Ingrid Langkau tief enttäuscht

Keine Antwort der Landesschulbehörde: Pädagogin muss Stelle wechseln

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Fast zehn Jahre lang ein Team: Hans-Jürgen Schumacher, Leiter der Oberschule Schwaförden/Ehrenburg, und die Schulsozialpädagogin Ingrid Langkau, die notgedrungen wechseln musste.

Schwaförden - Von Anke Seidel. „Danke“ steht in großen Buchstaben auf dem Plakat, das ihre Schützlinge für sie gemalt haben. Einen ganzen Karton hat Ingrid Langkau an ihrem letzten Tag als Schulsozialpädagogin an der Oberschule Schwaförden/Ehrenburg erhalten – dazu viele andere Präsente und ein großes Abschiedsfest mit geschätzten Kollegen sowie viel Lob für ihre Arbeit. Doch es ist keine Geschichte mit Happy End. Denn diesen Abschied nach fast zehn Jahren hat die 64-Jährige nicht selbst gewählt. Sage und schreibe zehn Monate, so beklagt sie, hat sie auf eine Antwort der Landesschulbehörde gewartet, ob sie ihre Arbeit nun fortsetzen darf oder nicht.

„Ich habe mich auf meine eigene Stelle beworben“, nennt sie ein Kuriosum dieser Geschichte, „und nach acht Jahren Zusammenarbeit mit meinem Schulleiter ein Bewerbungsgespräch geführt“. Grund: Das Land hatte die Stelle zum 1. Januar 2017 neu ausgeschrieben, weil es die Finanzierung der Schulsozialarbeit wieder übernommen hatte. Zuvor war der Landkreis Diepholz immer wieder finanziell eingesprungen und hatte 2016 noch 700.000 Euro investiert, um diese Arbeit an den Schulen im Landkreis zu erhalten. Derweil beklagten die Kräfte mangelnde Zukunftsperspektiven, weil sie sich „von Vertrag zu Vertrag hangeln“ mussten.

Fünf Vertragsverlängerungen habe sie erlebt, berichtet Ingrid Langkau, die 2008 mit einer halben Stelle als Schulsozialarbeiterin im Hauptschul-Profilierungsprogramm begonnen hatte – damals finanziert vom Land. 2012 bekam sie eine weitere halbe Stelle dazu – diesmal finanziert aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT). Ihr Arbeitgeber: Bethel im Norden, mit der praktischen Umsetzung dieser Stellen beauftragt.

Es ist ein Konstrukt, das in der täglichen Arbeit mit ihren Schützlingen keine große Rolle spielte, aber trotzdem großes Gewicht hatte. Denn seit Anfang Januar 2017 arbeitete Ingrid Langkau nur noch mit der halben BuT-Stelle an der Oberschule – obwohl das Land ihre andere Schulsozialarbeitsstelle doch neu ausgeschrieben hatte: „Als Dreiviertelstelle sogar“, sagt Ingrid Langkau. Sie bewarb sich darum – auch wenn sie ihre BuT-Stelle dafür hätte abgeben müssen. „Aber das Gehalt, das ich bekommen sollte, war deutlich geringer – bei gleichzeitiger Erhöhung der Wochenstunden“, sagt sie.

„Niemand hat reagiert“

Deshalb schrieb die Diplom-Pädagogin, die an der Universität Vechta Erziehungswissenschaften studiert hat, an die Landesschulbehörde mit der Bitte um Besitzstandswahrung – der Beginn eines Briefwechsels, der sich vom 2. Dezember („damals habe ich die Zusage für die Stelle bekommen“) bis zum 5. Oktober hinzog. Die Schreiben liegen dieser Zeitung vor.

„Niemand hat reagiert, ich habe keine Antwort erhalten“, sagt die 64-Jährige verbittert. Erst nach Intervention ihrer Gewerkschaft habe die Landesschulbehörde reagiert. Sie hatte ihren Antrag auf Besitzstandswahrung an das Kultusministerium weiter geleitet. Das Ergebnis am Ende: „Das Kultusministerium hat den Antrag auf Gewährung einer Zulage abgelehnt.“

Ingrid Langkau kann es nicht fassen: „Zehn Monate ohne Ansprechpartner wegen einer Gehaltsnachfrage! Zehn Monate, in denen die Oberschule Schwaförden und ich auf eine Entscheidung warten mussten!“

Das Ergebnis: Seit fast einem Jahr ist die Stelle unbesetzt, kann die Schulsozialarbeit an der Oberschule nur mit halber Kraft laufen – obwohl es rein rechnerisch eine volle plus eine Viertel-Stelle sein müssten. Schulleiter Hans-Jürgen Schumacher betont, dass die Zahl der Schüler mit emotionalen und sozialen Schwierigkeiten unaufhaltsam steigt: „Es brennt an der Schule!“ Ganz zu schweigen davon, dass statt der 80 zugesagten Förderstunden für diese und für lernbehinderte Kinder tatsächlich nur 25 Stunden abgedeckt seien. Dafür habe es noch eine zusätzliche Kraft geben sollen, die aber nicht kam. Für Schumacher eine unhaltbare Situation: „Ich mache mir Sorgen um die Gesundheit meiner Kollegen.“

„Sie hat wirklich Unglaubliches geleistet“

Ingrid Langkau habe an der Schule hervorragende Projekte initiiert – wie das Buslotsen- oder das Anti-Mobbing-Programm. Sie habe in Einzelfällen wirksam Hilfe geleistet, Berufsberatung umgesetzt und eine Schülerfirma gegründet: „Sie hat wirklich Unglaubliches geleistet.“

Weil sie zwar eine Zusage, aber keinen wirksamen Vertrag über die Landesstelle hatte, übernahm Ingrid Langkau notgedungen eine andere halbe BuT-Schulsozialarbeitsstelle: Für Bethel im Norden an der Lindenschule in Sulingen. Mittlerweile ist sie an der Oberschule Schwaförden/Ehrenburg ausgeschieden und hat eine neue halbe Stelle am Gymnasium Syke übernommen.

Auf Anfrage dieser Zeitung zu dem Fall antwortete Bianca Schöneich als Pressesprecherin der Landesschulbehörde wie folgt: „Wegen schutzwürdiger persönlicher Belange der Betroffenen können wir uns grundsätzlich nicht im Detail zu Stellenbesetzungsverfahren äußern. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihre Fragen daher nicht im Einzelnen beantworten können. Daher nur so viel: Über die Stufenzuordnung nach § 16 TV-L (die beantragte Besitzstandswahrung) konnte die Niedersächsische Landesschulbehörde nicht alleine entscheiden. Hierzu war eine aufwendige Prüfung erforderlich, die eine gewisse Zeit in Anspruch genommen hat. Inzwischen ist die Stelle erneut ausgeschrieben und soll schnellstmöglich besetzt werden.“

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