Siegerin des fünften Syker Scrabble-Herbstes kommt aus St. Gallen

Schweizer Präzisionsarbeit

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Die entscheidende Partie beim 5. Syker Scrabble-Herbst: Blanca Gröbli-Canonica gegen Stefan Merx. Die Schweizerin holte sich den Sieg und den Titel. ·

Syke - Von Frank Jaursch SYKE · Ein kleines bisschen ist es an diesem Tag im Gleis 1 wie in der Schule: Die Glocke erklingt, Gespräche ebben ab, die Plätze an den Tischen werden eingenommen. Zeit für die nächste Stunde – pardon: die nächste Runde. 13 Partien Scrabble hat jeder der 30 Teilnehmer gestern Mittag bereits hinter sich, nun entscheidet sich, wer sich beim fünften Syker Scrabble-Herbst in die Siegerlisten eintragen wird.

Von 15 Spielbrettern werden nun die Buchstabensteinchen in die Stoffsäckel gefüllt. Das Klackern der Buchstaben ist in den folgenden Minuten das einzige Geräusch. Gesprochen wird nun nicht mehr. „Wir kommen ja alle vor allem hierher, um Spaß zu haben“, wird die ehemalige Deutsche Meisterin Maria Feige später sagen. Doch Gewinnen macht halt noch mehr Spaß. Also Ruhe bitte. Scrabble ist auch Konzentrationssache.

Aus dem ganzen Bundesgebiet sind die Scrabble-Fans hierher gekommen, ein Teilnehmer kommt aus Österreich, zwei Frauen aus der Schweiz. Sie alle verbindet die Leidenschaft, im sich langsam entfaltenden Wortgerüst vor sich noch die Lücke für das nächste Wort zu finden. Lange Worte mit seltenen Buchstaben bringen mehr Punkte. Und wenn das Q auf dem Feld „Dreifacher Buchstabenwert“ landet, huscht schon mal ein Lächeln über das Gesicht des Spielers.

Je sieben Buchstaben aus dem Sack finden Platz auf den grünen Kunststoffbänkchen. Am Spielbrett läuft eine Schachuhr: 30 Minuten Zeit hat jeder Kontrahent – reicht das nicht, gibt‘s Strafpunkte. „Kommt aber fast nie vor“, sagt ein Teilnehmer lakonisch.

Auf den Spielfeldern entwickeln sich die Wort-Gefechte der Spieler. An Tisch eins das Duell der beiden bislang besten: Blanca Gröbli-Canonica und Stefan Merx haben je zehn Siege und drei Niederlagen auf dem Konto. Der Sieger holt den Titel. Merx hat einen guten Start, führt nach zehn Minuten mit 165:142. Seine Schweizer Gegnerin zieht sich das Jackett aus.

Am Brett nebenan zweifelt Heinz-Jürgen Michel das vom Gegner gelegte Wort „Stachelen“ an. Ein Gang zum PC – dort läuft ein Scrabble-Check-Programm. Stachelen gibt es nicht – zehn Strafpunkte. Michel wird diese Partie wenig später gewinnen und sich Platz neun sichern.

Während die ersten Partien entschieden sind und die Ergebniszettel bei den Organisatoren abgegeben werden, bleibt es am Spitzentisch eng. Die Spielerin aus St. Gallen führt mittlerweile mit 265:253, muss aber nun eine Nullrunde hinnehmen. Sechs Vokale auf ihrem Bänkchen: Damit kann auch der gewiefteste Scrabble-Zauberer nicht viel anfangen. Sie tauscht vier Buchstaben aus – auf Kosten eines Spielzugs.

Die Entscheidung zahlt sich aus: Kontinuierlich vergrößert sie in der Folge ihren Vorsprung, ohne sich aber entscheidend abzusetzen. 359:324 steht es, als noch ein Buchstabe im Stoffsäckchen ist. Stefan Merx liegt zurück, kommt langsam in Zeitnot. Die Finger fliegen über seine Buchstaben-Bank, legen dort immer neue Kombinationen und Wortfragmente. Doch die Lösung will nicht erscheinen.

Alle anderen Partien sind jetzt beendet. Ein Signalton erklingt: Merx‘ Zeit ist abgelaufen – auch was die Siegchancen angeht. Mit 391:333 holt sich Blanca Gröbli-Canonica den Turniersieg, auch ihre Schweizer Landsfrau Regula Schilling überholt Merx („Zum ersten Mal in meinem Leben hab ich die Zeit überzogen“) noch. Der Drittplatzierte findet aber schnell seinen Humor wieder: „Hey, ich bin bester Deutscher!“

Dem Lokalmatador und Organisator Heinz-Jürgen Michel bleibt die Genugtuung, der Siegerin eine Niederlage beigebracht zu haben. Und die Hoffnung aufs nächste Jahr.

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