Wildkräuterkunde gefragt wie nie: Zwei Seminare ausgebucht

Superfood vor Haustür

Scholen - Von Anke Seidel. Manche rücken ihnen mit der Hacke zu Leibe – andere genießen sie als Suppe oder Salat: Wildkräuter, die unter dem Sammelbegriff Unkraut für Ungeliebtes im Ziergarten stehen, haben einen hohen Nährwert. Wissenschaftlich ist das unumstritten – und das Interesse an der Wildkräuterkunde groß. Das beweisen die ausgebuchten Volkshochschulkurse der Heilpflanzen-Expertin Sabine Kratzer aus Scholen.

Für den Kurs „Mit Heilpflanzen fit durch das Frühjahr“ bestehe sogar eine Warteliste, berichtet sie. Wenn sie den Teilnehmern die Vorzüge von Giersch, Vogelmiere & Co. erläutert, können sich – ganz unabhängig davon – Gartenfreunde und Wanderer auf die Suche nach solchen Schätzen der Natur machen. „Superfood wächst vor unserer Haustür. Das müssen wir nicht im Supermarkt kaufen“, sagt die ausgebildete Heilkräuter-Expertin.

Markenzeichen für Wildpflanzen mit hohem Vitamin- und Mineralstoffgehalt: so gut wie unverwüstlich – wie der Löwenzahn. In den Rabatten sprießen jetzt die ersten jungen Triebe – und sind Wildkräuter-Freunden viel zu schade für den Kompost. Löwenzahn gilt als blutreinigend und harntreibend. Nicht umsonst nennen die Franzosen ihn „Pisse-en-lit“, was so viel wie Bettnässen bedeutet. Dort wird er gehackt mit gekochten Eiern serviert.

Junger Löwenzahn (Foto oben) und Gänseblümchen – Mehrwert im Frühlingssalat. - Fotos: sdl

„Frühlingszeit ist Entschlackungszeit“, betont Sabine Kratzer. Und Löwenzahn eigne sich – wie Brennnessel und Giersch – ausgezeichnet dafür. Wer Löwenzahn im Salat verwendet, tut seinem Körper etwas Gutes. Er ist nicht nur reich an Vitaminen sowie Kalium und Kalzium: Seine Bitterstoffe unterstützen Galle, Leber und Herz.

Voller gesunder Inhaltsstoffe steckt genauso der Giersch – selbst wenn er Hobbygärtner durch seinen ungehemmten Wuchs nicht selten zur Verzweiflung bringt. Empfehlung der Heilkräuter-Expertin: Die jungen, grünglänzenden Triebe wie Petersilie verwenden, denn sie haben einen ähnlichen Geschmack.

Die älteren Pflanzen lassen sich wie Gemüse zubereiten oder als Suppe genießen. Das war schon Jahrhunderte vor dem Supermarkt-Zeitalter bekannt: „Giersch war das beliebteste Gemüse des Mittelalters und wurde damals sogar angebaut“, erklärt Sabine Kratzer.

Anders als in den vergangenen Jahren schießt in diesem winterlichen Frühling ein Kraut mit entschlackenden und entwässernden Eigenschaften noch nicht aus dem Boden: die Brennnessel. Aus ihren jungen Trieben lässt sich ein Sud bereiten, der Stoffwechsel-Abfallprodukte aus dem Körper spülen kann. Tipp der Kräuter-Fachfrau: „Viel Wasser dazu trinken.“

Sabine Kratzer ist Heilpflanzen-Expertin. Ihre Kurse sind ausgebucht. - Foto: Atelierhof

Oft als lästiges Unkraut verunglimpft, aber voller Vitalstoffe: die Vogelmiere, die ab Frühjahr schwammförmig schattige Wegeseitenränder und Gartenbeete erobert.

Die Heil- und Wildkräuterwanderung, die Sabine Kratzer mit der Volkshochschule im April anbietet, ist bereits ausgebucht. Deshalb bietet sie am 12. Mai um 14 Uhr einen weiteren Termin an (Anmeldung: Telefon 04245/96 23 02 2). Verbunden ist der Kurs mit einem Besuch des Heilpflanzengartens am Atelierhof in Scholen. „Er wird von einem gemeinnützigen Verein getragen“, sagt Sabine Kratzer. Besichtigungen seien nach telefonischer Vereinbarung jederzeit möglich.

Im Rahmen des Museumstages im Kreismuseum Syke bietet die Heilpflanzen-Expertin am Sonntag, 22. April, im benachbarten Krendel um 11 und um 14 Uhr Kräuterwanderungen an.

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