Naturschutzbeauftragter ärgert sich 

Radikalschnitt in Ehrenburg nimmt Tieren Schutz und Nahrung

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Rappelkurz: die Hecke in Ehrenburg. 

Landkreis - Durch Zufall hat der Naturschutzbeauftragte des Nordkreises, Martin Lütjen, eine Entdeckung gemacht, die ihn ärgert. In Ehrenburg (Samtgemeinde Schwaförden) hat eine Firma eine hohe Feldhecke auf einer Länge von etwa 800 Metern rappelkurz geschnitten. Sie sei „völlig zerstört“, bedauert der Twistringer.

„Sogar etwa 40 Hochstamm-Apfelbäume von alten Sorten, die als Streuobst einen wichtigen Nutzen für wild lebende Tiere erfüllt haben, wurden bis auf den Wurzelstumpf zurückgeschnitten“, klagt er. Die 30 Jahre alten Bäume, einst bewusst gepflanzt, seien tot. „Es ist ein ökologischer Schaden, der auf Anhieb nicht wieder gutzumachen ist“, so Lütjen.

Er nimmt den Vorfall zum Anlass, um auf die richtige Pflege von Wildsträuchern aufmerksam zu machen. Durch einen Radikalschnitt würden Käfer, Vögel und andere Tiere schlagartig Schutzraum und Nahrung verlieren. Die Verjüngung von Wildsträuchern sei gut und wichtig. „Aber bitte natur- und artgerecht“, fordert er.

Jeder Landschaftspfleger wisse, dass der Schnitt etappenweise geschehen sollte, um den Schaden so gering wie möglich zu halten. Im Fall der Ehrenburger Hecke wäre es also besser gewesen, zunächst an zwei Stellen 200 Meter herauszuschneiden, und den Rest ein oder zwei Jahre später in Angriff zu nehmen. „Das ist ein bisschen mehr Aufwand“, gibt Lütjen zu. Doch in unserer aufgeräumten Landschaft sei es wichtig, Lebensräume für Tiere zu erhalten.

Der Naturschutzbeauftragte merkt in diesem Zusammenhang auch an, dass Feldhecken nicht wie in Ehrenburg nah über den Boden „abrasiert“ gehören. Sie sollten „auf den Stock gesetzt“ werden. Der Begriff umschreibt das etwa kniehohe Abschneiden von Gehölzen.

Von einem Netzbetreiber beauftragt

Nachfragen von Lütjen haben ergeben, dass die verantwortliche Firma von einem Netzbetreiber beauftragt worden sei, damit keine Äste an eine Stromleitung gelangen. Solche und ähnliche Pflegearbeiten fallen seinen Erfahrungen zufolge im Februar, im Vorfeld der Brut- und Setzzeit, oft an. „Im Lauf der Jahre ist das Wissen über die naturgerechte Verjüngung ein bisschen besser verbreitet worden.“

Für die Pflege von Feldhecken an Gemeindestraßen und Feldwegen ist die jeweilige Gemeinde zuständig. Aber auch wer auf seinem Privatgrundstück Wildsträucher stehen hat, kann Martin Lütjen zufolge mit etwas Rücksicht einen Beitrag zum Naturschutz leisten.

Der Twistringer merkt an, dass er öfters darauf angesprochen werde, dass Landwirte mit sogenannten Strauchhäckslern Hecken zerstören würden. Dabei handelt es sich meistens um Anbaugeräte für Traktoren, die Seitenränder freischneiden. „Das sieht wild aus“, weiß er. Geradezu zerfranste Heckenränder seien grauenvoller Anblick – aber ökologisch völlig unbedenklich. 

ks

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