„Sonnenkinderprojekt“ bleibt auch in der Pandemie am Ball

Hilfe in Namibia: Spendenübergabe zum Schulstart

Spendenverteilung im namibischen Windhoek an die Schüler der Coastal High School: Neben den Rädern, Bällen und Sporttrikots gab es auch Lebensmittel.
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Spendenverteilung im namibischen Windhoek an die Schüler der Coastal High School: Neben den Rädern, Bällen und Sporttrikots gab es auch Lebensmittel.

Schwaförden/Windhoek – Es mag auf den ersten Blick nicht passen: Fußbälle, Fahrräder und Sportrikots, wenn das dringlichste Problem ist, Lebensmittel zu bekommen. Und doch: Der Alltag der Schüler an den namibischen Partnerschulen des Vereins „Sonnenkinderprojekt“ (SKP) aus Schwaförden umfasst sowohl die fröhliche Freizeitseite als auch die Hilfe in der Not.

Gerade hat Arthur Rohlfing aus Schwaförden, Gründer des gemeinnützigen „SKP“, die Nachricht aus Namibia erhalten: Der Container mit den jüngsten Spenden hat die Empfänger erreicht.

Endlich: Zwei Wochen habe der Container allein im Hafen von Walfis Bay auf die Abfertigung durch den Zoll gewartet. Dessen Mitarbeiter waren, weil an Covid-19 erkrankt, nicht alle im Dienst. Der mit Spenden prall gefüllte Container hatte Hamburg Anfang Juni in Richtung südwestliches Afrika verlassen.

Räder, Bälle und Schultechnik im Container.

An der Coastal High School in Namibia unterrichten 32 Lehrer rund 800 Schülerinnen und Schüler in den Klassen 8 bis 11. Der Unterricht hat gerade begonnen, und wieder in Präsenzform: „Wir haben keine Lehrkraft an unseren Partnerschulen verloren“, sagt Rohlfing erleichtert. Und präzisiert: „Keine unserer Lehrkräfte ist an Covid-19 erkrankt und auch kein Schüler. Gleichwohl wissen wir, dass die Testungen nicht so durchgeführt werden, wie es in Europa der Fall ist.“

Die Schulstruktur beschert den Schülerinnen und Schülern eine gesicherte Versorgung. Umso härter trifft es sie, wenn Ferien sind: Dann müssen viele hungern. Rohlfing beschönigt die Lebenssituation in Namibia nicht: Viele Kinder und Jugendliche hätten keine leiblichen Eltern mehr, lebten bei Verwandten. Da der Großteil der Arbeitsstellen im Tourismus angesiedelt ist und der seit Beginn der Pandemie brach liegt, gebe es viele Arbeitslose.

Kein Einkommen – da driften manche der Erwachsenen in den Alkoholismus ab. Was an Einkommen da ist, werde dann eben nicht für Lebensmittel und Schulgeld der nicht-leiblichen Kinder im Haushalt ausgegeben.

Ein Blick auf das neu angepflanzten Gemüse, das Schüler und Lehrkräfte versorgen sollen.

Arthur Rohlfing und die Mitglieder des Sonnenkinderprojektes hätten deshalb derzeit verstärkt Lebensmittelspenden organisiert. Doch grundsätzlich ist ihnen die Nachhaltigkeit wichtig: Beispiel Schulgarten. Der sei jüngst angelegt worden, damit sich Schüler und Lehrkräfte selbst versorgen können. Dass Menschen in der Not stehlen, ist eine Erfahrung, mit der die namibischen Partner „landestypisch umgehen“ würden. Daher werde der Bereich gesichert.

Die Kfz-Ausbildungswerkstatt erhielt „Zuwachs“ mit einem weiteren Auto: Der Wagen vom „Namibia Global Fund“ Programm habe zwei Jahre ungenutzt bei einer Regierungsstelle gestanden. Als die Leitung von der Coastal High School davon erfuhr, habe man keine Sekunde gezögert und das Auto für die Werkstatt abgeholt.

Gerade erst angelegt wurde der Schulgarten, hier ein Blick auf die den Garten verdeckende Umzäunung.

Die gespendeten Fahrräder indes, die jetzt durch Windhoek und umliegende Wohnsiedlungen rollen und die Schüler zur Schule befördern, sollen Schüler reparieren lernen. Der Aufbau einer Fahrradwerkstatt als Geschäftsmodell allerdings ist eine Idee, die einer amtlichen Grundlage bedarf.

