende Stadtviertel auch, und auf der anderen Seite der Bahnlinie im Gewerbegebiet Am Ristedter Weg haben die Firmen ebenfalls ihre Last. „Wir weisen dezent darauf hin, dass wir auf Kundenparkplätze angewiesen sind,“ sagt Steinmetzmeister Dietmar Franz, „das wird glücklicherweise zurzeit akzeptiert.“ Die Blechlawine wogt derweil in noch entferntere Ecken.

Während der Parkplatz am Bahnhof vollgestellt ist, sind freie Abstellflächen eigentlich gar nicht so weit.

Dabei liegen Ausweichflächen sogar in Reichweite. Die beste nur wenige Meter vom Bahnhofsportal entfernt. Sauber gepflasterte Parkbuchten sind hier entstanden, belegt sind nur die wenigsten. Der Haken nämlich: Eine Schranke versperrt die Zufahrt. Im Minutentakt stehen Autofahrer vor dem leuchtend roten Balken, stehend kopfschüttelnd da und fahren missmutig bis wütend wieder ab. Auch der Hinweis auf die Zufahrtsroute macht sie nicht froher. Sie müssten durch die halbe Stadt gondeln, die Ganztagsschule im äußersten Syker Norden umkurven und hätten nach gut drei Kilometern die andere Seite der Schranke erreicht. Diesen Aufwand betreiben nur wenige. Die meisten parken irgendwo.

Hintergrund: Die eingleisige Eisenbahnlinie nach Eystrup zweigt hier ab, die Kaffkieker-Strecke. Und eine Lösung zeichnet sich nicht ab. „Die Schranke ist eine Schutzeinrichtung,“ heißt es aus dem Rathaus, „sogar Güterzüge dürften jederzeit durchfahren.“

Eine weitere Ausweichfläche liegt jenseits der Bahnstrecke direkt Am Ristedter Weg. Auf den rund 3000 Quadratmetern direkt an den Gleisen ist das einstige Gestrüpp gegenwärtig im Begriff sich zu Bäumen auszuwachsen. Das Gelände befindet sich in Bahnbesitz, vor gut fünf Jahren war es zum Preis von lediglich noch acht Euro je Quadratmeter den umliegenden Firmen angeboten worden. Niemand griff zu. „Wir haben damals meines Wissens kein Angebot erhalten,“ sagt Peter Hübner, im Rathaus für die Liegenschaften zuständig. Zurzeit ruhen die Gespräche. „Alles andere wäre weit entfernte Zukunftsmusik.“

Hoffnung für Radler

Immerhin aber zeichnet sich vage eine Lösung für Radfahrer ab. Schon im Zuge der kommenden Baumaßnahme sollen zusätzliche Fahrradboxen installiert werden. In Frage kommt dafür eine Rasen- und Heckenfläche direkt am Bahnsteig zwischen Bahnhof und Bahnhofstraße. „Die Bahnsteige werden erhöht, der ganze Bereich muss angepasst werden,“ so das Kalkül in der Syker Bauverwaltung, „wir werden den Bahnvertretern vorschlagen, hier Platz zu lassen für diese Boxen.“ Die Gespräche sollen dieser Tage geführt werden.

Gedacht ist an rund 40 abschließbare Fahrrad-Garagen, so dass künftig rund 140 zur Verfügung stünden. Allerdings ist selbst diese relativ kleine Maßnahme noch an Hürden gekoppelt. „Dafür werden Fördergelder beantragt. Wenn wir die Zusage haben, kann gebaut werden.“ An Interessenten mangelt es schon jetzt nicht. „Unsere Warteliste umfasst zurzeit 35 Personen,“ sagt Norbert Wilken von der Velo-Fahrradwerkstatt im Bahnhof, in deren Zuständigkeit die Betreuung der Boxen fällt. Das Problem jedoch: Schon als die Delmewerkstätten bei der Neueröffnung der Fahrradwerkstatt vor fünf Jahren die Vermarktung der Boxen übernahm, übernahmen sie auch gleich die Warteliste mit, und deren Umfang damals: Ebenfalls 35 Interessenten. Für 50 Euro pro Jahr könnten sie sich einmieten, wenn sie denn könnten.

„Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass wir mehr brauchen,“ sagt Wilken. Vertrösten helfe jedenfalls nicht mehr. „Wir stehen mit den Interessenten im regelmäßigen Kontakt. Viele sind inzwischen abgesprungen, ihnen dauert das Verfahren einfach zu lange.“

Auch bei den kostenlosen Fahrradständern, ebenfalls hoffnungslos überfüllt, zeichnet sich eine Lösung ab. „Auf Sicht müssen wir uns beispielsweise der Fläche am alten Bahnübergang in Richtung Nordwohler Straße widmen,“ sagt Lars Brunßen, „gut möglich, dass hier zusätzlicher Platz geschaffen wird.“ Selbst abschließbare Fahrradgaragen seien hier durchaus denkbar.

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