1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Schwaförden

Ortsfeuerwehr Schweringhausen meldet Status „Nicht einsatzbereit“

Erstellt:

Von: Sylvia Wendt

Kommentare

1984 wurde das Einsatzfahrzeug in Schweringhausen feierlich in Betrieb genommen.
1984 wurde das Einsatzfahrzeug in Schweringhausen feierlich in Betrieb genommen. © Ortsfeuerwehr Schweringhausen

Schweringhausen – 13 aktive und vier Alterskameraden sind bei der historischen Sitzung der Ortsfeuerwehr Schweringhausen unter Leitung von Ortsbrandmeister Sascha Heitmann dabei. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung dauert es anderthalb Stunden, um einen Schlusspunkt zu setzen unter eine Geschichte, die mit der Gründung der Feuerwehr 1934 begann. Der „Status 6“ wurde für die Ortsfeuerwehr Schweringhausen gesetzt: „Nicht einsatzbereit“.

Die Ortsfeuerwehr Schweringhausen ist eine von elf in der Samtgemeinde Schwaförden und ein von vieren in der Gemeinde Ehrenburg (neben Stocksdorf, Schmalförden und Wesenstedt). Wie berichtet, brodelt es in Sachen Feuerwehr in der Samtgemeinde. Abhilfe, so der Beschluss des Samtgemeinderates, soll ein zu erstellender Bedarfsplan für die Samtgemeinde schaffen.

In der Zwischenzeit löst sich die Ortsfeuerwehr Schweringhausen auf. Gründe: Räumlichkeiten, Technik, Personelles.

Räumlichkeiten und Technik: Untergebracht in der alten Schule Schweringhausen, wurde das Gebäude zwischenzeitlich verkauft, eine Übergangsregelung vereinbart.

Jedoch kommt es seitdem immer wieder zu Stromausfällen im Gerätehaus, bemängeln die Feuerwehrleute. Die Folgen sind fatal, denn sie können deshalb im Ernstfall nicht ausrücken: Feuerwehrauto und Tragkraftspritze sind per Dauerstromverbraucher angeschlossen, die Stromausfälle führen immer wieder zu tiefenentladenen Batterien, heißt es. Laut Gerätewart Hendrik Freiwald mussten im vergangenen Jahr deswegen fünf neue Batterien für Fahrzeug und Tragkraftspritze angeschafft werden.

Die defekte Sirene wurde aufgrund der im Juli erfolgten generellen Abschaltung der Sirenen nicht mehr repariert. Etwa 80 Prozent der aktiven Kameraden tragen ihren Meldeempfänger nicht „am Mann“, kritisiert Heitmann. Das führt zu wenigen Einsatzkräften bei Alarmierungen. Eine zusätzliche Alarmierung per Handy-App werde seitens der Samtgemeinde abgelehnt. Die wiederum sei per Brief über alle Details informiert worden, auch darüber, dass die Ortsfeuerwehr auf „Status 6“ gesetzt werde.

Personelles: Angesichts dieser Situation und ob der unklaren Zukunft der Feuerwehr in Schweringhausen sei die Bereitschaft zu Übungsdiensten und anderen Feuerwehraktivitäten stetig weiter gesunken. Laut Schriftführer Jörn Oetker sind Dienstbeteiligung und Ausbildungsstand der Mitglieder in den letzten Jahren nicht ausreichend gewesen.

Eine Feststellung, der nicht widersprochen wird – im Gegenteil: Das sei ein weiterer Grund, warum die Ortsfeuerwehr „nicht einsatzbereit“ ist. In besonderer Verantwortung stehe der Ortsbrandmeister, denn der trage aufgrund der fehlenden Ausbildung das Risiko, heißt es.

Austritte sind zum Quartalsende möglich und müssen einen Monat vor Quartalsende erfolgen, darauf wird in der Versammlung hingewiesen. Das Kommando der Ortsfeuerwehr Schweringhausen tritt mit sofortiger Wirkung zurück, dem Kommando folgen weitere aktive Kameraden.

Die Mitgliederzahl werde sich Anfang 2023 auf weniger als zehn reduzieren, wird vorgerechnet. Drei Kameraden werden in umliegende Feuerwehren wechseln, zwei sind auf eigenen Wunsch vorzeitig in die Alterskameradschaft gewechselt, berichtet Heitmann.

Den Beschluss über die Auflösung müsste der Samtgemeinderat Schwaförden fassen. Nachgefragt, per E-Mail, bei Samtgemeindebürgermeister Helmut Denker. Der erklärt, ebenfalls per E-Mail, dass sich der Rat „voraussichtlich in der Dezembersitzung mit der Angelegenheit befassen“ werde.

Wie ist der Ortsteil Schweringhausen im Hinblick auf Feuerwehr-Einsätze versorgt? „Vorerst werden die drei übrigen Ortsfeuerwehren der Gemeinde Ehrenburg den Brandschutz sicherstellen“, schreibt Helmut Denker. Informationen über Einsatzpläne für die Gemeinde Ehrenburg oder die Samtgemeinde, ob die geändert werden müssten – dazu gibt es keine Informationen vom Dienstherrn der Freiwilligen Feuerwehren.

Zum Abschluss eine Abschlussfahrt

Formelles: Laut Kassenwart Thomas Jahn wurden Einnahmen vor allem aus den Altpapierlieferungen erzielt, größte Ausgaben forderten die Generalversammlung und die Investition in das Altpapierlager. Als Ortsbrandmeister beantragte Sascha Heitmann die Auflösung der Kameradschaftskasse. Beschlossen wurde, einen Großteil des Geldes dem Kinder- und Jugendfeuerwehrförderverein der Samtgemeinde Schwaförden zu spenden. Außerdem bedacht werde der Schützenverein: Mit einem kleinen Geldbetrag – und dem Zelt, der Bratwurstbude und anderem Inventar der Feuerwehr. Entschädigt werden soll die Eigentümerin des ehemaligen Altpapierlagers, für die Beschädigungen am Gebäude. Dieter Dahms und Wilhelm Christian Oetker sollen eine Abschlussfahrt organisieren für alle aktiven Kameraden und die der Altersabteilung – hierbei dürfe der Rest der Kameradschaftskasse ausgegeben werden. Pokale und Bilder aus dem ehemaligen Aufenthaltsraum sowie die alten Protokollbücher lagert Henrik Freiwald ein.

Auch interessant

Kommentare