Blockwinkeler Sören Sander fertigt Messer im eigenen „Atelier 106“

Schön scharf

Sören Sander in seinem „Atelier 106“: Diese Klinge entstand aus 2,3 Kilo Stahl.
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Sören Sander in seinem „Atelier 106“: Diese Klinge entstand aus 2,3 Kilo Stahl.

Blockwinkel – Warum Messer? Sören Sander kann die Frage nicht beantworten. Kramt aber in Erinnerungen: Vater Wolfgang, einst Abteilungsleiter der Waffenabteilung im Sulinger Kaufhaus, hat sich selbstständig gemacht mit einem Fachgeschäft für Waffen und Jagdbedarf, als die Abteilung schloss. Das war Ende der 1980er Jahre und Sören, Jahrgang 1978, durfte in Papas Laden auch mal die Messer in die Hand nehmen, sagt er. „Die haben mich fasziniert, wohl auch, weil das etwas Besonderes war, dass ich sie anfassen durfte.“

Sören Sander bleibt beruflich in Sulingen, lernt Galvaniseur, Metallschleifer. Er schleift ganz unterschiedliche Dinge – Teile von Oldtimern und Motorrädern, Milchkannen; lernt unterschiedliche Oberflächen kennen. Fingerspitzengefühl ist gefragt: „Man sieht nicht, was man tut, muss den richtigen Winkel finden beim Schleifen.“ Das ist heute wieder gefordert, denn Sören Sander fertigt Messer, vor allem Küchenmesser.

Fertigung individuell auf Kunden abgestimmt

Die gibt es in seinem „Atelier 106“ (www.atelier-106.de) in Blockwinkel nicht in Massenproduktion, nicht mal in kleiner Auflage, sondern ganz individuell. Passgenau, denn Sander interviewt den Kunden, um genau herauszubekommen, was der mit dem Schneidwerkzeug machen möchte. Und sucht aus, welchen Stahl er braucht. Den gibt es dann nicht als fertige Platte zu bestellen. Sander kombiniert Stahlsorten aufgrund ihrer Eigenschaften. Die wiederum ergeben als Endprodukt eine Klinge, wie sie der Kunde für seine Bedürfnisse einsetzen kann. Was so einfach klingt, ist ein stundenlanger Prozess, der Sanders volle Konzentration fordert. Und Fachwissen.

Nickelstahl sorgt für helle Zeichnungen in der Legierung – und für Flexibilität. Werkzeugstahl wiederum verleiht die Härte. Hochkohlenstoffstahl, auch Wälzlagerstahl genannt, sorgt für Verschleißfestigkeit. „Jeder Stahl für sich hat bestimmte Eigenschaften und, kombiniert, ergibt sich ein neuer Werkstoff, der die positiven Eigenschaften aller Sorten vereint“, erklärt Sander.

Er zeigt einen rechteckigen Block: Erkennbar sind einzelne Platten, jede nur wenige Millimeter dick, in unterschiedlichen Grautönen, an den Rändern zusammengeschweißt. Klobiger Ausgangspunkt für die nächste Klinge. Der Weg von einem Block aus Stahlplatten unterschiedlichster Art, die in genauer Platzierung und berechneter Anzahl bereits einen intensiven Ausflug in die Metallurgie bedeuten, erfordert nicht allein schiere Kraft, sondern auch jenes Fingerspitzengefühl und kreative Ideen, die aus einem Messer ein Kunstwerk werden lassen. Von dem Sören Sander stolz sagt: „Meine Messer kann man vererben.“

Sander ist jemand, der Dinge, wenn er sie macht, auch „richtig“ durchzieht. Als er Golf gespielt hat, war er so gut, dass er bei Turnieren nicht nur an den Start ging. Und beim Triathlon analysiert er nicht nur sein Können in den drei Disziplinen auf der Suche nach besseren Zeiten, sondern auch die Ernährung, um seinen Körper besser zu präparieren.

Vom Hobby zum Beruf

Genauso widmet er sich seinem Hobby: Um 2017 herum sollte es das Messermachen sein. Beim Besuch der Familie seiner Frau Natascha auf Norderney fällt ihm ein Küchenmesser bei einem Händler ins Auge, das dieses alte Interesse wieder weckt. Er kauft es, sucht nach Informationen zum Thema Messer. Und guckt sich Videos im Internet dazu an, wie Messer geschärft werden. Der Algorithmus der Internetplattformen spült verwandte Texte und Videos auf Sanders Bildschirm. Messerstahl wird auf einer bekannten Verkaufsplattform angeboten, Sander ist da noch ganz unbedarft in der Metallkunde. Aber er sagt heute: „Ein Sägeblatt eignet sich ganz gut, um als Anfänger Klingen daraus herzustellen. Alles schön eben.“

Fertige Messer, die der Kunde anfassen darf, um zu prüfen, wie sie in der Hand liegen.

Sander merkt, dass er Maschinen, die er braucht, selber bauen muss. Macht das. Ein Bild dient als Vorlage, etwa für einen Reifenhammer. Alle Berechnungen für Winkel, Drehmomente und Kraftübertragung erledigt Sander selbst. Das Gerät funktioniert so gut, dass der gesamte Ort mitbekommt, wenn es in Betrieb ist. Natascha Sander habe 98 Dezibel auf der Terrasse nebenan gemessen. „Ich schmiede ja zu sozial verträglichen Zeiten“, rechtfertigt sich Sander.

Neu im „Atelier 106“ ist die 30-Tonnen-Presse, die dabei hilft, aus dem 14-teiligen Stahl-Plattenquader eine rasiermesserscharfe millimeterdicke Klinge zu formen, der man nicht ansieht, dass sie am Ende aus 210 Lagen besteht.

Holzgriffe schnitzt Sander selbst

Am Beispiel von fertigen Messern erklärt Sander Form und Format von Klingen, zeigt die unterschiedlichen Holzarten, aus denen die Griffe bestehen. Er schnitzt diese selbst, denn er möchte sie kantig haben, damit sie im Gebrauch nicht so leicht aus den Händen flutschen. Edel und schwarz sind die aus Mooreiche, lila die aus Amaranth. Es gibt auch Walnuss, Eiche, Olive und mehr.

Eine Klinge aus Damaststahl – darunter ein Block Stahlplatten, der eine ähnliche Klinge ergäbe.

Sander ist nach kurzer Zeit so tief im Thema „Messer“, dass er, als sich seine berufliche Situation 2018 ändert, in der Messerwerkstatt in Hohenmoor als geringfügig Beschäftigter einsteigt.

Heute arbeitet er dort hauptberuflich. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht – und trotzdem mein Hobby behalten.“ Er fertige nun tagsüber Messer – und könne nach Feierabend ganz besondere eigene Exemplare herstellen. Oder sich mit außergewöhnlichen Stahlsorten beschäftigen. Oder mit einem exklusiven Auftrag, der dann doch mehrere gleiche Exemplare erfordert: das Set von Steakmessern.

Und, ja, natürlich hat Hobbykoch Sander in der eigenen Küche eigene Messer in Gebrauch. „Wie viele?“ Sander lächelt, zählt kurz in Gedanken durch, verrät nur soviel: „Zwei Magnetleisten voll.“ Zeig mal deine Hände: Handwerkerhände, jetzt mit feiner schwarzer Stahlstaubschicht – aber ohne größere Verletzungen, alle Fingerkuppen sind noch dran. „Ich habe mich noch nicht geschnitten“, sagt Sander. Zumindest nicht an einer der am Ende rasiermesserscharfen Klingen. Aber neulich an einem Stück Holz.

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