Neues Beweidungsprojekt der Landesforsten

Station neun in Schwaförden: Rinder gucken

Das Gras sei schon sehr hoch, sinniert Züchter Alexander Roclawski. Es müsste noch mal gemäht werden.
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Das Gras sei schon sehr hoch, sinniert Züchter Alexander Roclawski. Es müsste noch mal gemäht werden.

Schwaförden – Was man nicht machen sollte: Den Zaun anfassen. Das steht da zwar auch, aber sowohl Revierförster Marco Becker als auch Galloway-Züchter Alexander Roclawski weisen noch mal darauf hin. Wer trotzdem anfasst, weiß dann, was passiert, wenn man einen elektrischen Zaun anfasst, der unter Strom steht. Mit einem solchen sind zwölf Galloways eingezäunt, Muttertiere und ihre Kälber.

Sie stehen auf einem neun Hektar großen Areal nördlich des Waldpädagogikzentrums Hahnhorst (WPZ) in Höhe des „Hörster Grabens“ in Schwaförden. Und sie sind Station Nummer neun auf dem neuen Erdmann-Radweg, den die Landesforsten gerade eingeweiht haben. Nanu? Gehen die Förster jetzt unter die Rinderzüchter? Mitnichten.

Die Landesforsten besitzen nicht nur Wälder, sondern auch Wiesen und Weiden. Insgesamt seien es knapp 100 Hektar Grünlandflächen im gesamten Forstamtsbereich. Und für einen Teil starten die Landesforsten in Schwaförden ein neues Beweidungsprojekt.

Der Wald erobert sich die uralten Weideflächen zurück

Darunter gibt es Flächen, die nasser sind, als andere. Und die könnten daher nicht gemäht werden, wie es nötig wäre. So können Keimlinge Wurzeln fassen, der Wald erobert sich auf diese Weise sukzessive weitere Flächen.

Der Tisch ist gedeckt: Die ersten zwölf Tiere des neuen Beweidungsprojektes erkunden das Areal nördlich des WPZ.

Was eigentlich keine schlechte Idee ist. Aber: „Etliche alte Weiden sind uns in den letzten Jahrzehnten so schon verloren gegangen“, erklärt Marco Becker. „Als öffentlicher Forstamtsbetrieb möchten wir diese Grünlandflächen möglichst ökologisch und nachhaltig bewirtschaften.“ Das hätten die politischen Verhandlungen zum „Niedersächsischen Weg“ ganz klar für die landeseigenen Flächen zum Ausdruck gebracht. „Dabei kommt aus unserer Sicht einer extensiven Beweidung, die praktisch kaum noch stattgefunden hat, gegenüber extensiver Mahd und erst recht intensiver Mahd auch aus Naturschutzsicht eine besondere Bedeutung zu.“

Mit Alexander Roclawski haben man dafür einen genau passenden Kooperationspartner gefunden: Das sei ein ökologisch arbeitender Betrieb mit einer schönen und spannenden Vermarktungsidee, der nach und nach Flächen im gesamten Forstamtsbereich übernehmen könne, erklärt Revierförster Becker.

Roclawskis „Gallowayzucht Steinhuder Meer“ umfasst derzeit rund 30 Muttertiere, dazu kommen deren Nachwuchs und die Bullen. Nur ein Teil ist nach Schwaförden umgesiedelt, die Herde soll hier langsam vergrößert werden.

Das große Gelände eignet sich besonders gut für Galloways

In Schwaförden sei das Gelände besonders gut geeignet für die Tiere, freut sich der Züchter. Sie hätten hier besonders großen Auslauf auf „total verschiedenen Arealen“: Ein Bereich hätte mehr Wasser, ein anderer böte Schatten unter Bäumen. Bäume, an denen sich die Tiere „schrubbern“ könnten. Wiederum andere Bereiche seien trockener oder besser zum Hinlegen geeignet.

Auch Roclawskis Galloways bleiben das ganze Jahr über draußen. Sie seien sehr zutraulich, vielleicht kämen sie auch, blieben Radler oder Passanten ruhig stehen, auf die Zaungäste zu. „Bitte nicht füttern“, bittet der Züchter. „Lieber nur beobachten“, wünscht sich der Revierförster. Die jetzt abgetrennten neun Hektar sind etwas weiter entfernt vom Radweg, daher bleibt aktuell nur beobachten.

Besonders markant sind die Galloways, die einen weißen Streifen um die Mitte haben.

Zukünftig sollen sich die Tiere um 20 Hektar am „Hörster Graben“ kümmern. Die Herde dürfe langsam anwachsen auf maximal etwa 20 bis 30 Tiere, erklärt Roclwaski. Die Rinder knabbern die Keimlinge weg, rühren aber bestehenden Baumbestand nicht an. Sie seien gute Futterverwerter heißt es. Zufüttern müsse man eigentlich nicht, allein einen Leckstein für die Mineralienzufuhr bietet er seinen Tieren zusätzlich. Die genügsame und robuste Rinderrasse stamme ursprünglich aus dem Südwesten Schottlands. Sie seien friedfertig und widerstandsfähig.

Wer sich fragt, was solch ein Tier wohl ungefähr wiegt: Roclawski erklärt, dass Kühe mit einer Widerristhöhe von 124 Zentimetern ungefähr 600 Kilo auf die Waage bringen und Bullen, mit knapp 136 Zentimetern Widerristhöhe, gute 900 Kilo. Dann seien die Tiere etwa zwei bis drei Jahre alt.

„Nachhaltige Tierhaltung in der ökologischen Landwirtschaft“

Das Gros der Kälber werde geschlachtet, Roclawski bietet Leasing-Modelle an, wo sich Fleischliebhaber ein Viertel oder die Hälfte eines Tieres leasen. Sie zahlen dann eine monatliche Gebühr, erhalten Informationen über und Bilder von „ihrem“ Galloway-Rind – und nach der Schlachtung würde es sogar vakuumverpackt nach Hause geliefert.

Für Roclawksi ist das „Unterstützung der artgerechten und nachhaltigen Tierhaltung in der ökologischen Landwirtschaft“ und der Kunde wisse dann, „woher das Fleisch kommt“.

Das neue Beweidungsprojekt in den Landesforsten soll auch in anderen Bereichen der Landesforsten umgesetzt werden. Und nein, die Förster gehen nicht unter die Rinderzüchter. Um sie kümmert sich weiterhin Alexander Roclawski, natürlich haben die Förster die Tiere auch im Blick.

Die Tiere sollen aber in die Arbeit am Waldpädagogikzentrum Hahnhorst einbezogen werden. Die Schulprojekte seien aber frühestens nach den Sommerferien planbar. Für die Förster gehören die „Extensivrinder“ auf die uralten Weiden im Wald: „Damit werden wir überhaupt erst in die Lage versetzt, Teilflächen, die sich nicht mähen lassen, als Grünland zu erhalten und von Baumaufwuchs freizuhalten.“

Infos

www.galloway-leasing.de

www.landesforsten.de

Von Sylvia Wendt

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