Juma Wasili besucht die Reisende Werkschule Scholen

Partner aus Malawi zu Gast in Scholen

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Juma Wasili und Evelyn Seyfried vor dem Klassenzimmer-Pavillon auf dem Gelände der Werkschule in Scholen, für dessen Bau im vergangenen Jahr Lehm und Stroh verwendet wurden – Seyfried: „Unser Stück Afrika“.

Scholen - An den Schulbau-Projekten der Reisenden Werkschule Scholen in seiner Heimat Malawi wirkt Juma Wasili seit Jahren als Partner vor Ort mit, hat dort auch die Hilfstransporte organisiert, die das Team und die Schüler der Ergänzungsschule sowie zahlreiche Spender 2016 finanzierten, um die Hungersnot zu lindern. Jetzt besucht der 27-jährige Student erstmals die Einrichtung in Scholen.

„Mein erster Eindruck hier: Um sieben Uhr abends – Schlafenszeit in Malawi – wird es einfach nicht dunkel“, stellt er grinsend fest. „Juma hat erzählt, dass es keinen Strom und kein Licht in der Region Makanjira gab, als er dort aufgewachsen ist. Darum nenne ich ihn den Blackout-Boy, wenn ich ihn aufziehen will“, verrät Evelyn Seyfried, pädagogische Leiterin der Reisenden Werkschule. Das klappt auch diesmal, Juma verdreht schicksalsergeben die Augen. „Die Menschen hier wirken immer sehr beschäftigt“, hat er festgestellt. „Mein Eindruck ist, dass die Leute aktiv versuchen, ihr Leben zu verbessern.“ Genau das wünscht er sich von seinen Landsleuten. 

Ein weiteres Gebäude wie dieses entsteht ab September an der Chilinda Primary School.

Juma Wasili studiert an der Universität in Blantyre, der zweitgrößten Stadt Malawis, Sozialwissenschaften/Community-Development, also die Entwicklung lokaler und regionaler Räume mit Lösungsansätzen, die auf die spezifischen Gegebenheiten und Bedürfnisse der örtlichen Bevölkerung zugeschnitten sind. Ein Thema, das ihm sehr am Herzen liegt – seine Heimat zählt zu den vielen Regionen Malawis, die er von der Regierung im Stich gelassen sieht. „Die meisten Leute dort sehen sich nicht in der Lage, die vorhandenen Ressourcen zu nutzen. Wir müssen diese Mentalität loswerden und sie befähigen, selbst mehr Nahrungsmittel anzubauen. Da ist einiges mehr möglich, als nur Mais“, ist er überzeugt, „und es gibt Flüsse, die zur Bewässerung genutzt werden könnten.“

So hätte sich vielleicht die Hungersnot vermeiden lassen. Die Resonanz auf die Hilfsaktion der Reisenden Werkschule war „total super, wir haben an die 12.000 Euro an Spenden gehabt und konnten für die Dörfer, in denen wir Schulen gebaut haben, insgesamt neun Maislieferungen finanzieren“, berichtet Evelyn Seyfried. Mit einem Team beschaffte Juma Wasili jeweils 2500 Kilogramm Import-Mais aus einer 100 Kilometer entfernten Stadt. „Die Straßenverhältnisse sind katastrophal“, betont Seyfried, „keine anderen Hilfsorganisationen kommen dorthin.“ Eines von nur drei deutschen Worten, die Juma nach eigenem Bekunden kennt, ist „Schlagloch“. Fünf Stunden war der Lkw für eine Strecke unterwegs, manchmal länger: „Als eine Brücke kaputt war, haben Helfer den Mais über den Fluss getragen“, erinnert sich der 27-Jährige. Gemeinsam mit Stammes-Chefs stellte er sicher, dass der Mais an die notleidendsten Familien ging und sorgte dafür, dass Polizeikräfte die Verteilung begleiten.

Als Arzt-Assistent von Dorf zu Dorf

Für seine Landsleute war Juma bereits aktiv, als das Team der Reisenden Werkschule ihn 2009 kennenlernte: Er reiste als Assistent eines Arztes von Dorf zu Dorf, „um den Leuten zu erklären, wie sie sich vor Aids und Malaria schützen können. 60 Kilometer am Tag mit dem Fahrrad durch die Hitze...“ Dann begann er für die Reisende Werkschule – und für den Verein „Freundeskreis Malawi“ mit Sitz in Hannover – zu arbeiten, als Dolmetscher, als Organisator, als „unsere Brücke zur Bevölkerung“, sagt Evelyn Seyfried. „Wir haben ihm eine Automechanikerlehre sozusagen ,gesponsert‘, hatten dann aber den Eindruck: Der junge Mann ist so schlau, vielleicht kann er mehr erreichen.“

Zur Reise nach Deutschland lud ihn Wolfgang Steen vom Vorstand der Reisenden Werkschule ein. Zurück nach Malawi reist Juma Mitte August, gemeinsam mit Evelyn Seyfried. „Wir bereiten alles für das achtwöchige Workcamp vor, das im September beginnt: Material kaufen, das Team vor Ort zusammenstellen, Küche und Büro einrichten und so weiter.“ Die Schüler – etwa Schulverweigerer, sozial auffällige junge Menschen – die in der Jugendhilfeeinrichtung die Möglichkeit bekommen, einen Schulabschluss zu erwerben, errichten gemeinsam mit einheimischen Kräften ein weiteres Gebäude an der Chilinda Primary School. 

Welche Wirkung hat so ein Erlebnis? „Es verändert sie sehr“, hat Juma Wasili festgestellt. „Sie müssen ihre Hände benutzen, es gibt keine Maschinen, die ihnen die Arbeit abnehmen. Wir glauben an Teamwork, machen alles zusammen. Sie müssen sich an den afrikanischen Weg gewöhnen. Und wissen dann, was sie hier in Deutschland haben.“

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