500 Jahre Stocksdorf: Aus Festschrift wird Jubiläumsbuch / Feier am 11. August

Von planschenden Kindern – und rollenden Köpfen

Diese Aufnahme des Stocksdorfer „Freibades“ entstand um das Jahr 1930, genutzt wurde der Teich bis in die Fünfziger. Repro: Löhmann

Stocksdorf – Ja, es gibt Einwohner, die sich an das „Freibad“ in Stocksdorf, im Brakspole, erinnern können. Wer jetzt an das Standardmodell mit Kiosk und Bademeister denkt, liegt allerdings falsch: „Es war ein von den Stocksdorfern gemeinsam angelegter Badeteich für die Schulkinder“, weiß Marco Löhmann. Immerhin: 16 mal 26 Meter, mit einer Tiefe bis zu 2,20 Metern. Sein Aufruf, mit Anekdoten, Geschichten und Fotos zur Festschrift anlässlich des 500. Jahrestages der ersten urkundlichen Erwähnung Stocksdorfs beizutragen, trug Früchte und er zapfte auch selbst an, was an Quellen verfügbar war.

„Wir nennen es nicht mehr Festschrift, sondern Jubiläumsbuch.“ Das wird ab dem Tag der 500-Jahr-Feier – Sonntag, 11. August – erhältlich sein. Es ist laut Löhmann fast fertig, „nur ein paar Kleinigkeiten fehlen noch.“ Gebunden, DIN-A4-Format, 132 Seiten. „Vielleicht kommen noch ein paar dazu“, unkt der 43-Jährige, der sich über Materialmangel nicht beklagen kann. „Ende nächster Woche geht zumindest ein Musterbuch in Druck.“

Das Werk spannt den Bogen vom dörflichen Leben vergangener Zeiten in Stocksdorf, Brelloh und Heideloh – etwa mit dem einstigen Kühlhaus und der Windmühle Albers – ins Hier und Jetzt, zu Windkraft- und Biogasanlagen. Das Gebäude der Volksschule nutzt seit 1974 der heutige Kindergarten „Stocksdorfer Wunderkinder“. Es geht um die Feuerwehr, den Schützenverein, die Gasthäuser, einen Gemischtwarenladen, den es hier früher gab. Neu war Marco Löhmann die Hinrichtungsstätte in Nähe der Mühle: „Die ist auch auf einer Karte auf aus dem Jahr 1771 verzeichnet. Im Internet bin ich auf die Geschichte eines Mannes gestoßen, der hier 1757 enthauptet wurde, weil er seine Frau umgebracht hatte. Die letzte Hinrichtung in Stocksdorf soll es 1787 gegeben haben.“ Ebenfalls in der Nähe der Mühle wurde 1941 ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet: „Die Gefangenen mussten Gräben ausheben und auf den Bauernhöfen arbeiten. Viel mehr weiß ich nicht, darüber reden die Leute nicht gern.“ Zu olympischem Gold ritt der Stocksdorfer Fritz Meyer 1936 in Berlin auf „Alchemist“ aus der Pferdzucht seines Vaters. Per Foto dokumentiert sind Hagelkörner in Tennisballgröße, die am 17. August 1974 auf den heutigen Ortsteil der Gemeinde Ehrenburg prasselten.

Über 30 Stocksdorfer sind in vier Arbeitsgruppen aktiv, die die 500-Jahr-Feier für Einwohner, „Ehemalige“ und interessierte Gäste vorbereiten. Über den Ablauf informieren sie bei einem „Dorftreffen“ am Donnerstag, 18. Juli, ab 19.30 Uhr in der Gaststätte Horstmann. Das Fest beginnt am 11. August um 10 Uhr mit einem Zeltgottesdienst am Feuerwehrhaus, den Pastorin Silke Kuck hält und bei dem der Posaunenchor Schmalförden mitwirkt. Um 11.30 Uhr gibt es eine Darbietung von den „Stocksdorfer Wunderkindern“ (das Kita-Team bietet den ganzen Tag über Aktionen für Kinder an), ab 12 Uhr Erbsensuppe, Bratwurst und Pommes frites. Um 14 Uhr halten Gemeinderatsmitglieder die Festrede, Marco Löhmann stellt das Jubiläumsbuch vor und gibt den „Startschuss“ für dessen Verkauf. Ein Findling wird enthüllt, auf dem eine gravierte Platte den Anlass verewigt, hinzu kommen ein neuer Ortsplan und eine Bank, die der Heimatverein Kirchspiel Schmalförden stiftet. Ab 15 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen und der Shantychor „Schmalver Buddelschippers“ tritt auf.

Wie viele Gäste sich einfinden, sei sehr schwer abzuschätzen, fest steht aber laut Löhmann: „Alle Gewinne, die vielleicht beim Jubiläum gemacht werden – Buchverkauf, Essen, Getränke – kommen in eine Kasse, aus der wir Projekte für das Dorf verwirklichen wollen.“  ab

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