Erste Erkenntnisse

Archäologische Untersuchung in Schwafördener Baugebiet: Siedlungsspuren im Erdreich

Arbeiten in einem sogenannten Sondageschnitt: Dunkle Verfärbungen sind etwa auf bronzezeitliche Gruben und Pfostenlöcher zurückzuführen. Foto: Attila Kis/ArchaeoFirm
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Arbeiten in einem sogenannten Sondageschnitt: Dunkle Verfärbungen sind etwa auf bronzezeitliche Gruben und Pfostenlöcher zurückzuführen.

Schwaförden – Welche Erkenntnisse brachte die archäologische Untersuchung, von der die Erschließungsarbeiten für das Wohnbaugebiet „Im Südfeld“ in Schwaförden ausgebremst wurde? Achim Hollmann, stellvertretender Gemeindedirektor und Leiter des Fachbereichs „Bauen und Umwelt“ der Samtgemeindeverwaltung, wäre darüber gerne genauer informiert – den monetären Wert kennt er schon: „Knapp 72 000 Euro hat der Spaß die Gemeinde gekostet.“

Seitens der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises, die die Untersuchung in der Bauleitplanung zur Auflage gemacht hatte, habe er auf Anfrage vor einigen Wochen lediglich die Mitteilung bekommen, dass das Gelände nun freigegeben sei.

Friedrich Wulf, Leiter des Referates 2 am Stützpunkt Hannover des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, erklärt auf Anfrage der Redaktion, dass die Dokumentation der Grabung durch die Firma „ArchaeoFirm Poremba & Kunze“ aus Isernhagen noch nicht fertig bearbeitet ist. Erste Übersichtsergebnisse gibt er gerne preis. „Die Grabung hat von Mitte Februar bis Mitte April gedauert. Dabei sind knapp 146 Befunde aufgenommen worden – Befunde sind Eingrabungen wie Gräber, Pfostenlöcher, Gruben, Öfen“, erläutert Wulf. 

„Davon sind 85 archäologisch relevant gewesen.“ Siedlungsreste aus der Zeit des ersten Jahrtausends vor Christus, „späte Bronzezeit, frührömische Eisenzeit. Es sind 16 Gruben entdeckt worden, die von Menschen angelegt worden sind. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: Vorratsgruben, in denen Lebensmittelvorräte gelagert wurden, Entnahmegruben für den Lehm, mit dem man Flechtwerkwände verstrichen hat – diese Gruben wurden anschließend benutzt, um Siedlungsmüll zu entsorgen.“ Außerdem sei man auf Spuren eines Brunnens und einer Feuerstelle gestoßen.

„Der beste Befund ist eigentlich ein ost-west-ausgerichtetes Pfostengebäude: Die Wände waren aus Pfosten errichtet, für die man Löcher ausgehoben hat. Zwischen den Pfosten bestanden die Wände aus Weidenrutengeflecht, das beidseitig, innen und außen, mit dem Lehm verstrichen worden ist.“ Diese Haus stamme aus der jüngeren Bronzezeit, „es sind nur Verfärbungen der Pfostenlöcher erhalten. Es gab ja keine Steinmauern zu der Zeit, die sind in dieser Region erst für den Kirchenbau eingeführt worden, ab dem frühen/hohen Mittelalter.“

Wie sieht es mit dem Teilstück eines Webstuhls aus, das dem Vernehmen nach gefunden wurde? „Es gibt ein Fragment eines Webgewichtes. Die wurden aus Lehm geformt, leicht gebrannt und an die Kettfäden gehängt, damit die waagerechten Fäden mit dem Webschiffchen durchgezogen werden können.“ In einer Grube fand sich laut Friedrich Wulf eine größere Menge von Keramikfragmenten. „Wenn die gewaschen und gesichtet worden sind, besteht vielleicht die Möglichkeit, einzelne Gefäße wieder zusammenzufügen und zu sehen, welchem Zweck sie gedient haben.“

Den Abschlussbericht mit allen Fundbeschreibungen, Fotos, Profilzeichnungen und so weiter werde das Landesamt für Denkmalpflege bekommen – „und die Gemeinde. Aber so weit sind wir noch nicht.“ Die Funde gehen an das Landesmuseum Hannover. Es sei durchaus möglich, sie mal in Schwaförden auszustellen, „etwa in einer Vitrine im Rathaus – wenn Interesse seitens der Gemeinde besteht. Das kostet natürlich auch ein paar Euro.“

Die Gemeinde treibt nun die Erschließung weiter voran: „Wir haben mit der Entwässerungsplanung angefangen, inklusive Regenrückhaltebecken“, nennt Achim Hollmann den Wasserstand, ein Planungsbüro bereite den Antrag vor. „Erst, wenn wir die Genehmigung von der Unteren Wasserbehörde beim Kreis haben, können wir in die Ausschreibung für den Straßenbau, die Strom- und Gasleitungen und alles Weitere gehen, denn das ist die Grundlage für die Höhenermittlung.“ Wie lange wird es dauern? „Für das Baugebiet in Affinghausen haben wir neun Monate auf die Genehmigung gewartet...“  ab

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