„Planen, nichts zu planen“

Pastorin Cornelia Harms und der Abschied von der Kirchengemeinde Sudwalde

Cornelia Harms verabschiedet sich am 23. Februar als Pastorin der Kirchengemeinde.

Über 40 Jahre Dienst für die Landeskirche: Sudwaldes Pastorin Cornelia Harms wechselt in den Ruhestand.

Sudwalde - Man kann eine „ganz altmodische Einstellung“ haben, einen Beruf voller Vorgaben – und dennoch immer wieder erfolgreich neue Ideen einweben, die sich zu lieb gewonnenen Traditionen entwickeln. Cornelia Harms hat in über 40 Jahren in Diensten der Landeskirche genau dies bewiesen. Für den 23. Februar ist ihr Abschiedsgottesdienst geplant. Der Kirchengemeinde Sudwalde steht dann eine Zäsur bevor. Wieder einmal.

Eine Frau als Pastorin, das war im Jahr 1988 in Sudwalde nicht wirklich selbstverständlich. Cornelia Harms erinnert sich noch heute an manchen Bürger, der sich lieber an den Vorgänger wandte, als an die Neue im Pfarrhaus. Pastoren bleiben im Ruhestand eigentlich nicht im Ort der Pfarrstelle wohnen, um dem Nachfolger oder der Nachfolgerin den Einstieg zu ermöglichen. Die Pastorenfamilie Harms jedoch hat nach fast 32 Jahren in Sudwalde Wurzeln geschlagen. Nicht nur beruflich, sondern auch privat.

Sudwalde ist Heimat geworden

Sudwalde ist Heimat geworden. Die Familie habe verschiedene Optionen überlegt, sich nun für ein Haus in Sudwalde entschieden. Und Cornelia Harms dafür, ein ganzes Jahr „kirchlich nichts“ zu machen. Keinen Text für den Gemeindebrief, auch keine Ausnahme für eine Einsegnung oder Ähnliches. „Das wäre nicht fair einem Nachfolger gegenüber“, sagt Harms.

„Ich muss lernen, Nein zu sagen und die Gemeinde muss lernen, es zu akzeptieren, dass ich nicht mehr ihre Pastorin bin.“ Aber ja, sie werde Gottesdienste besuchen. Was allerdings bezüglich ihrer Nachfolge geplant ist, stehe noch nicht fest, sagt Harms.

Urlaubsvertretung nicht ausgeschlossen

Als Urlaubsvertretung könne sie sich Einsätze auf der Kanzel vorstellen, denn: „Ich habe immer gerne gepredigt.“ Der Kanon, der im Kirchenjahr Themen und Bibelstellen vorgibt, sei hilfreich, sie sei allerdings frei in der Auswahl, habe immer wieder „auf Herz und Bauch gehört“.

Sich ganz auf den Menschen einlassen, um den es geht, etwa bei Trauerreden – das kann belasten. Cornelia Harms habe einen Weg für sich gefunden. Sicherlich, Erinnerungen bleiben an besondere Situationen. Etwa wenn ein junger Mensch, eben erst konfirmiert, plötzlich verstirbt: „Das nimmt einen richtig mit.“ Andere Fälle seien leichter zu verarbeiten.

„Richtig gut gelungen“

Auch Schönes bleibt im Gedächtnis: „Richtig gut gelungen“ sei die Feier zu ihrem 25-jährigen Jubiläum als Pastorin in Sudwalde im Jahr 2013, erinnert sich Cornelia Harms. Die Gemeindefahrt nach Thüringen, eine kleine Idee mit großer Resonanz und einer Gruppe zwischen Kind und Oma, die sich auf die Spuren von Martin Luther. Oder der „Weihnachtsmarkt rund um die Kirche“: Aus der Idee ist eine jährlich wiederkehrende Veranstaltung geworden, die die Dorfgemeinschaft seit mittlerweile vier Jahren sehr schätze – als Gemeinschaftsaktion. Nachdem das Pfarrhaus umgebaut wurde, in den Jahren 1998 /1999, und um einen Gemeindesaal erweitert, hat Pastorin Harms im Jahr 2000 erstmals zum Osternachtsgottesdienst eingeladen. 80 Besucher bedeuteten einen Erfolg – und die Begründung einer Tradition, die bis heute anhält. „Das könnt ihr jeden Sonntag machen“, freute sich ein Besucher eines Open-Air Gottesdienstes an Himmelfahrt. „Nein. Denn dann wäre der ja nichts Besonderes mehr“, kommentiert Harms.

Mit welchem Gefühl nähert sie sich ihrem Ruhestand? „Zuerst habe ich gedacht: Wie das wohl werden wird? Aber jetzt ist auch gut gewesen, nach über 40 Jahren im kirchlichen Dienst“, sagt Cornelia Harms. Das Leben nach Terminplan, mit Dienst an den meisten Wochenenden, solle der Vergangenheit angehören: „Wir planen, nichts zu planen.“ Auch mal samstags ausgehen oder wegfahren, ohne sich abmelden zu müssen.

Abschiedsgottesdienst am 23. Februar

Der nächste Gottesdienst unter Leitung von Pastorin Cornelia Harms folgt am Sonntag, 19. Januar, 19 Uhr, mit Abendmahl. Der Abschiedsgottesdienst am 23. Februar beginnt um 15 Uhr, mit anschließendem Empfang im Gasthaus Stühring.

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