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Scholens Bürgermeister Schwenn über Veränderungen „auf’m Land“

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Von: Sylvia Wendt

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Scholens Bürgermeister Karl-Heinz Schwenn mit seinen Enkeln Lasse und Thies.
Scholens Bürgermeister Karl-Heinz Schwenn mit seinen Enkeln Lasse und Thies. © privat

Scholen – Fünf Jahre noch, dann könnte er „silbernes Jubiläum“ als Bürgermeister der Gemeinde Scholen feiern. Statt eines Interviews über die ersten 100 Tage der Amtszeit kann Karl-Heinz Schwenn erklären, wie sich kommunale Politik in den Jahrzehnten verändert hat, wie sich die Gemeinde Scholen verändert hat – und wie sie sich für die Zukunft rüsten könnte.

Sie sind seit 2001 Bürgermeister der Gemeinde Scholen – wie läuft’s?

Ja, jede Wahlperiode hat oder hatte ihre Eigenheiten. Es gibt immer wieder Besonderheiten, wie etwa Flurneuordnung, Windkraft, Baugebiete oder die Übertragung des Geestmoores an die Stiftung Naturschutz. Ganz wichtig für mich ist, alle drei Ortsteile – Blockwinkel, Scholen und Anstedt – der Gemeinde mitzunehmen. Dieses gilt auch für unsere Einwohner. Ich möchte auf keines der Gespräche, dass ich zum Beispiel mit älteren Einwohnern anlässlich einer Festlichkeit, wie höherer Geburtstag oder Hochzeitsjubiläum, geführt habe, verzichten.

Was unterscheidet den Start in diese Wahlperiode von den anderen?

Wenn man ohne Gegenkandidaten in eine neue Periode starten kann, ist dies, so glaube ich, ein gutes Zeichen. Wichtig ist auch ein guter persönlicher Zusammenhalt im Rat und über Whatsapp können wir uns in dieser Zeit schnell miteinander austauschen.

Hat sich Kommunalpolitik verändert in der Zeit – wenn ja, wie?

Früher wurde montags beschlossen und donnerstags ausgeführt. Heute sind viele Beschlüsse ohne Gutachten, Einsprüche oder sogar Gerichtsverfahren nicht mehr möglich. Das macht uns im Rat zu schaffen. Neue Vorgaben sollen vieles besser machen oder vereinfachen, aber leider ist dieses ein Trugschluss. Für mich muss Ratsarbeit auch sichtbar sein. Nur Verwalten ist nicht mein Ding.

Wie steht es um die Entwicklung in der Kommune im Hinblick auf Landwirtschaft, Handel, Handwerk, Wirtschaft?

Die Gemeinde Scholen ist immer noch von der Landwirtschaft geprägt. Die meisten Mitglieder des Rates haben auch noch direkt mit ihr zu tun. Aber auch bei uns hat sich die Anzahl der Vollerwerbsbetriebe bis auf wenige verringert. Der Zugriff auf landwirtschaftliche Flächen von außerhalb hat sich nach der Flurneuordnung, und damit einhergehenden größeren Flächen, erhöht. Oft entscheidet der Pachtpreis und nicht die Nachbarschaft. Es gibt nur noch wenige kleine Handwerksbetriebe. Gut, dass wir noch den Landhandel Stelter in Scholen sowie den Betrieb Schröder/Goldmann in Blockwinkel haben.

Die Nachfrage nach Bauplätzen ist überall groß – besonders Resthöfe sind heiß begehrt. Was bedeutet der Zuzug für die Kommune im Hinblick auf die Dorfgemeinschaft in Scholen mit den Ortsteilen Scholen, Blockwinkel und Anstedt?

Bis auf wenige Baulücken, die allerdings in Privatbesitz sind, kann die Gemeinde momentan leider keine Bauplätze vorweisen. Ein neues Baugebiet ist zurzeit wohl schwer realisierbar, ist aber eine vordringliche Aufgabe im Gemeinderat. Durch den Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe werden immer wieder Resthöfe oder ältere Bausubstanz angeboten. Oft ist aber schwer Kontakt zu den neuen Besitzern oder Pächtern zu bekommen. Es fehlen zu dieser Zeit auch die örtlichen Festlichkeiten, die oft als Kontaktschmiede gelten.

Was fehlt an Infrastruktur?

Man kann nicht sagen, dass es an Infrastruktur fehlt. Kindergarten und Grundschule sind vor Ort. Wir haben eine günstige Verkehrslage durch die B 61, K 11, L 341 und die Buslinie 123. Wir sind gut in dem Dreieck Sulingen, Bassum und Twistringen, auch mit ärztlicher Versorgung, eingebunden.

In Bezug auf fehlende Angebote: Wie sähe die Lösung aus?

Ein Hofladen wäre sicherlich wünschenswert.

Die Pandemie fordert noch immer Einschränkungen: Wie würden Sie die generelle Stimmung im Dorf beschreiben?

Die Stimmung ist mit Sicherheit nicht gut. Die Einschränkungen zwingen immer wieder zum Verzicht auf Zusammenkünfte und Geselligkeit, ob in der Familie, der Nachbarschaft, den Clubs und Vereinen. Sogar die Feuerwehren sind betroffen. Es gibt sicherlich irgendwo Ausreißer, diese führen aber nicht zu einer besseren Stimmung. Unterm Strich sind unsere Bürger recht vorsichtig geworden, und das ist gut so.

Glauben Sie, dass, wenn die Auflagen entfallen, das Dorfleben wieder Fahrt aufnimmt, so wie vor der Pandemie?

Wir können alle nur hoffen und auch selber dafür sorgen, dass das Dorfleben wieder Fahrt aufnimmt. Der entstandene Schaden wird nicht aufholbar sein. Die Vereine warten auf ein Startzeichen. Aber ob sich Vereins- und Familienfeiern wieder so gestalten lassen, wie vor der Pandemie, möchte ich bezweifeln. Vielen wird der Mut fehlen, andere werden keine Möglichkeiten mehr haben, weil viele Gastronomiebetriebe inzwischen geschlossen sind.

Wie gehen Sie – die Frage gilt Ihnen als Bürgermeister – in das dritte Jahr der Be- und Einschränkungen?

Ich werde weiterhin so vorsichtig wie möglich sein. Ich bin geimpft, mehr kann ich nicht machen. Mir tun unsere Mitbürger leid, die wir seitens der Gemeinde Scholen zu gegebenen Anlässen nicht vernünftig ehren konnten.

Wenn alles wieder auf „Normal“ gedreht ist: Auf was freuen Sie sich am meisten?

Ich möchte gerne wieder ohne Maske meine Enkelkinder vom Kindergarten abholen. Etwas von dem nachholen, auf das man während der Pandemie leider verzichten musste. Wieder mit anderen zusammensein, ohne Einschränkungen.

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