Henning Bauermeister jetzt zertifiziert für Wartung biologischer Kleinkläranlagen

Wenn alles läuft, müffelt es nicht

Henning Bauermeister an der heimischen Anlage.
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Henning Bauermeister an der heimischen Anlage.

Anstedt – Wenn Ehefrau Manuela „Stinkekäse“ auf den Tisch stellt, dann riecht Henning Bauermeister das sehr wohl. Aber wenn Henning Bauermeister seinem Nebenjob nachgeht, ist er abgehärtet. „Da riech ich nix mehr.“ Er wartet Kleinkläranlagen.

Und wenn die gut funktionieren, riecht man nichts, sagt er, während er die 40 Kilogramm schwere Betonplatte der eigenen Kleinkläranlage aufstemmt. „Und?“ Nun gut, es stinkt nicht, auch nicht direkt an der Öffnung.

Hat er recht. Bauermeister lässt die Anlage laufen, schöpft das gereinigte Wasser in einen Becher: „Sieht doch gut aus.“ Ja, also, durchsichtig ist es nicht, aber fast. Und es stinkt immer noch nicht. Die Wasserqualität sei so gut, dass eine Einleitung in den Vorfluter erlaubt ist. Aber eine Aufbereitung für eine erneute Nutzung ist nicht möglich.

Bauermeister erklärt einige der technischen Eigenheiten und den Aufbau seiner eigenen Anlage. Und dann passiert es: Nach Minuten wabert dann doch ein leichtes Müffen durch die ländliche Idylle. Ehefrau Manuela hatte wohl nicht nur coronabedingt deutlich Abstand von der Kleinkläranlagenöffnung gehalten.

Zugegeben, es ist kein Gestank. Aber als Manuela Bauermeister mit dem jüngsten Kamerun-Schaf, das mit der Flasche aufgezogen werden muss, um die Ecke kommt, ist das eigentlich das wesentlich schönere Bild.

Zurück zur Kleinkläranlage. Henning Bauermeister ist hauptberuflich seit 32 Jahren bei der Abfallverwertungsgesellschaft (AWG) im Bereich Ver- und Entsorgung beschäftigt. Nebenberuflich betreibt er seit fünf Jahren seine eigene Firma in Anstedt, wartet Kleinkläranlagen. Die sind auf dem Land auch heute noch weit verbreitet.

Damit er auch die „Auslaufmodelle“ warten kann, für die er mehrfach nachgefragt wurde, hat sich Bauermeister jetzt beim Dachverband (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, kurz: DWA) zertifizieren lassen: Biologische Anlagen, Pflanzenkläranlagen, die Anfang der 1980er und bis in die 1990er Jahre gerne angelegt wurden, sind es, die eines höheren Arbeitsaufwandes bedürfen.

Und das gilt auch für die Wartungsauflagen: Verrieselung des Wassers, regelmäßige Prüfung der Verkrautung des Schilfgürtels, der für den Sauerstoffanteil im Wasser sorgt und manches mehr stehe dann an. Durchaus gebe es die biologischen Anlagen noch, eine Umrüstung sei möglich. Neuanlagen würden heute eher nicht eingerichtet: „Zu aufwendig.“ Selbst anlegen kann Bauermeister die Anlagen nicht.

Hauptfeind der Kleinkläranlagen, ob technisch oder mit einem Pflanzenklärteich, seien die „Klosteine“. Der biologische Ablauf gerate aus dem Gleichgewicht: „Wenn eine Dauerdesinfektion durch die Steine erfolgt, werden mit jeder Toilettenspülung Chemikalien in die Anlage transportiert.“ Wenn das Gleichgewicht kippt – dann ist Henning Bauermeister gefragt.

Ein anderes Ärgernis sind Feuchttücher, wie in anderen Abwasserbetrieben auch. Aber bei den Besitzern der Kleinkläranlagen eines, das die schnell beseitigen. Denn: „Die Kunden kriegen sehr schnell mit, dass die Tücher ihre Anlagen einschränken.“

Laut Bauermeister müsse eine Kleinkläranlage etwa zweimal im Jahr gewartet werden. Er nehme Wasserproben, überprüfe die Werte, alles werde notiert und sei an den Landkreis zu melden. Die Kunden seien verpflichtet, die Wartung durchführen zu lasse.

Für Henning Bauermeister ist das Schönste an seinem Beruf der Kontakt zu den Kunden. Hier ein Plausch, dort ein persönliches Wort. Und so erhält er auch wichtige Informationen: etwa, wenn Bewohner stark auf Medikamente angewiesen sind oder sich die Zahl der Personen im Haushalt ändert – dann könne die Anlage mit ihren technischen Vorgaben angepasst werden beziehungsweise weiß Bauermeister, warum die Werte verändert sind.

Die Termine der Anstedter Firma koordiniert Ehefrau Manuela, die im Büro für alle anfallenden Arbeiten verantwortlich zeichnet und die die Kunden (die hauptsächlich im Landkreis Diepholz sowie den angrenzenden Bereichen der Landkreise Oldenburg, Nienburg und Vechta beheimatet sind) betreut bei Störfällen, ihnen dann Tipps gibt und Sofortmaßnahmen benennen kann.

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