Reisende Werkschule Scholen hilft Hungernden in Malawi – und braucht Unterstützer

„Die Not wird immer größer“

Eine der Maislieferungen wird in Makanjira verteilt. - Foto: Reisende Werkschule Scholen

Scholen - Die derzeit herrschende Hungersnot in einigen Ländern Afrikas ist aus hiesigen Medien – und den Köpfen der Deutschen – weitgehend verschwunden. Team und Schüler der Reisenden Werkschule Scholen sind nicht nur in Gedanken bei den Menschen in Malawi, die sie bei ihren Schulbauprojekten kennengelernt haben: Sie spendeten und sammelten Spenden im Bekanntenkreis, konnten mehrere Maislieferungen organisieren, um der Bevölkerung zu helfen. Doch jetzt geht den Helfern finanziell die Luft aus – sie bitten um Unterstützung.

„Als wir nach unserem jüngsten Einsatz in Malawi Anfang November 2015 abreisen wollten, gab es den ersten heftigen Regenguss und wir mussten warten, bis die Pisten wieder passierbar waren“, erinnert sich Evelyn Seyfried, Pädagogische Leiterin der Ergänzungsschule. Lang anhaltende Regenfälle schwemmten die Aussaat größtenteils aus der Erde, die folgende, jahreszeitlich untypische Trockenperiode ließ die wenigen Schößlinge vertrocknen – Ernteausfall. Erste Meldungen über die kritische Versorgungslage in den Nachrichten, das Team der Schule erfuhr von den Partnern vor Ort, dass sie, ihre Familien und viele weitere Menschen von der Hungersnot betroffen sind, „und die Not wird immer größer.“ Per „WhatsApp“ stehen Pädagogen und Schüler in Kontakt mit Juma, einem jungen Mann, der eine der von den Gruppen aus Scholen gebauten Schulen besuchte und mittlerweile studiert. „Er begleitet unsere achtwöchigen Einsätze, schlägt sozusagen die kulturelle Brücke für uns.“

Im Juni sammelten die Kolleginnen und Kollegen und die Jugendlichen erstmals Geld, organisierten die erste von bislang vier Maislieferungen. Das Prinzip: Juma und Helfer kaufen in der nächsten größeren Stadt 2 500 Kilogramm Importmais, transportieren ihn mit einem gemieteten Lkw nach Makanjira. Die Kosten für eine Lieferung belaufen sich aktuell auf 1 300 Euro. „In Makanjira steht das Resthouse, in dem wir während unserer Baueinsätze wohnen.“ Ein geschützter Ort – das ist für die Verteilung des Maises wichtig, bei der stets ein Polizist dabei ist: „Bei einer ähnlichen Aktion einer anderen Organisation ist erst neulich jemand zu Tode gekommen. Die hungernden Menschen sind verzweifelt.“ Jeder der Transporte geht an die 300 bedürftigsten Familien aus einem der Orte, in denen die Reisende Werkschule im Laufe der Jahre Schulgebäude errichtet hat: Makanjira, Chillinda und Naugungu. Eine Region, die laut Evelyn Seyfried von Hilfsorganisationen eher gemieden wird: „Sie ist schwer zugänglich, liegt nahe der mosambikanischen Grenze, hat keinerlei Zerstreuung zu bieten. Wir brauchen das für unsere Arbeit mit den Jugendlichen – für ehrenamtliche Entwicklungshelfer ist es zu ,öde‘.“ Für Chillinda, wo das Team aus Scholen hofft im September 2017 mit dem vierten Gebäude die dortige Schule zu komplettieren, wäre Transport Nummer fünf bestimmt. „Dafür fehlen uns aktuell aber noch 500 Euro.“ Erst im Januar / Februar kann in der Region die nächste Ernte eingefahren werden, „wenn alles gut geht. So lange wollen wir versuchen, weitere Maislieferungen zu organisieren.“ Evelyn Seyfried ist klar: „Mehr als eine Geste ist es kaum, wir allein können die Leute nicht vor dem Hungertod retten. Aber wir wollen auch zeigen: ,Wir denken an euch‘.“

Wer helfen möchte, kann unter dem Stichwort „Hungerhilfe“ eine Spende auf das Konto des Vereins Reisende Werkschule Scholen bei der Volksbank Sulingen (IBAN: DE11 2569 1633 0003 6633 06) überweisen, wer dabei seine vollständige Adresse angibt, bekommt eine Spendenbescheinigung zugeschickt. Evelyn Seyfried: „Jeder noch so kleine Beitrag hilft.“ - ab

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