Regelung seit Mitte Februar

Neue Notdienstgebühr gültig: Halter müssen mehr für ihre Tiere zahlen

Mit gemischten Gefühlen steht der neuen Notdienstgebühr Dr. Christine Lund von den Tierarztpartnern Sulinger Land in Schwaförden gegenüber, hier mit Hündin Pia auf dem Untersuchungstisch. Foto: Terrasi
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Mit gemischten Gefühlen steht der neuen Notdienstgebühr Dr. Christine Lund von den Tierarztpartnern Sulinger Land in Schwaförden gegenüber, hier mit Hündin Pia auf dem Untersuchungstisch.

Schwaförden/Posthausen – Ein Albtraum für Haustierhalter: Der Hund hat in der Nacht plötzlich Schmerzen und bekommt kaum noch Luft. Er braucht dringend Hilfe, also nicht lange warten und so schnell wie möglich mit ihm zum Notdienst fahren. Doch seit dem 14. Februar muss der Halter eine Gebühr von 50 Euro (netto) zahlen, sobald er eine Tierklinik oder eine Praxis mit Notdienst außerhalb der regulären Öffnungszeiten betritt. Es gibt nun eine Notdienstgebühr, die bundesweit gilt. Grundlage dafür ist das Arbeitszeitgesetz.

Tierärztin Dr. Christine Lund von den Tierarztpartnern Sulinger Land in Schwaförden steht der Notdienstgebühr mit gemischten Gefühlen gegenüber. Als sie davon erfuhr „hatte ich ein bisschen Bauchschmerzen, dass die Besitzer wegen der Gebühren nicht kommen, auch wenn es sich eigentlich um einen Notfall handelt.“ Sie kennt ihre Kunden und weiß, dass sich die Gebühr nicht jeder leisten kann. „Ich will den Tieren helfen, aber wir sind dazu verpflichtet, diese Gebühren zu erheben“, beschreibt Lund das Dilemma. Zusätzlich müssen die Ärzte Behandlungen mit dem zweifachen Satz berechnen.

„Was den Notdienst angeht, sind wir hier nicht so gut versorgt. Die Tierkliniken schließen nach und nach, und bis zu einer größeren Klinik kann die Fahrt schon mal eine Stunde dauern“, erklärt Lund. Insbesondere Tierhalter aus Syke, Twistringen, Bassum, Sulingen und Bruchhausen-Vilsen kommen nach Sulingen. Viele Kleintierpraxen seien freitags ab 18 Uhr bis Montagmorgen um 8 Uhr nicht besetzt. „Da fragt sich der Patientenbesitzer natürlich: Wo kann ich hingehen und zu welchen Bedingungen?“

Notdienstgebühr soll die Kliniken und Praxen unterstützen

Im Zuge dessen verweist Lund auf das Arbeitszeitgesetz: „Viele Kliniken haben ihren Klinikstatus aufgegeben, weil die Angestellten, die nachts arbeiten, am nächsten Morgen ausfallen.“ Somit fehle das Personal. Die Gebühr soll die Kliniken und Praxen unterstützen, damit sie weiterhin einen Notdienst führen können und so eine flächendeckende Versorgung sichergestellt ist.

Ein Vorteil der Gebühr ist aus Sicht von Lund, dass Besitzer sich mehr Gedanken darüber machen, ob es sich tatsächlich um einen Notfall handelt. Menschen, die mit ihren Tieren in der Nacht wegen Bagatellen auftauchen, habe sie auch schon erlebt. Sie erinnert sich an einen kuriosen Fall: Ein Tierhalter kam nachts um 1 Uhr in die Praxis. Seinem Tier musste unbedingt noch in der Nacht die Zecke gezogen werden. Nicht unbedingt ein Notfall...

„Notdienst ist teurer geworden. Durch diese Gebühr können wir die Dienste besser bestreiten und auch personalmäßig besser aufstocken“, nennt ihr Ehemann, ebenfalls Tierarzt, Dr. Thomas Lund, einen weiteren Vorteil.

Kaum Beschwerden wegen neuer Tier-Notdienstgebühr

Beschwert habe sich bisher kaum jemand. Die Tierhalter hat die Ärztin mündlich über die Änderung informiert. Zusätzlich liegen Flyer zu dem Thema im Wartezimmer aus, auch auf der Homepage des Zusammenschlusses von Tierarztpraxen in Schwaförden, Anstedt und Mellinghausen wird darauf hingewiesen.

Dr. Tim Bonin, Geschäftsführer und Fachtierarzt für Klein- und Heimtiere der Tierklinik Posthausen, vertritt eine ähnliche Meinung wie Christine Lund. Es habe bislang keine Beschwerden wegen der Notdienstgebühr gegeben. Er sieht sie als Beitrag, dem Tierkliniksterben entgegenzuwirken. „Viele Kliniken haben bereits ihren Klinikstatus abgegeben“, bestätigt Bonin die Aussage Lunds. Ein Ziel sei, dass Notaufnahmen weniger überlastet sind, weil weniger Tierhalter wegen Bagatellen kommen. „Das bindet nämlich die Kapazität für Patienten, die wirklich Hilfe brauchen.“ Durch diese Gebühr würden es sich die Besitzer zweimal überlegen, ob es sich tatsächlich um einen Notfall handelt.

Seit fünfeinhalb Jahren existiert die Tierklinik in Posthausen. Vier Klinken aus der Umgebung haben ihren Klinikstatus abgegeben. Davon merke das Team der Tierklinik in Posthausen jedoch nicht so viel. „Wir haben schon immer ein großes Einzugsgebiet gehabt“, berichtet Bonin. Bei einem Notfall nehmen die Patientenbesitzer schon mal 70, manche bis zu 100 Kilometer Fahrt auf sich.

Mit einer Sonderregelung kommen die Tierarztpartner Sulinger Land ihren Kunden entgegen: Samstagvormittags von 8 bis 13 Uhr bietet die Praxis eine reguläre Sprechstunde an, in der die Notdienstgebühr wegfällt. Nachts und an den Wochenenden ist immer jemand telefonisch erreichbar. In dem Zusammenschluss der Tierarztpraxen sind derzeit neun Ärzte sowie 14 tiermedizinische Fachangestellte im Einsatz.

Zur Info: Neuer Paragraf in der Gebührenordnung

Im neuen Paragrafen 3a der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ist geregelt, wie im Notdienst abzurechnen ist. Neben der neuen pauschalen Notdienstgebühr muss zusätzlich für tierärztliche Leistungen im Notdienst mindestens der zweifache Satz der GOT abgerechnet werden. Außerdem wird es dem Tierarzt ermöglicht, im Notdienst bis zum vierfachen Gebührensatz abzurechnen, anstatt wie bisher maximal bis zum dreifachen Satz. Die neuen Sätze gelten in der Woche von 18 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages, von Freitag 18 Uhr bis 8 Uhr des folgenden Montags sowie von 0 bis 24 Uhr eines gesetzlichen Feiertages. Wenn eine Tierarztpraxis abends eine reguläre Sprechstunde bis 19 oder 20 Uhr beziehungsweise eine reguläre Sprechstunde am Wochenende anbietet, ist das kein Notdienst. Die Notdienstgebühr soll dazu beitragen, dass es Tierärzten in Zukunft möglich bleibt, auch bei Notfällen außerhalb der üblichen Sprechzeiten zur Verfügung zu stehen, denn den Angestellten der Tierarztpraxis stehen für Nachtarbeit sowie Sonn- und Feiertagsarbeit Gehaltszuschläge beziehungsweise Freizeitausgleich zu (Quelle: www.bundestieraerztekammer.de).

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