Bürger-Info in Schwaförden

„Viel“ oder „sehr geringe“ Fläche für Windkraft?

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Rund 50 Interessierte fanden sich am Dienstagabend im Schwafördener Dorfgemeinschaftshaus ein.

Schwaförden – Circa 240 Hektar an möglichen und bestehenden Sondergebieten für die Windkraftnutzung sieht der Entwurf für die 38. Flächennutzungsplanänderung „Windkraftanlagen III“ der Samtgemeinde Schwaförden vor – also rund 1,6 Prozent von deren Fläche. „Das ist viel“, befand Andreas Taudien von der NWP Planungsgesellschaft, „ich glaube, damit sind wir auf einem sehr sicheren Weg.“

Der Diplom-Ingenieur stellte bei der Bürgerversammlung, zu der Samtgemeindebürgermeister Helmut Denker am Dienstagabend gut 50 Interessierte im Schwafördener Dorfgemeinschaftshaus begrüßte, dar, nach welchen Kriterien die Planungsgesellschaft die Samtgemeinde auf potenzielle Standorte für die Errichtung von Windkraftanlagen „abgeklopft“ hatte. Im Ergebnis kam es zu geringfügigen Anpassungen bei den bereits seit 2004 im F-Plan verzeichneten Gebieten – und der Darstellung von drei neuen, in der Gemeinde Ehrenburg: F (knapp 24 Hektar nordwestlich von Schweringhausen), G (knapp elf Hektar nordöstlich von Schweringhausen) und D (gut 32 Hektar, „westlich von Scholen“, in Wesenstedt; wir berichteten). Wie viele neue Windkraftanlagen tatsächlich gebaut werden können, ist noch völlig offen – so wird etwa der Immissionsschutz von Anwohnern (Lärm, Schattenwurf) nicht auf F-Plan-Ebene geregelt, diesbezüglich müsste sich ein Antragsteller später mit dem Landkreis Diepholz auseinandersetzen. Und schon in der Beteiligung der Einwohner, der Behörden und Träger öffentlicher Belange am Verfahren zur Flächennutzungsplanänderung sind Einwände denkbar – beispielsweise aus Gründen des Naturschutzes, bei der faunistischen Untersuchung wurden unter anderem Brutpaare der Wiesenweihe und des Rotmilans festgestellt.

Reinhard Müller aus dem Sudwalder Ortsteil Menninghausen, der sich als „Betroffener“ des Windparks Albringhausen (auf Bassumer Gebiet) vorstellte, monierte, dass im Entwurf noch von einer Standard-Anlagenhöhe von 200 Metern ausgegangen wird. Die sieben Anlagen, die jetzt für den Windpark Albringhausen genehmigt worden seien, hätten eine Höhe von 240 Metern – dadurch könnten in der für Sudwalde dargestellten Fläche A aufgrund der Abstandsregelungen „vielleicht keine drei Anlagen mehr stehen, vielleicht nur zwei, vielleicht nur eine. Und sie sagen selber: Ein Windpark muss aus drei Anlagen bestehen, sonst macht er keinen Sinn.“ 200 Meter seien vor Gericht als „plausible Annahme“ bestätigt worden: „Natürlich geht die aktuelle Anlagengeneration darüber hinaus“, räumte Johannes Ramsauer von der NWP Planungsgesellschaft ein. „Die Hauptanforderung an uns war aber, einen rechtssicheren Plan zu machen. Wenn wir schon im Vorfeld als Referenzanlage nehmen, was derzeit die höchste Leistung bringt, könnten ‚kritische Geister‘ sagen: ,Aber wir kriegen da doch locker drei Anlagen hin, die nicht ganz so groß sind‘.“

Matthias Vollmuth vom Windkraftprojektierer UKA Nord Projektentwicklung, Niederlassung Hannover, der seit Jahren versucht, in der Samtgemeinde Windenergieanlagen zu realisieren, meldete sich zu Wort: Was er „schade“ finde an der Planung seien die 750 Meter Mindestabstand zu Wohnbebauung – auch im Außenbereich, seiner Ansicht nach ein extrem großer Abstand. „Viele Menschen, die im Außenbereich wohnen, sind auch Landeigentümer und haben auch ein Interesse, ihre Flächen windenergetisch zu nutzen. Ich finde, dass dieses Interesse hier sehr gering berücksichtigt wird.“ Eine Umfrage der „Agentur für Windenergie“ habe ergeben, dass 80 Prozent der Menschen in Deutschland den starken Ausbau der Windenergie befürworten (Zwischenruf von Reinhard Müller: „Die wohnen auch in Großstädten“). „Die 750 Meter sind eine klare politische Vorgabe“, stellte Helmut Denker fest. „Es ist hier nicht der großzügigste Plan, den Deutschland je gesehen hat“, formulierte Vollmuth – Denkers Antwort: „Wir planen auch nicht für Unternehmen der Windenergiebranche, wir planen für die Samtgemeinde Schwaförden und für die Allgemeinheit.“ Vollmuth ließ sich nicht beirren: „Wir haben in Deutschland ein Klimaschutz-Thema, das ernstzunehmen ist...“ – „Dann wissen sie ja, dass künftig gesetzlich 1000 Meter als Abstand geregelt werden sollen.“

Das verbale Pingpongspiel setzten der UKA-Mitarbeiter und der erkennbar gereizte Samtgemeindebürgermeister ein Weilchen fort. Die letzte Wortmeldung des Abends kam von Reinhard Müller: „Es gibt kein Recht auf Rendite, nur ein Recht auf Gesundheit.“

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