Coronabedingt sind keine Gäste erlaubt

Staatshausen: Der idyllische Platz wäre startklar

Idylle in Sudwalde-Staatshausen: Detlev und Burghild Fischer (links) mit Claudia und Thomas Raschke vom Landesverband Weser-Ems im Deutschen Campingclub.

Sudwalde – Dass in Staashausen, zugehörig zur Gemeinde Sudwalde, ein Campingplatz liegt, wird mit keinem Schild angezeigt. Erst am stahlbewehrten Eingangstor wird deutlich, dass der „Reinhold-Hartung-Platz“ zum Stellplatzangebot des Deutschen Campingclubs (DCC) gehört. Genauer: Zu dem des Landesverbandes Weser-Ems.

Die Idylle ist wie für die Saison hergerichtet: Der Rasen gemäht, der umgebende Wald schon gut „aufgeräumt“, so dass die Windböen nichts zum Herumwerfen finden. Es könnte losgehen, auf dem Reinhold-Hartung Platz, der benannt ist nach einem Gönner und Unterstützer der Campingfreunde. Aber die Pandemie macht ihnen einen Strich durch das Aufstellen des Vorzeltes.

Dass Detlev Fischer, Vorsitzender des Landesverbandes, und seine Frau Burghild sowie Pressereferent Thomas Raschke und seine Frau Claudia hier sind, samt ihren Wohnwagen, ist der Platzpflege geschuldet. Die Anreise über fast 100 Kilometer vom Wohnort zum Campingplatz, um diesen herzurichten, darf mit einem Kurzaufenthalt verknüpft werden.

Die Herren pausieren und es ertönt Vogelgezwitscher – von wegen „über allen Wipfeln ist Ruh“. Es ist eine Idylle, die die Mitglieder schätzen und, wenn sie es dürfen, gerne suchen. Manches Wochenende bietet der Landesverband hier eine Rallye, mit Aktivitäten, mit Musik, immer mit gemeinsamen Aktionen, die alle schätzen.

Arbeitseinsatz für Detlev Fischer (rechts) und Thomas Raschke auf dem Campingplatz.

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Der Campingfreund will alleine sein und sucht die Einsamkeit? Mitnichten: Die Ehepaare Fischer und Raschke schätzen die Vereinsangebote, um Freunde zu treffen und neue zu finden.

Deshalb macht es wohl nichts, dass hier in Staatshauses der Strand fehlt, auch die Berge. Aber genau diese norddeutsche Tiefebene lässt Radlerherzen höher schlagen, weil die Tour zum morgendlichen Brötchenholen ohne Bergetappe auskommt.

Der Landesverband Weser-Ems im DCC hat während der Corona-Pandemie nicht viele Mitglieder verloren – und ebenso nicht übermäßig viele neue dazugewinnen können. Die gestiegene Nachfrage nach Campingfahrzeugen, ob Wohnmobile oder Wohnwagen, habe nicht automatisch zu einem „Run“ auf die Vereinsmitgliedschaft geführt. Wer ein Fahrzeug kauft, sucht nicht automatisch eine Clubzugehörigkeit. „Neue Mitglieder gewinnen wir eher auf Messen. Viele wissen auch gar nicht, dass es uns gibt“, erklärt Fischer.

In persönlichen Gesprächen würden die Vorteile besprochen, die man habe. Die wären? Rabatte etwa für die Stellplätze, auch in den Ferien, was den Jahresbeitrag von 48 Euro schnell einspiele. Rechtsberatung, Versicherungsschutz, Veranstaltungen – und technische Hilfe.

Als er das sagt, muss Detlev Fischer an seine erste Tour mit Ehefrau Burghild und dem damals dreijährigen Sohn zurückdenken, Ende der 1980er Jahre. Fischer stammt aus einer campingbegeisterten Familie und jetzt galt es, die eigene junge Familie dafür zu begeistern. Ehefrau Burghild fängt schon an zu lachen, die Erinnerungen müssen demnach richtig gut sein, im Sinne von positiv und schön.

Blick in die Waschräume auf dem Campingplatz des Landesverbandes Weser-Ems.

Tatsächlich soll die erste Tour die junge Familie gleich mit mehrtägiger Anreise nach Kroatien führen. Sie haben die deutsch-österreichische Grenze noch nicht erreicht, da platzt ein Reifen am Wohnwagen. Dank Automobilclubmitgliedschaft ist das auch ohne Ersatzreifen an Bord kein Problem.

Wenn die Benzinpumpe heiß läuft...

