Detlef Wutschik in Schmalförden: „Man braucht Live-Kulturerlebnisse, um glücklich zu sein“

Selbst Momsen bekommt Gänsehaut

Werner Momsen übt sich in Yoga.
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Werner Momsen übt sich in Yoga.

Schmalförden – „Wie es ist, mit Maske herumzulaufen, fragt mich keiner mehr“, sagte der Hamburger Kabarettist Detlef Wutschik schmunzelnd. Unter Theaterbesuchern, die in Zeiten von Corona Nasen-Mund-Schutz tragen, sei seine schwarze Ganzkörper-Vermummung (fast) Normalität.

Wutschik, „Hintermann“ des Klappmaulkomikers Werner Momsen, hauchte seiner Kunstfigur am Samstagabend auf Einladung von „KulturGut Ehrenburg und umzu“ Leben ein: Das Hamburger Original plauderte „ohne Punkt und Komma“ über Gründe und Abgründe von Alltagsärger. „Das Leben ist kompliziert, weil wir zu viele Möglichkeiten haben“, erklärte Momsen. Wie einfach war doch das Leben in der Steinzeit?! „Ihr in Schmalförden wisst das sicher, schließlich seid ihr noch ziemlich dicht dran“, unkte er.

Momsen ging der Frage auf den Grund, was Glück ist, und wovor es sich lohnt, Angst zu haben. Die Sensenmann-App runterzuladen und jeden Tag zu gucken, ob der Tod schon da ist, sei sicher keine Lösung. Auch die Devise „Früher war alles besser“ helfe nicht weiter. „Uns geht es gut, wir schaffen nur nicht, das zu leben. Jetzt sind die goldenen Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen!“

In seiner vergnüglichen Denkreise plädierte Werner Momsen mit „Kodderschnauze“ und ohne erhobenen Zeigefinger für Gelassenheit, Toleranz, positives Denken und die Besinnung auf das Leben, als der Hausherr und nicht die Waschmaschine den höchsten IQ hatte, wenn die Frau das Haus verließ. Seine zentrale Botschaft: „Freut euch nicht zu spät!“ Manchmal helfe ein Perspektivwechsel, den er in einer Yoga-Übung eindrucksvoll demonstrierte. „So schmal ist Förden gar nicht“, stellte er in der Krokodilstellung mit Blick an die Decke fest.

Das „KulturGut“-Team habe lange gezögert und sich schließlich getraut, unter Corona-Bedingungen durchzustarten, sagte dessen Sprecher Bernd Kramer. Mit vereinten Kräften, viel Aufwand und Unterstützung von Birgit Meyer und Olaf Schmidt (Gasthaus Kastens) habe man im großen Saal die passenden Rahmenbedingungen schaffen können. Er freue sich, dass die „KulturGut“-Fangemeinde diesen Einsatz honoriere.

Beim Schlussapplaus nahm Wutschik die Maske ab.

Kramers besonderer Dank galt Detlef Wutschik alias Werner Momsen für den gelungenen Auftakt der Saison 2020/2021. Der Hamburger Künstler erzählte, er habe nach dem Corona-Lockdown einige wenige Veranstaltungen bestritten, in den Sommermonaten vor allem Open-Air-Auftritte. Die Einladung von „KulturGut Ehrenburg und umzu“ habe er sehr gern wahrgenommen. „Die Menschen sollen sehen: Es geht. Das Live-Kulturerlebnis braucht man, um glücklich zu sein. Damit wir dieses Gefühl nicht vergessen, müssen wir – Künstler und Veranstalter – dranbleiben.“

An den gebotenen Corona-Abstand unter den Zuschauern habe er sich gewöhnt. „Das ist nur ein Problem, wenn das Publikum dröge ist. Heute Abend war es toll“, bescheinigte Wutschik den rund 60 Gästen, deren Beifall Werner Momsen eine Gänsehaut auf sein Frotteefell zauberte.

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