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Runter vom Sofa, raus zur Kultur: „Weil’s geil ist“

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Von: Sylvia Wendt

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Kreativer Chef von „Panem et Circenses“: Veranstaltungsprofi Dominik Wrhel.
Kreativer Chef von „Panem et Circenses“: Veranstaltungsprofi Dominik Wrhel. © S. Wendt

„Panem et Circenses“ aus Affinghausen: Dominik Wrhel zum Kultur-Neustart

Affinghausen – „Panem et Circenses“ heißt, frei übersetzt, „Brot und Spiele“, wobei die alten Römer unter „Spiele“ Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe verstanden, die man kostenlos besuchen konnte. „Panem et Circenses“ heißt auch die Firma, die Dominik Wrhel 2010 gegründet hat und deren Sitz in Affinghausen ist. Von hier aus rückte das Team aus, zu den organisierten „Spielen“, neudeutsch: Events oder Themen-Gastronomie, vieles mit Festival-Charakter. Da gab es das Piratenfestival in Jülich, Cosplayertreffen in Köln, den Mittelalter-Weihnachtsmarkt in Hannover, das Wackinger Village oder das Dark/Gothic Festival „Autumn Moon“ in Hameln. Wrhel hatte dafür seinerzeit ein vielköpfiges Team mit Ideen und Enthusiasmus um sich – was ist geblieben nach zwei Jahren Pandemie? Auf jeden Fall ein Chef, der sich die Butter von besagtem Brot nicht nehmen lässt, mit Herzblut Ideen entwickelt. Und nun eine „stehende Gastronomie“ betreibt, statt Zelte für Events in diversen Städten aufzuschlagen.

Rückblende, wie es dazu kam: Die Feier zu seinem 44. Geburtstag am 14. März 2020 ist der letzte Tag, an dem Wrhel Gäste wie bisher im Asendorfer Kulturhaus „B.O.“ (das es dort auch seit 44 Jahren gibt) empfangen kann. Wrhel hat sich zu dieser Zeit längst einen Namen als Veranstalter gemacht. Events aller Art organisieren – das mache er seit seinem 16. Lebensjahr, sagt er. Vielleicht lässt sich damit erklären, dass die Flamme seiner Event-Management Firma nicht erloschen ist in den zwei Jahren pandemiebedingter Eventpause. Nach dem Motto: „Kreativ kommt weiter.“

Wrhel und Team haben zwar Büro und Lager in Affinghausen, sind vor der Pandemie aber ständig unterwegs, sind immer dort, wo Festivals stattfinden. Nun ist das „B.O.“ in Asendorf quasi sein Hafen. Er kannte die damalige Disco lange, habe hin und her überlegt – und sie 2019 dann gekauft: „Um was tun zu können“ für dieses Traditionshaus. Dass sich das Haus letztlich als Anker für ein arg geschrumpftes Team entpuppt, war damals nicht vorherzusehen.

„Wackinger Village“ in Wacken.
„Wackinger Village“ in Wacken. © privat/Wrhel

Wie alle habe er auch anfangs gedacht, „das mit der Pandemie“ ist in wenigen Monaten vorbei. Ihm sei dann schnell bewusst gewesen, dass dieser Ausnahmezustand länger andauern werde. Zum Team gehörten damals bis zu zwölf Leute im Büro, 80 Mitarbeiter in unterschiedlichen Angestelltenverträgen, dazu gebucht wurde eine Vielzahl an Zusatzservice durch Fachleute für die unterschiedlichen Events in den Städten. Plötzlich muss Dominik Wrhel aber alles reduzieren auf ein Kernteam – und selbst das in Kurzarbeit schicken.

Die „stehende Gastro“ Kulturhaus, die zunächst ebenfalls geschlossen war, darf er irgendwann wieder mit Ideen füllen. „Sehr verrückt“, nennt er es, wenn er die Veranstaltung nicht mehr beim Ordnungsamt beantragen muss, sondern beim Gesundheitsamt. Wrhel lacht: „Veranstaltung. Das Wort ist verpönt. Da gibt’s sofort ein Nein.“

Die Firma kann ihren Auszubildenden zum Veranstaltungskaufmann seine Lehre beenden lassen, ihn als feste Kraft in der Firma halten. Wrhels Netz an Kontakten ist intakt. Für das, was geht, organisiert das Team, was geht. Nicht in Hannover oder Köln, sondern, noch, in Asendorf. Da, wo sonst 400 Leute Platz finden, sitzen jetzt nur 30, verteilt auf Sitzmöbel. „Die Stimmung hat immer geklappt, ob mit 400 oder mit 30 Besuchern“, erklärt Wrhel.