Es ist heiß, vor dem Gotthard-Tunnel machen sie eine Pause. Wie groß dieser Fehler war, wird mitten im Tunnel deutlich, „als wir plötzlich im Stau stehen, an erster Stelle“, erklärt Fischer. Wieder ein Reifen? „Nein, die Benzinpumpe war heiß gelaufen. Das Stehen auf dem heißen Asphalt des Parkplatzes war nicht gut, denn im Tunnel ist keine Belüftungsanlage, aber auch kein Fahrtwind, wie sonst, der alles kühlt.“ Der Pannendienstmann ist abgeklärt: „Passiert ständig. Wartet 20 bis 30 Minuten, dann geht’s wieder“, zieht den Wohnwagen der Familie aus dem Tunnel auf eine Freifläche, kurz dahinter und verschwindet. „Er hatte aber recht. Nach 20 Minuten sind wir weitergefahren.“ Im Urlaub dreht eine Windhose am Strand unmittelbar vor der Familie ab, bevor alle mitgerissen werden. Auf der Rückfahrt platzt irgendwo in Österreich der zweite Reifen am Wohnwagen. Und Burghild Fischer denkt zunächst: „Das wars mit Camping.“ Die Familie aber lauscht gespannt und sagt; „Das sind Sachen, da wirst du dein Leben von reden.“ Stimmt.

Heute gehört Camping so dazu, dass Detlev und Burghild Fischer etliche Wohnwagenversionen später, im Sommer 2020 in Staatshausen geurlaubt haben.

Was macht man denn da? „Radfahren, wandern, zusammensitzen und klönen, die Seele baumeln lassen, entspannen, gemeinsam kochen oder getrennt, Ausflüge“, listen Burghild Fischer und Claudia Raschke auf, die Herren ergänzen um „Arbeitsdienste“.

Der Platz bietet Stellplätze im Grünen, mit Wald und ohne WLAN, samt notwendiger Anschlüsse, ein Waschhaus und zwei überdachte Bereiche zum Zusammensitzen, – wenn nicht Corona das Abstandhalten vorgeben würde.

Bei nachgefragten Veranstaltungen in Staatshausen waren die Wagen sonst so eng geparkt, dass 40 Einheiten hier stehen konnten. Unter Coronabedingungen seien es in der vergangenen Saison im Schnitt zwischen fünf bis acht Wohnwagen/Einheiten gewesen.

Gemeinschaft mit netten Leuten

Das Ehepaar Fischer genießt die Stellplätze in Deutschland und die Geselligkeit bei längeren Aufenthalten am Stück. Das Ehepaar Raschke schätzt die Geselligkeit ebenso, aber auch die Option, einfach weiterfahren zu können. Ein paar Tage hier, dann dort; wenn es gefällt, wird verlängert, wenn nicht, geht es weiter. Ziele, die eine weitere Anreise bedürfen, bieten sich nur bei mehrwöchigen Urlauben an. „Camping bedeutet, dass man viel draußen ist, man entscheidet selbst über den Aufenthalt, genießt die tolle Gemeinschaft mit netten Leuten – und lernt immer wieder neue kennen.“ Im Landesverband Weser-Ems seien 3.000 Mitglieder registriert, deutschlandweit zählt der DCC 34.000 Mitglieder.

Ergänzung:

In der Printversion vom 26. April 2021 wird der Reinhold-Hartung-Platz der Gemeinde Schwaförden zugeordnet. Das ist falsch.

Staatshausen „gehört“ zu Sudwalde: „Der Campingplatz gehörte immer schon zu Sudwalde, nicht zu Schwaförden“, sagt Heinz Volkmann. Er muss es wissen, er wohnt in Staatshausesn. Genauer: Sudwalde-Staatshausen. Und er habe seinerzeit seine Unterschrift unter das Dokument gesetzt, dass Staatshausen der Gemeinde Sudwalde zuschlägt. Die Väter der Gebietsreform hatten 1974 nämlich einen Fehler gemacht, heißt es. Als „fünf Häuser und ein Campingplatz“ bezeichnet Archivar Heinrich Meyer aus Bensen, ebenfalls Sudwalder Ortsteil, die Ansiedlung. Er nennt das Jahr 1980 als jenes, als sich in Staatshausen eine Bürgerinitiative gegründet habe, um die Ansiedlung, die nach Schwaförden eingemeindet worden war, ganz offiziell nach Sudwalde zu ordnen. Ganz früher habe der Bereich zu Mallinghausen gehört und als Mallinghausen nach Schwaförden eingemeindet wurde, im Zuge jener Gebietsreform, wanderte Staatshausen eben mit. Das aber wollten die Staatshausener nicht, erinnert Heinrich Meyer: „Die gingen nach Sudwalde in die Kirche und außerdem kam der Briefträger aus Sudwalde.“ Apropos Post: Die postalische Anschrift des Campingplatzes wird unter 27257 Schwaförden gelistet.

Von Sylvia Wendt

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