Die Corona-Pandemie in Namibia

Vom Alltag der neunjährigen Leonie

Leonie Rheens ist das aktuelle Patenkind in Namibia.
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Leonie Rheens ist das aktuelle Patenkind in Namibia.

Scholen – Zwei Zimmer ohne Strom, sieben Personen in einer kleinen Blechhütte: Geschlafen wird auf dünnen Matratzen, die abends auf dem Boden ausgerollt werden. Alltag für Leonie Rheens, neun Jahre, im 8200 Kilometer entfernten Namibia. Leonie geht zur Grundschule in Rehoboth und dass sie das kann, liegt an den Schülern der „Drei-Freunde-Grundschule“ in Scholen / Sudwalde. Die sammeln mit Aktionen, für die sie einen kleinen Obolus einfordern, das Schulgeld für ihr Patenkind.

Seit 2009 engagieren sich die niedersächsischen Grundschüler für ein Patenkind in Rehoboth, in enger Kooperation mit dem Sonnenkinderprojekt Namibia von Arthur Rohlfing in Schwaförden (im Netz: skpnamibia.de). Nach David und Delvilene unterstützen die Scholener seit 2019 nun Leonie.

Lebensmittelspenden

Die Probleme, die sich durch die Corona-Pandemie in dem afrikanischen Land zeigten, half Rohlfing mit seinem Projekt lindern, etwa durch umfangreiche Lebensmittelspenden.

Die Ursachen für die Notsituation bei vielen: Die seit Jahren andauernde Dürre, Ausgangssperren und Arbeitslosigkeit, weil die meisten Jobs in der Touristikbranche liegen, die aber aufgrund der Pandemie komplett weggebrochen ist.

Online-Unterricht

Auch die namibischen Kinder gingen lange nicht zur Schule, die Einrichtungen waren von März bis August geschlossen. Online-Unterricht? Nun ja: Während einerseits ein Konzept für „E-Learning“ seitens der Regierung in Auftrag gegeben wurde, fehlt es neben den notwendigen Geräten samt WLAN in vielen Haushalten schlicht an einem Stromanschluss.

Ausgangssperre

Maskenpflicht, Abstands- und Hygienevorschriften gelten auch in Namibia und damit auch in der Grundschule von Rehoboth. Die Kinder mussten anfangs strikt zu Hause bleiben und durften das Haus nicht verlassen. Angesichts der sehr beengten Wohnverhältnisse war das für Leonie sicher sehr schwer.

Und heute? Dank der Vermittlung von Arthur Rohlfing ist ein Interview mit Leonie per Mail möglich. Die Schüler in Namibia sind seit dem 15. Dezember in den Sommerferien.

Wie hat Leonie diese Monate der Corona Pandemie bisher erlebt?

Leonie: Es ist ein schwieriges, unsicheres und ängstliches Jahr. Ich habe sehr viel Angst. Angst davor, dass ich oder einer in der Familie krank wird.

Was gab es an Einschränkungen, die dir besonders aufgefallen sind? Was war besonders bedrückend?

Im März wurde das ganze Land unter Quarantäne gestellt und wir durften nicht mehr zur Schule, einkaufen oder auf der Straße rumlaufen.

Wir mussten immer unsere Masken tragen und die Hände desinfizieren.

Wir durften auch nicht unsere Nachbarn besuchen oder mit unseren Freunden spielen. Am Abend durften wir nicht mehr nach 8 Uhr auf der Straße gehen.

Wir waren unter strenger Kontrolle.

Wie lief denn der Schulalltag in Namibia ab?

Wir haben zu Hause gelernt. Die Lehrer haben Arbeitsblätter vorbereitet und wir mussten die Arbeit in zwei Wochen durchgehen und wieder einreichen.

Auch mussten wir selbst unseren Lehrstoff durchgehen. Meine Mutter hat jede zweite Woche Hausarbeiten an der Schule abgeholt.

Später im Juli durften wir wieder zur Schule gehen unter sehr strengen Bedingungen. Wir wurden in zwei Gruppen eingeteilt. 20 Schüler pro Klasse und durften nur jeden zweiten Tag, bis heute, zur Schule.

Wir tragen unsere Masken und haben an der Schule „Gesichtsschilder” bekommen, die wir in der Klasse tragen müssen.

Unsere Hände müssen wir immer waschen, wenn wir das Schulgelände betreten oder verlassen. Auch vor und nach jeder Pause.

Wir müssen in der Pause 1.5 Meter voneinander weg sein und dürfen auch nicht mit den Klassenkameraden spielen. Das ist schlimm.

Was hat sich dein Alltag verändert?

In meinem Leben hat sich vieles verändert. Ich muss überall eine Maske tragen, Hände desinfizieren und Abstand halten. Ich vermisse so sehr den regelmäßigen Schulbesuch.

Kannst du wieder Freunde treffen?

Mittlerweile kann ich wieder meine Freundinnen treffen und mit ihnen spielen.

Wie feiert deine Familie Weihnachten in Namibia?

In Namibia feiern wir den Weihnachtstag am 25. Dezember.

Zuerst gehen wir mit der Familie zur Kirche und danach gibt es ein großes Essen. Wenn meine Mutter Geld hat, gehen wir zum Einkaufszentrum und sie kauft uns ein Eis. Danach spiele ich mit meinen Freundinnen.

Welche Wünsche hast du für das neue Jahr?

Ich wünsche mir, dass meine Mutter eine Arbeit in der Nähe bekommt. Dann geht es uns besser.

Auf was freust du dich am meisten, wenn die Beschränkungen aufgehoben werden und ein „normales“ Leben möglich ist?

Ich würde mich freuen, wenn ich jeden Tag wieder zur Schule gehen kann und dort meine Lehrer und Freundinnen sehe.

Ich wünsche mir mein Leben ohne Maske zurück und das wir uns nicht mehr fürchten müssen, dass wir einander anstecken oder mit einer tödlichen Krankheit rumlaufen. Das wir wieder einander umarmen dürfen. Das wünsche ich mir sehr.

Herr Rohlfing, was machen die Schüler der Grundschule Scholen für ihr Patenkind?

Arthur Rohlfing: Alle Schüler der „Drei-Freunde-Grundschule“ arbeiten in der Freizeit, um die Patenschaftsgelder für Leonie zu verdienen, etwa Rasen mähen, Auto waschen, einkaufen gehen.

Rektorin Renate Mohrmann hat mir die Spendengelder für Leonie überreicht. Leider ohne das Beisein der Schülerinnen und Schüler. Ich bedaure dies sehr. Gerne hätte ich mich bei den Schülern bedankt. Ich wünsche mir sehr, dass ich im nächsten Jahr wieder im gewohnten Rahmen die erarbeiteten Spenden überreicht bekomme.

Über den Verein:

Ziel des Vereins Sonnenkinderprojekt ist, möglichst viele Mädchen und Jungen an den Schulen in Namibia zu unterstützen und zu fördern – derzeit hauptsächlich an den Standorten Swakopmund, Windhoek und Rehoboth. Vorsitzender Arthur Rohlfing ist für Infos zu erreichen unter info@skpmail.org.

Von Sylvia Wendt

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