Team der Gut Aiderbichl Ballermann Ranch nimmt ehemalige Schulpferde auf

Stressfrei bis zum Lebensende

Vorsichtig führen Ilona Ahrendt (rechts) und Annette Engelhardt die Pferde aus dem Anhänger.
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Vorsichtig führen Ilona Ahrendt (rechts) und Annette Engelhardt die Pferde aus dem Anhänger.
  • Lisa-Marie Rumann
    vonLisa-Marie Rumann
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Blockwinkel – Sie recken ihre Hälse über die Boxenabgrenzung, raus in den Gang oder hinüber zu den Nachbarn und knabbern munter am Einlegestroh. Duba und Fidelio fühlen sich offensichtlich auf Anhieb wohl in ihrem neuen Zuhause auf der Gut Aiderbichl Ballermann Ranch. Die zwei Hannoveraner wurden etwa zehn Jahre lang als Schulpferde in der Reitschule Lichtenhorst (Landkreis Nienburg) eingesetzt. Doch nun haben sie „ausgedient“ und können ein ruhigeres Pferdeleben in Blockwinkel führen.

Für viele Pferde bedeute das Ausgemustertwerden leider gleichzeitig das Ende des Lebens: „Wenn sie nichts mehr leisten können, sind sie unwirtschaftlich.“ André Engelhardt, der mit Ehefrau Annette die Ranch ehrenamtlich verwaltet, die sie der Tierschutzorganisation Gut Aiderbichl gestiftet haben, weiß um diese verbreitete Sicht auf „Nutztiere“. Doch das wollten weder Ilona Ahrendt, die früher viel Zeit im Sattel von Fidelio verbracht hat, noch Reitschulinhaberin Sandra Markworth. Fidelio zum Beispiel sei, trotz seines hohen Alters, noch immer neugierig. „Er lebt hier immer mehr auf“, stellt Ilona Ahrendt fest.

Einst zusammen dort angekommen, haben der 26-jährige Hengst und die 24-jährige Stute die Reitschule im Rodewalder Ortsteil Lichtenhorst nun also auch gemeinsam verlassen. Das Leben in der jungen Herde sei den zwei älteren Semestern nicht bekommen, wildes Umherjagen und Essensklau hätten auf der Tagesordnung gestanden, regelrechtes „Mobbing“: „Die Jüngeren trieben die beiden ganz schön zusammen“, beschreibt André Engelhardt die Situation. Auf der Ranch sollen sie nun Ruhe finden, keinen Stress mehr erleben.

Ilona Ahrendt übernahm gut drei Jahre die Reit- und Pflegebeteiligung für Duba und Fidelio. Sie ist froh, dass die zwei zusammen auf dem Blockwinkeler Tierschutzhof von Gut Aiderbichl unterkommen können. Fidelio nennt sie ihren Liebling, er sei neugierig und liebenswert, lasse „reitermäßig“ alles mit sich machen. Darüber hinaus sei er stets vorsichtig im Umgang mit Kindern. Eine Verletzung am Fuß habe zuletzt dafür gesorgt, dass er nicht mehr geritten werden konnte und „ganz doll abgebaut“ hatte. Seit Anfang des Jahres sei er „in Rente“, Duba schon länger – bei ihr seien Rückenprobleme und Lahmen beim Reiten die Gründe gewesen.

Über eine Schülerin seien Ilona Ahrendt und die Reitschulinhaberin Sandra Markworth auf die Ballermann Ranch aufmerksam geworden, „fragt doch da einfach mal an“, habe diese vorgeschlagen. Und es hat gepasst – das ist laut André Engelhardt eine Grundvoraussetzung, um neue Tiere aufzunehmen. Zum einen platzbedingt, zum anderen komme es ihm auf die „Art und Weise“ der Tierhalter an. „Wir merken, wenn Leute ihre Pferde nur loswerden wollen“, versichert Engelhardt. Bei 80 bis 100 Hilferufen täglich sei für ihn Engagement das A und O. „In diesem Fall hat nicht nur die Chefin nach einem geeigneten Platz für die Pferde gesucht, sondern auch das Team drumherum.“

An jedem ersten Samstag im Monat ist die Ballermann Ranch für die Öffentlichkeit zugänglich (10 Uhr, Treffpunkt Haupttor). Auch ehemalige Besitzer können dann vorbeischauen, die Tiere streicheln oder versorgen, wenn sie möchten. „Ehrlich gesagt wollen die Tiere das aber meistens nicht mehr“, hat André Engelhardt festgestellt. Auf der Ranch fänden sie nämlich einen neuen „Rhythmus“ für sich, der mit dem ersten Fressen um 5.45 Uhr beginnt. Etwa eine Stunde haben sie in Ruhe dafür Zeit, bevor sie alle miteinander gemischt, aber dennoch jedes in seinem Bereich, raus auf die Weide kommen. Das Mittagessen mit anschließender „Siesta“ ist für 11.30 Uhr angesetzt, dafür kommen sie wieder in ihre Boxen. Während der Mittagsruhe kommen auch die „Pferdemädchen“ vorbei, beispielsweise zum Putzen. Danach verbringen die Pferde den restlichen Nachmittag wieder an der frischen Luft.

„Gut Aiderbichl ist nicht nur Glitzer und Glamour“, betont André Engelhardt, die Organisation nehme nicht nur Tiere von Prominenten auf. Sie biete viel mehr ein Zuhause für Tiere, weil Menschen sich dafür einsetzen, finanziere sich über Spenden. Viele ehemalige Besitzer würden Patenschaften abschließen und somit die Arbeit der Gnadenhöfe unterstützen. Engelhardt spricht von insgesamt 60 000 Paten – zu denen nun auch Ilona Ahrendt zählt.

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