Wöchentliche Treffen in Scholen

Selbsthilfegruppe „Maus“: Den eigenen Weg gemeinsam finden

Ein Ehepaar steht hinter einem Kundenstopper.
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Mit solch einem „Kundenstopper“ weisen Dagmar und Reiner Lübbering auf die Treffen im Gemeindehaus Scholen hin.

Schwaförden / Scholen – Zum zweiten Mal in Folge verzichtet die Selbsthilfegruppe „Maus“ – Treffpunkt für „Menschen aus extremen Lebenssituationen“ – in diesem Jahr auf ihr offenes Sommerfest am dritten Augustwochenende: „Was wir machen, beruht auf Nähe, das funktioniert mit Abstand und Masken nicht“, sagt Reiner Lübbering aus Schwaförden.

Zusammen mit Ehefrau Dagmar rief er das Angebot im Juli 2019 ins Leben, das sich seither sehr positiv entwickelt habe. Beim ersten Treffen habe man vier Teilnehmer gezählt, inzwischen gebe es einen Kreis von rund 20 Menschen im Alter zwischen Ende 30 und Mitte 80, die seit längerer Zeit immer wieder mal an den wöchentlichen Gruppenabenden teilnehmen.

Jeden Freitag ab 17 Uhr trifft sich die Gruppe im Gemeindehaus in Scholen. „Wir haben Glück mit der Kirchengemeinde Schwaförden-Scholen, dass sie uns die Räume zur Verfügung stellt“, betont Reiner Lübbering, zumal in der Nähe auch die Buslinie 123 halte und der Ort somit auch für die gut zu erreichen sei, die nicht so mobil sind. Nur während des harten Lockdowns hätten keine Treffen stattfinden können. Von der Kontaktstelle der Selbsthilfegruppen im Landkreis „KIBiS“ in Barnstorf werde man immer über die aktuellen Regeln informiert.

Alleinsein war oft Thema

Aufgrund der Umstände sei die Gruppe dazu übergegangen, nicht mehr an Tischen zu sitzen, sondern in einem „Stuhlkreis“, um die Abstände zu wahren. „Das werden wir auch beibehalten“, sagt Dagmar Lübbering. Jetzt im Sommer seien ohnehin der Parkplatz des Gemeindehauses oder, wegen der aktuellen Bauarbeiten, die angrenzende Wiese Schauplatz der Zusammenkünfte. Was aber nicht fehlen darf, ist ein „Kundenstopper“, der Passanten und Interessierte auf das gerade laufende Treffen hinweist.

Gerade in den ersten Monaten der Pandemie sei bei den Treffen oftmals das Alleinsein aufgrund der Umstände ein Thema gewesen, aber auch Ängste vor einer Erkrankung. Später sei es dann die Sorge gewesen, dass wegen eines erneuten Lockdowns die Treffen wieder aussetzen müssten, berichtet Reiner Lübbering.

Breites Spektrum in den Gesprächen

Ansonsten seien die Themen ganz unterschiedlich bei den Treffen, ebenso wie die Menschen, die teilnehmen: Solche mit psychischen Erkrankungen seien ebenso dabei wie Suchtkranke oder deren Angehörige, aber auch Trauernde sowie „Menschen, die zu sich selber finden wollen oder das Gespräch suchen“, zählt Dagmar Lübbering auf. Solch ein breites Spektrum sei sonst nicht üblich, weiß ihr Mann mit der Erfahrung aus mehr als 20 Jahren in der Suchtselbsthilfe, aber „wir wollen über den Tellerrand hinausblicken, damit von vielen Seiten Input kommt, den man mit nach Hause nehmen kann.“ Eine weitere Besonderheit: Die Treffen stünden auch „nassen Alkoholikern“ offen, betont er. Ansonsten sei in der Suchtselbsthilfe Voraussetzung, dass die Menschen „trocken“ sein müssten, bevor sie an den Treffen teilnehmen können, bei „Maus“ gebe es solche Einschränkungen nicht.

Jedes Treffen beginne mit einer „Befindlichkeitsrunde“, in der jeder, wenn er will, von dem berichtet, was ihn aktuell bewegt, erläutert Reiner Lübbering den Ablauf. Daraus ergeben sich die weiteren Gesprächsthemen, und zum Abschluss, nach etwa anderthalb Stunden, gebe es noch einen „Spruch für den Nachhauseweg“, also ein Zitat, das zu einer bestimmten Lebenssituation passe.

Vertrauensvolle Atmosphäre

„Die Teilnehmer sagen selbst, dass sie sich in den Gesprächen ,nackig‘ machen“, so Reiner Lübbering. Es sei viel Vertrauen nötig, um miteinander über so ernste Themen zu sprechen, fügt seine Frau hinzu, aber „wir sind eine gute Gemeinschaft“, und es gebe immer wieder auch ausgelassene Fröhlichkeit. „Maus“ sei eine gute Plattform, um etwas über sich selbst zu erfahren und zu erkennen, dass es anderen genauso geht. „Jeder nimmt für sich etwas mit nach Hause: Wir lassen das, was uns belastet, dort und nehmen mit, was uns weiterbringt“, fasst Dagmar Lübbering zusammen. Auch außerhalb der Treffen hielten die Teilnehmer untereinander Kontakt, über Telefon und soziale Medien. Zudem verfüge „Maus“ – als eine von ganz wenigen Selbsthilfegruppen – auf ihrer Internetseite über ein eigenes Forum, das die Teilnehmer zum Austausch nutzen können.

Als besonders berührend habe er den Fall einer Dame erlebt, die im Alter von Anfang 50 zur Gruppe kam, weil ihr Mann sie nach mehr als 30 Jahren verlassen hatte, berichtet Reiner Lübbering. Das habe ihr so zugesetzt, dass sie nicht mehr habe arbeiten können. Ermuntert durch die Treffen, habe sie ein Therapieangebot wahrgenommen, und inzwischen könne sie wieder ihrem Beruf nachgehen. „Die Gruppe hat ihr geholfen, dass sie wieder ins Leben findet.“

Auch nach solchen Erfolgen reiße der Kontakt nicht ab, verrät Dagmar Lübbering: „Der Bezug zu ,Maus‘ bleibt auch dann, wenn sie ihren Weg gefunden haben, denn sie wissen, wo sie hinkönnen, wenn vielleicht wieder ein Tief kommt.“

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