„Sie sind unwiederbringlich“

Unterschlagung? Mindestens 50 Trauerbriefe und Geldgeschenke verschwunden

Die Deutsche Post warnt davor, Geld in Standardbriefen zu versenden. 
Symbolfoto: Behling
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Die Deutsche Post warnt davor, Geld in Standardbriefen zu versenden. Symbolfoto: Behling
  • Martina Kurth-Schumacher
    vonMartina Kurth-Schumacher
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„Es geht mir nicht nur um das Geld, sondern auch um die tröstenden Worte, die mir und meiner Familie entgangen sind“, sagt Marlies Völker aus Ehrenburg-Wesenstedt: „Sie sind unwiederbringlich.“

Wesenstedt – Nach dem plötzlichen Tod ihres in Bomlitz (Walsrode) lebenden Sohnes Thorsten (50) hatte sie Anfang Mai eine Todesanzeige in der Sulinger Kreiszeitung aufgegeben – mit ihrer Adresse als Traueranschrift. Inzwischen ist klar: Mindestens 50 Kondolenzbriefe und Geldgeschenke von insgesamt rund 500 Euro haben sie nicht erreicht.

Ihre Schwägerin Eva Drecktrah aus Voigtei hatte den Stein ins Rollen gebracht. Da sie wegen der Beschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie nicht an der Beerdigung teilnehmen konnte, übermittelte sie ihr Beileid per Brief. Marlies Völker sollte ihn mit dem einliegenden Geldbetrag der Familie des Verstorbenen überreichen. Allein: Der Brief kam nicht an. Daraufhin hatten Marlies Völker und Eva Drecktrah recherchiert und viele weitere Verluste ausgemacht.

Verschwundene Trauerbriefe: Marlies Völker hakt beim Postzusteller nach

Marlies Völker: „In den ersten Tagen nach Erscheinen der Anzeige kamen einige Briefe, dann 14 Tage gar keine, und danach ein paar Nachzügler. Das kam mir komisch vor.“ Ihre Nachfrage beim Postzusteller, dass sie auf 50 Kondolenzbriefe wartet, habe dieser – laut Marlies Völker handelte es sich um eine Aushilfskraft – lapidar mit der Aussage quittiert: „So viele waren das gar nicht.“

Ein Suchantrag bei der Deutschen Post wurde nach vier Wochen ohne Ergebnis eingestellt. Auch die Polizei war involviert. Eva Drecktrah stellte am 22. Mai auf der zuständigen Dienststelle in Stolzenau Strafanzeige gegen unbekannt. Nach mehrfachem Telefonkontakt erhielt sie Wochen später die Nachricht, sie müsse noch einmal kommen, um zu unterschreiben. Dass hier Zeit verloren wurde, macht sie sauer: „Die Beamten waren wenig kooperativ.“

Verschwundene Trauerpost mit Geldinhalt offenbar kein Einzelfall

Laut Marlies Völker ist der Polizei die Masche bekannt. Dass Briefe mit vermeintlichem Geldinhalt Konfirmations-, Trauer- oder Weihnachtskarten – verschwinden, ist offenbar kein Einzelfall. Man könne von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, denn „normalerweise kommt man nicht dahinter.“ Inzwischen habe sie aus sicherer Quelle erfahren, dass es im Raum Ehrenburg einen weiteren Vorfall gegeben hat. Auch in Wildeshausen hatte sich eine Frau über verschwundene Konfirmationspost gewundert.

Maike Wintjen (Deutsche Post AG, Pressestelle Hamburg) bedauert die geschilderten Vorkommnisse. Intern gehe man den Vorwürfen nach, in diesem Fall sei die Sache abgeschlossen, teilte sie auf Anfrage mit. Für die Mitarbeiter gelte grundsätzlich die Unschuldsvermutung, bei einem begründeten Verdacht sollten die Vertragspartner der Post jedoch Strafanzeige stellen.

Kondolenzbriefe kommen nicht an: Post warnt vor Geldsendung in Standardbrief

Vertragspartner sei immer der Absender einer Sendung. Er wähle die Versandform aus und entscheide mit der Wahl des Produktes auch über den Umfang der Dienstleistungen. Die Deutsche Post warne immer wieder davor, Geld in einem Standardbrief zu versenden; hierfür habe das Unternehmen laut AGB die Haftung ausgeschlossen.

Maike Wintjen empfiehlt, Geldgeschenke persönlich zu übergeben, zu überweisen oder, wenn dieses aus persönlichen Gründen nicht möglich ist, die von der Deutschen Post angebotenen Dienstleistungen für den Bargeldversand in Anspruch zu nehmen. Diese seien aufgrund des aufwendigeren Handlings allerdings teurer als ein Standardbrief. Möglich sei ein Versand per Einwurfeinschreiben (Haftung bis 20 Euro) oder per Einschreiben (bis 25 Euro). Wertbriefe sind beim Versand von Bargeld bis zu 100 Euro versichert.

Marlies Völker und Eva Drecktrah sind sich dennoch einig: „Die Unterschlagung war pietätlos und die Serviceleistungen der Post sind nicht zu empfehlen.“ Bemerkenswert sei, dass noch keine Rechnung und keine Werbung verloren gegangen sei: „Diese Sendungen kommen an. Immer.“

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