Landschwein verdrängte Schafe und veränderte Architektur / Hausforscher Heinz Riepshoff referierte im Kreismuseum

Das Schwein als Fahrgast Nummer eins

Bahnhof Syke – eine Postkarte aus der Zeit der Schweinehochburg.

Syke - (nie) · „Ich wusste gar nicht, dass sich so viele Leute für Schweine interessieren“, staunte Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding auf der voll besetzten Diele. Der Grund: Hausforscher Heinz Riepshoff (Verden) referierte zum Thema Hoyaer Landschwein und über die damit verbundene Veränderung der Architektur im Raum Grafschaft Hoya.

„Das Hoyaer Landschwein gibt es nicht mehr, es wurde weg gekreuzt“, bedauerte Vogeding einleitend. Dass das Tier für die Region zu einem wahren Glücksschwein wurde, belegte Riepshoff mit Zahlen, alten Bildern und interessanten Bauzeichnungen.

Die Geschichte des Hoyaer Landschweins ist eng verbunden unter anderem mit den Bahnhöfen Syke (damals einer der größten Umschlagplätze für Schweine), Kirchweyhe (Verschiebebahnhof) und Hoya sowie der riesigen Markthalle in Brinkum (1912 mit rund 400 Schweinebuchten). Riepshoff: „Brinkum war eine Hochburg der Schweinemast.“ Die Schweineställe seien wie Pilze aus dem Boden geschossen, und das Schwein habe in der Region binnen weniger Jahre das damals traditionelle Schaf verdrängt. Eine Zählung des Viehs im Bereich Syke ergab 1857 rund 6500 Schafe, nur 652 Schweine. Das änderte sich so schlagartig, dass die Schafställe zu Schweineställen umgebaut wurden. Um 1913 wurden rund 225 307 Schweine gezählt. Riepshoff bezeichnete es als ein Phänomen, dass die größte Anzahl in den Ställen der kleinen Betriebe gestanden habe.

Große Bedeutung erhielten die Kleinbahnen, wie zum Beispiel die Strecke Hoya-Asendorf-Syke. Das Hoyaer Landschwein sei so etwas wie der „Fahrgast Nummer eins“ gewesen, so der Referent. Durch die Schweinezucht entstanden vermehrt Ziegeleien, unter anderem die von H. Hesse in Steimke. Die Produkte waren gefragt. Es wurde gebaut. Prägend war der rote Backstein. Riepshoff präsentierte Fotos alter Wohnhäuser und Schweineställe (in einigen Ställen waren auch das Plumpsklo und die Futterküche untergebracht) aus Barrien (1996 abgerissen), Martfeld, Riede, Sörhausen und Bassum. Häuser, die zum Teil die Architektur der damaligen „Schweinezeit“ widerspiegelten. Der Gast zeigte verständlich die enge Verzahnung zwischen Schweinezucht und Architektur auf. Durch den Wohlstand, den das Schwein brachte, profitierte die Industrialisierung. Im Hafen von Bremen wurde russische Futtergerste für das Hoyaer Landschwein angeliefert. Die Schweinemäster wiederum verdienten am Wachsen des Ruhrgebiets. Die steigenden Einwohnerzahlen im Land der Kohle und des Stahls schafften den Schweinemästern im Raum Grafschaft Hoya Absatzmärkte für ihr Landschwein. Sie machten richtig „Kohle“.

Nach 1945 gab es noch einmal Aufwind für die Schweinemastbetriebe. Mit Blick auf die heutige Zeit wies der Referent auf die Massentierhaltung im Weser-Ems-Gebiet hin mit dem Problem der Entsorgung der vielen Gülle.

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