„Das persönliche Gespräch ist nicht zu ersetzen“

Die kann Arthur Rohlfing schon vorbereiten, aufgrund der in fast 20 Jahren gesammelten Erfahrungen und geknüpfter Kontakte. Doch den Schwafördener juckt es regelrecht in den Fingern, ein Flugticket gen Süden zu buchen: „Das persönliche Gespräch ist einfach nicht zu ersetzen.“

Das „Sonnenkinderprojekt“ versorgt die Partnerschulen nicht nur mit vielem rund um Schule und Ausbildung, sondern auch mit dringend benötigten Lebensmitteln.

Rohlfing betont stolz, dass jeder Cent, der gespendet wurde, nachweisbar in die namibischen Projekte geflossen sei. Die Hilfe aus Deutschland ist eine Sache – wie sieht es im Hinblick auf die Pandemie aus? Gut 2,5 Millionen Einwohner hat das Land, vor „nicht notwendigen touristischen Reisen nach Namibia“ warnt das Auswärtige Amt weiterhin. „Etliche touristische Bereiche sind völlig weggebrochen“, erklärt Rohlfing betrübt. Es gebe in Namibia keine staatliche Unterstützung für Betriebe: „Wenn kein Geld eingenommen wird, gibt es eben keine Einnahmen. Das Geschäft wird geschlossen.“

Die Schülerinnen und Schüler der Sonnenkinderprojekt-Partnerschulen seien zweisprachig, viele seien nach der Schule in den Tourismus gewechselt. Zumal die Schule auch hier auf Nachhaltigkeit und „Ausbildung“ in Sachen Gastronomie setzt. Aktuell jedoch sei es schwierig, tatsächlich seien einige wenige Touristen vor Ort.

Impfquote liegt bei nur sieben Prozent

Und die Impfung? „Die Impfquote liegt bei mageren sieben Prozent“, sagt Rohlfing. 350. 000 Dosen des Corona-Impfstoffs von Sinopharm habe die namibische Regierung in China zusätzlich bestellt und die sollen, laut Rohlfing, im September eintreffen. In den vergangenen Wochen habe die Luftwaffe einmal in der Woche Flüge mit Hilfsgütern nach Windhoek durchgeführt. Laut Rohlfing in erster Linie medizinische Ausrüstung und Covid-Impfstoff. „Wichtig ist, dass Hilfe kommt“, betont Arthur Rohlfing.

Schüler, Lehrkräfte – jeder, der Zugang zu Informationen hat, könne sich zwar informieren. Und doch ist ein Teil der Bevölkerung ausgeschlossen: Er kann nicht lesen. Oder lebt zu abgelegen, als dass Informationen, gar aktuelle, den Weg dorthin fänden. Mundpropaganda, also Infos über Covid und die Impfungen, helfe in solchen Situationen. Und wie ist die Quote an der Schule? „Alle Lehrkräfte, die geimpft werden wollten, sind das auch“, sagt Rohlfing.

Arthur Rohlfing, Gründer des Vereins.

Namibia erwacht gerade aus dem Winter. Mit steigenden Temperaturen würden auch die Fallzahlen wieder rückläufig sein, sagt Rohlfing. Bislang seien 122.469 Covid-Infektionen erfasst und 3. 277 Todesfälle zu beklagen. Laut Rohlfing betrage die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit 56,1. In Namibia wurden bislang rund 180 000 Erstimpfungen durchgeführt. „Zunächst sah es aus, als seien die Zweitimpfungen gefährdet, aber die laufen jetzt doch an.“ Vollständig geimpft seien 2,58 Prozent der Bevölkerung. Zahlen, die Arthur Rohlfing nicht im Mindesten entmutigen. Im Gegenteil: Er arbeitet weiterhin mit vollem Herzen und vielen Unterstützern am „Sonnenkinderprojekt“ und dessen Weiterentwicklung. Helfer und Sponsoren ist er dafür sehr dankbar. Weitere seien stets gern gesehen, um die schulische Bildung, Weiterbildung und berufliche Ausbildung von Mädchen und Jungen in Namibia nachhaltig zu ermöglichen.

www.skpnamibia.de

Von Sylvia Wendt

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