Neue Firma „H2 Recycling & Textile“

Flüchtlinge schöpfen Wert aus Altkleidern 

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Tonnen von Altkleidern warten in der Halle der Firma „H2 Recycling & Textile“ in Schwaförden darauf, sortiert zu werden – vorne: Klaus Reinel, Hamze Hammoud und Hussein Ajami (von links).

Schwaförden - Von außen macht der ehemalige Standort des Landhandels Fehse in Schwaförden, der viele Jahre leer stand, noch immer einen verwaisten Eindruck – in der rund 1 200 Quadratmeter großen Halle  herrscht aber seit Anfang des Monats wieder Leben: Die neue Firma „H2 Recycling & Textile“ hat sie angemietet. Ein Team von aktuell fünf Flüchtlingen – ein Sudanese, zwei Iraker, zwei Libanesen – sortiert Tonnen von gebrauchten Schuhen und Altkleidern.

Klaus Reinel führt um den Gebäudekomplex herum zum rückwärtigen Tor, dessen Einfahrt im Moment noch aus „Trümmerstücken“ besteht, „die soll in den kommenden Tagen neu befestigt werden“, kündigt der Schwafördener an, der im Büro der Firma tätig ist. Im Inneren der Halle finden sich Berge von Plastiksäcken, gefüllt mit Schuhen und Altkleidern – „wir mussten mit dem Material ziemlich schnell hier rein“, sagt Hamze Hammoud. Er ist „im Moment noch Vorarbeiter, vielleicht auch bald Teilinhaber“, formuliert es lächelnd der Sulinger mit libanesischen Wurzeln. Die teilt er mit Hussein Ajami, der das Unternehmen im Juni gegründet hat – in Barnstorf, aber die dortigen Räumlichkeiten waren zu klein, daher der Umzug nach Schwaförden.

Hussein Ajami kam vor 26 Jahren aus dem Libanon in die USA, lebte in Portland, Oregon. „Dort habe ich 16 oder 17 Jahre mit Schuhen und Kleidern gehandelt“, erzählt Ajami, „dann habe ich mich entschlossen, nach Deutschland zu gehen, weil es hier ein anderes Recyclingsystem gibt. Hier bringen die Leute ihre Altkleider direkt zum Roten Kreuz oder zum Container, in den USA zu ,Goodwill‘. Goodwill verkauft gut erhaltene Kleidungsstücke in eigenen Geschäften. In Altkleiderbeständen hier findet man bessere Qualität.“ 

Kleidung wird sortiert, gesäubert und klassifiziert

Das Geschäftsprinzip von „H2 Recycling & Textile“: „Wir kaufen die Schuhe und Altkleider von mehreren Firmen, die eigene Altkleidercontainer an den Straßen stehen haben, möchten mittelfristig auch das Deutsche Rote Kreuz als Partner gewinnen. Die Kleidung wird sortiert, gesäubert und klassifiziert. Gut erhaltene Stücke verkaufen und liefern wir an Firmen in Afrika und Lateinamerika. Was wir nicht verwenden können, geht an Recyclingfirmen.“

Etwa 30 Tonnen an Altkleidern und Schuhen pro Woche können die fünf Flüchtlinge sichten und sortieren, die in Sulingen und in Freistatt wohnen. „Wir haben eine Fahrgemeinschaft, ich hole sie ab und bringe sie nach Feierabend auch wieder zurück“, erklärt Hamze Hammoud. „Hier können sie selbst ihren Lebensunterhalt verdienen, statt zu Hause herumzusitzen, liegen dem Staat nicht auf der Tasche.“ Sie arbeiten 34 Stunden pro Woche, bekommen den Mindestlohn, „anders für das Geschäftsmodell, zumindest in der Anfangsphase, nicht funktionieren.“ 

Der Landkreis Diepholz habe die Firma sehr dabei unterstützt, die erforderlichen Arbeitserlaubnisse für die Flüchtlinge zu bekommen. Und Hamze Hammoud hofft, dass auf diesem Weg weitere Mitarbeiter gewonnen werden können: „Unser Ziel ist, im Monat 180 Tonnen zu sortieren, damit wir in die Profitzone kommen. Um das zu bewältigen, brauchen wir auf jeden Fall noch vier weitere Leute.“

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