Professor Dr. Manfred O. Hinz aus Neuenkirchen erstellt Forschungsarbeit zum Gewohnheitsrecht in Namibia

Modellprojekt weckt internationales Interesse

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Professor Dr. Manfred Hinz.

Neuenkirchen - „Wenn man anfängt, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, lässt es einen nicht mehr los“, sagt Professor Dr. Manfred O. Hinz, heute wohnhaft in Neuenkirchen. Ein großes Etappenziel hat er im Februar erreicht: Nach zehn Jahren intensiver Forschungsarbeit brachte er den dritten und letzten Band zum Gewohnheitsrecht namibischer „Stämme“ heraus. Diesen übergab er am 11. Februar im Rahmen einer internationalen Konferenz der Öffentlichkeit. Manfred Hinz war als Professor für Öffentliches Recht, Politische Soziologie und Rechtssoziologie an der Universität Bremen und später als Leiter des Zentrums für Afrika- und Migrationsstudien tätig. 1990 ging er als Berater des Ministeriums für Justiz nach Namibia, ab 1993 begleitete er federführend den Aufbau einer Juristischen Fakultät an der University of Namibia. In diesem Rahmen leitete er erste rechts- und politik-anthropologische Feldforschungen.

„In Namibia gibt es 50 traditionelle Gemeinschaften, die eine eigene, mündlich überlieferte Rechtsordnung haben“, erklärt Professor Hinz. Sie haben eine eigene Gerichtsbarkeit, für Berufungsverfahren sind jedoch die staatlichen Gerichte zuständig. Seit der Unabhängigkeit von dem südafrikanischen Apartheid-Regime gibt es Bestrebungen, das Gewohnheitsrecht in das neue, demokratische System einzubinden.

Unzählige Treffen mit den Stammesführern gingen der Buchpublikation voraus. „Unser Team hat die wichtigsten Elemente der Rechtsordnungen in den jeweiligen indigenen Sprachen und in englischer Übersetzung dokumentiert“, sagt Hinz, der mit einem Team von Studenten zusammenarbeitete. Alex Gairiseb und Ndateelea Emilia Namwoonde, Co-Autoren der Publikationen, waren Ansprechpartner vor Ort, nachdem Manfred Hinz und seine Frau Helgard 2011 ihren Lebensmittelpunkt nach 20 Jahren von Namibia wieder nach Neuenkirchen verlegt hatten.

Unterschiede wiesen die Rechtsordnungen insbesondere unter dem Aspekt der Gleichberechtigung von Mann und Frau auf. „Mittel- bis langfristig geht die Tendenz zur Vereinheitlichung, aber das ist noch ein langer Weg“, sagt Professor Hinz. Seine Publikation sieht er als Diskussionsgrundlage. Dass sie als solche angenommen wird, hat die Konferenz in der Hauptstadt Windhoek mit Parlamentariern, Stammesführern und Gästen aus dem Ausland gezeigt. Sie war die erste in dieser Zusammensetzung. Positives Echo auf das Modellprojekt „Customary Law Ascertainment“ gab es von Parlamentspräsident Peter H. Katjavivi, aber auch von Vertretern anderer afrikanischer Länder, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie Namibia.

Das Gewohnheitsrecht, sagt Hinz, habe auch seine Vorteile: „In den Stammesgerichten wird verhandelt, bis eine Lösung gefunden ist, die von der Gemeinschaft akzeptiert wird – Prozesse vor staatlichen Gerichten dauern dagegen ‚ewig'“. Seine Forschungsarbeit hat eine Diskussion angestoßen, wie sich Tradition und Moderne vereinbaren lassen.

Professor Dr. Hinz wird die Entwicklung weiter verfolgen. Der 79-Jährige plant, die auf der Konferenz in Windhoek gehaltenen Vorträge im „Namibia Law Journal“ zu veröffentlichen. Und er möchte zur nächsten Zusammenkunft der Stammesführer nach Namibia fahren. Das „Gewohnheitsrecht“ wird ein Thema ihres einwöchigen Treffens sein.

mks

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