Punktewolken und Tücherklumpen

Wasserversorger lässt  Kanäle in 3-D-Bildern erfassen

Feuchttücher: Grund für einen Einsatz in Sulingen.

Der Zweckverband Wasserversorgung Sulinger Land lässt aktuell Schmutzwasserkanäle untersuchen. Moderne 3-D-Technik kommt zum Einsatz.

Schwaförden – Wenn die Dachentlüftung eines Hauses nicht einwandfrei funktioniert und der Wasserversorger die Kanäle spült, während jemand gerade die Toilette benutzt, ist das – ungünstig. „Der Kunde hat deutliche und unfreundliche Worte gefunden“, erinnert sich Markus Peter, Abwassermeister der Wasserversorgung Sulinger Land. Die Kanalspülung kündigt der Dienstleister natürlich grundsätzlich vorher an und und bittet darum, die Übergangsschächte frei zugänglich zu halten sowie die Dachentlüftung in einwandfreiem Zustand.

Derzeit im Einsatz ist die Firma Meyer Städte- und Industriereinigung aus Nienburg. Dienstag noch in Sachen Schachtprüfung in Scholen, ab Mittwoch werden die Kanäle gespült in Blockwinkel (bis Ende Februar folgen Sudwalde und Neuenkirchen). Genutzt wird ein neues Fahrzeug, samt neuer Technik. Die liefere die Grunddaten für die nachfolgende Generation an Mitarbeitern der Wasserversorgung, erklärt Markus Peter. Angaben und Infos rund um das Kanalnetz werden digital aufbereitet, Bilder inklusive.

Die Kamera im Schacht.

Für die Nienburger Firma im Einsatz ist André Rother. Er erstellt ein digitales 3-D-Bild von Kanal und Schacht mittels einer sogenannten Punktewolke. Die Anlage schießt 500 Fotos in der Minute und liefert damit, wenn bearbeitet, den Mitarbeitern der Wasserversorgung ein millimetergenaues Bildmaterial. Etwa als Grundlage für eine passgenaue Bestellung von Ersatzteilen, wenn notwendig. Das Kanalnetz auf einem guten Niveau zu halten, das bedeute für die Kunden Preisstabilität.

Angeregt werde, die Kanäle und Schächte regelmäßig zu spülen, etwa alle fünf Jahre, respektive „nach Bedarf“. Mit der Kamera befahren werden sollten die Kanäle alle zehn Jahre. „Wir versuchen, in fünf Jahren einmal komplett durch zu sein“, erklärt Markus Peter. „Einmal komplett durch“ heißt im Fall der Wasserversorgung Sulinger Land: 180 Kilometer Schmutzwasserkanäle und 120 Kilometer Druckwasserleitungen sowie etwa 5 000 Schmutzwasserschächte prüfen.

Bild auf dem Monitor.

Etwa alle 50 Meter liegt ein Gulli. Warum 50 Meter? „Das war eine Vorgabe früher. Die heutige Technik gibt auch Abstände von 80 bis 100 Metern her“, erklärt Markus Peter. Die Wasserversorger im Sulinger Land haben den „Spülauftrag“ an die Fachfirma vergeben, weil es sich nicht lohne, ein solches Fahrzeug selber zu kaufen. Anschaffungskosten von um die 400 000 Euro rechneten sich nicht, erklärt Peter.

Pro Woche können im Schnitt etwa fünf Kilometer Kanal befahren werden. Wie viele Kilometer Kanal gereinigt werden können, sei abhängig vom Durchmesser des Kanals und seiner Verschmutzung.

Feuchttücher: Grund für einen Einsatz in Sulingen.

Apropos Verschmutzung: „Wir hatten heute eine Mordsverstopfung“, erklärt Markus Peter, fordert Fotos von den Kollegen an, die deutlich zeigen: „Feuchttücher gehören nicht in die Toilette.“ Nach einem Fall jüngst in Sudwalde, ist es am Montag ein Einsatz in Sulingen, der einen kiloschweren Klumpen zutage fördert. Es gebe Bereiche, da müssten die Mitarbeiter ein bis zwei Mal im Monat verstopfte Pumpen reparieren. Entscheidend seien die Lebensgewohnheiten der Menschen. 

Die Erfahrungen zeigten, dass, wo junge Familien wohnen, Feuchttücher und Fett (weil sie verstärkt Fritteusen nutzen) anfallen, ältere Menschen verbrauchen weniger Wasser – was wiederum mehr Aufwand bedeuten könne, weil das Wasser dann länger stehe und biochemische Prozesse die Kanäle beschädigen. Jede Verstopfung koste Geld, das umgelegt werde auf die Gemeinschaft.

Ältester Kanal stammt aus den 70-Ern

Derweil dokumentiert André Rother den nächsten Schacht, samt baulicher Besonderheiten (wenn vorhanden), wie die Tritteisen in Schuss sind und mehr. Der älteste Kanal im Zuständigkeitsbereich stamme aus den 1970er Jahren. Der in Scholen sei „super in Schuss“, aber auch noch nicht so alt. Jeder Kanaldeckel, den er bewegt, wiegt übrigens etwa 50 Kilogramm, bis zu 60 am Tag werden kontrolliert – das bedeutet Muskeltraining, neuste Technik und frische Luft für den gelernten Rohrleitungsbauer, der eine spezielle Schulung für die Aufgabe als Kanalinspektor des Kamerawagens durchlief. Es gebe auch Bäcker, die umgeschult hätten, berichtet Rother.

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