Kommen die Leute runter vom Sofa?

Und hier beginnt das Problem, vor dem alle Veranstalter derzeit stehen: Kriegen wir die Leute wieder hoch vom Sofa? „Die Leute haben es sich zu Hause schön gemacht, Häuser renoviert und Gärten neu gestaltet. Welche Events locken Zuschauer? Und wie viele? Das bleibt offen“, sagt Wrhel. Gefragt seien offene Konzepte „mit Platz und draußen“. Und die Künstler? „Die sind flexibel und spielen drinnen oder draußen.“

Wird sich, wenn alles wieder möglich ist, nicht auch alles drängeln im Terminkalender? Wrhel differenziert zwischen großen Veranstaltern und kleineren Firmen, speziell für Veranstaltungen mit Festivalcharakter. Kleinere Firmen könnten nicht alle in 2022 schon wieder das volle Programm bieten: „Vieles ist in Planung, war es schon für 2020 und ist daher eine Art schlafendes Konzept. Ich denke aber, dass es erst 2023 richtig wieder an Fahrt gewinnt.“ Für dieses Jahr gehe er von einem Überangebot aus, weil die Leute so viele Tickets hätten für so viele Veranstaltungen – da werde sich manches überschneiden.

Darstellerin beim Autumn Moon“ Festival.
Darstellerin beim Autumn Moon“ Festival. © privat/Wrhel

Veranstalter würden die Sache durchrechnen – und vielleicht um noch ein Jahr verschieben. Es werde sich aber jetzt entscheiden, was geht. Und ob man die Leute hinterm Ofen hervorlocken könne.

Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt Hannover.
Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt Hannover. © privat/Wrhel

Für die Veranstalter wie ihn birgt die Planung an sich neue Hürden. Beispiel Fachpersonal: Ein Teil der Spezialisten der Branche habe sich beruflich komplett anders orientiert, sei nicht mehr verfügbar. Daher sei Personal nur noch eingeschränkt verfügbar – und entsprechend teuer. Obendrein müssten die Planungen, die sonst ein Jahr im Voraus begonnen hätten, nun in wenigen Wochen oder Monaten erfolgen – mit deutlich kleinerem Team. „Da mag es dann überraschen, dass das eine oder andere Event nicht so pompös ausfällt wie gewohnt“, merkt Wrhel an. Im Neuaufbau der Kulturszene muss er als Chef der versierten, aber kleinen Firma, Antworten finden auf Fragen wie: Wie gewinne ich Kunden? Wie kann ich mich neu aufstellen? „Ich muss alles neu verhandeln“, sagt Wrhel. Die Mühe etwa, die er in die Themenevents gesteckt hat – zig Dekoartikel sind in Affinghausen gelagert – und deren Detailverliebtheit ein Kennzeichen war, ist letztlich ein wirtschaftlicher Faktor: „Die Fans kommen, ja, aber wir brauchen auch die Masse“, sagt Wrhel.

Letztlich treibt ihn exakt das selbe Gefühl wie die Besucher: „Warum hat man das gemacht? Weil’s geil ist!“ Deshalb würde er seine berufliche Wahl jederzeit wieder so treffen. „Ich gestalte grundsätzlich gerne Räume, in denen sich Menschen wohlfühlen. Raum, das kann ein Gelände sein oder ein Gebäude. Ich bin nicht der Zahlenmensch – gut, dass es dafür das Team gibt – sondern ein ganz kreativer Mensch. Ich kann nix anderes.“ Und deshalb steckt er gerade wieder in den Planungen für das nächste Themenevent um die „Wilden Zwanziger Jahre“.

Kontakt und Termine

Mehr Informationen www.panem-et-circenses.eu, Event-Management und Event-Catering.

Geplante Veranstaltungen für 2022 sind „Elfia Haarzuilens“ (23.und 24. April), das „Wackinger Village“ (beim Wacken Open Air vom 4. bis 6. August). Die Firma organisiert Gastronomie, Händler und Begleitprogramm unter anderem für das Reload Festival in Sulingen (18. bis 20. August), für den Barockmarkt Nordkirchen (2. bis 4. September), für die Reenactor Messe Minden (1. und 2. Oktober). Zudem veranstaltet die Firma das Autumn Moon Festival (28. bis 30. Oktober in Hameln).

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