Kameraden verschieben Jubiläumsfeier auf 2022

Ortsfeuerwehr Affinghausen: Unglück ist Auslöser für Gründung vor 100 Jahren

Kameraden in Uniform im neuen Milchwagen von Fritz Kastens, der Wagen des Pferdefuhrwerks ist mit frischem Grün geschmückt.
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Kameraden der Ortsfeuerwehr Affinghausen 1949 im neuen Milchwagen von Fritz Kastens.

Affinghausen – Vor 100 Jahren wurde die Ortsfeuerwehr Affinghausen gegründet – ein Streifzug durch deren Geschichte zeigt, dass dafür ein Unglück der Auslöser war.

Es ist der 26. Juni 1920, ein typischer Sommertag in Norddeutschland mit Wolken und Regen, der einige Dinge wesentlich verändern wird. Es ist Samstag – und in Affinghausen brennt das Anwesen Kohröde Nummer 45. Die Feuerwehrkameraden eilen herbei. Jedoch: Die Handdruckspritze steht im gut drei Kilometer entfernten Sudwalde, die Pferde müssen erst angespannt werden und so dauert es, bis alle in vollem Einsatz an der Brandstelle löschen können. „Es kommt zu einem schlimmen Unfall“, zitiert Heimatforscher Heinrich Meyer aus Bensen aus seinen eigenen Recherchen. Der Schornstein des Hauses stürzt um – und der Sudwalder Feuerwehrmann Platter, Zimmermeister, wird dadurch sehr schwer verletzt.

Laut Meyer waren Feuerwehrleute damals nicht versichert. Die finanziellen Folgen, sollte ihnen im Einsatz etwas passieren, mussten von den Familien selbst getragen werden. Das schwere Unglück beim Löscheinsatz in Affinghausen aber habe damals dazu geführt, dass die Ortsfeuerwehr Sudwalde am 1. Oktober 1920 eine Versicherung für ihre Feuerwehrleute abgeschlossen habe, bei der Feuerwehr-Unterstützungskasse. Das kostete 2,10 Mark pro Mann, inkludiert war die ärztliche Versorgung, ein Unfalltagegeld sowie eine Hinterbliebenenrente für den Todesfall. Die 2,10 Mark übernahm die Gemeinde.

Die zweite Neuerung resultiert aus dem Unmut, der in Affinghausen geherrscht habe, weil es so lange dauerte, bis die Spritze von Sudwalde zum Brandort geschafft werden konnte.

Seit 1875 bestand der „Spritzenverband Sudwalde“, eine Pflichtfeuerwehr, die für das gesamte Kirchspiel Sudwalde zuständig gewesen ist, erklärt Heinrich Meyer. Das Kirchspiel umfasste neben Sudwalde auch Bensen, Menninghausen, Affinghausen, Mallinghausen und Freidorf. Eine große Spritze hatte man von den Feuerwehrkollegen in Nienburg erstehen können. Hier hatte sich nach der Pflichtfeuerwehr eine der ersten Freiwilligen Feuerwehren gegründet.

1902 war es auch in Sudwalde soweit: Dem freiwilligen Zusammenschluss gehörten, neben den Sudwaldern, weiterhin Kameraden aus Bensen, Menninghausen – und Affinghausen an. Die Mallinghäuser hätten sich nach Schwaförden orientiert, berichtet Meyer, die Freidorfer seien nach Bruchhausen-Vilsen gewechselt. Das Jahr 1902 ist Gründungsjahr vieler Ortsfeuerwehren und 1904 umfasst der Verband der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Sulingen Aktive in Bahrenborstel, Kirchdorf, Schwaförden, Siedenburg, Sulingen, Sudwalde, Varrel, Wehrbleck und Wesenstedt.

Affinghausen zählt im Jahr 1920 711 Einwohner – und nicht nur Gemeindevorsteher Hagemann findet, dass es längst überfällig ist, dem Ort eine eigene Freiwillige Feuerwehr zu geben. Und so wird diese am 13. Februar 1921 gegründet. Zum Stiftungsfest reisten auch die Sudwalder Kameraden an...

63 Männer hätten sich sofort für den Dienst zur Verfügung gestellt, unterschrieben haben die Satzung damals acht Kameraden: Dietrich Klusmann (Hauptmann), H. Mehlhop (stellvertretender Hauptmann), Fr. Höfener (I. Zugführer), Joh. Meyer (II. Zugführer), H. Menke (III. Zugführer), W. Meyercord (Rechnungsführer), Wilh. Laasch (I. Rohrführer) und Hin. Kracke (II. Rohrführer).

Die abgekürzten Namen kennen der heutige Ortsbrandmeister Heino Bensemann und sein Stellvertreter Thomas Heitmann nicht alle, aber es bleibt Zeit genug, sie herauszufinden, denn: Der eigentlich für den 13. Februar 2021 geplante Festkommers zum 100-jährigen Bestehen ist abgesagt. Er wird in diesem Jahr auch nicht nachgeholt. „Wir wollen richtig feiern, mit allen Gästen und sicher, also verschieben wir das Fest auf das Jahr 2022“, sagt Ortsbrandmeister Bensemann.

Das 100-jährige Bestehen der Ortsfeuerwehr soll einen Platz auf der Gemeinde-Homepage erhalten, etliche Informationen rund um die Historie stehen dort bereits.

Bis dahin soll eine eigene Chronik zusammengestellt werden, darum kümmere sich Joachim Anton. Wer die Vornamen kennt oder weitere Bilder aus den zurückliegenden 100 Jahren beisteuern kann – der melde sich gerne beim Kommando.

Das Gros der Daten liegt vor und kann über die Homepage der Gemeinde Affinghausen eingesehen werden. Die Ortsbrandmeister seit Dietrich Klusmann sind dort aufgeführt, Bensemann ist der neunte Feuerwehrchef in Affinghausen. Die Kameraden und Kameradinnen rücken aktuell nicht mehr mit der Handdruckspritze aus, sondern mit einem Tragkraftspritzenfahrzeug TSF und einem Tanklöschfahrzeug TLF 16/25. Treffpunkt ist das 1972 erbaute Feuerwehrgerätehaus, das die Mitglieder der Ortsfeuerwehr im Jahr 2002 in Eigenleistung (und dank finanzieller Unterstützung der Samtgemeinde Schwaförden) erweitert haben.

Ein Bild aus dem Jahr 1949 hat einen besonderen Stellenwert in der Geschichte der Ortsfeuerwehr Affinghausen, denn die Familie Kastens sei dem Löschverbund besonders zugetan, so Heino Bensemann. Abgebildet sind, von links, Fritz Kastens, der Bub ist Johann Kastens, Heinrich Grimberg (Schwiegervater von Ilse Grimberg), Hermann Kracke, Heinrich Klusmann (Malle), Heinrich Grimberg (Vater von Anne Leymann), Heinrich Kohröde (Sohn des Bürgermeisters), Heinrich Kleine (Vater von Johann Kleine), Heinrich Thiele (Vater von Werner Thiele) und Wilhelm Tolle. Es sei nicht ganz klar, warum Heinrich Thiele mit dabei ist, zumal in Uniform, denn: „Der war eigentlich nicht in der Feuerwehr“, sagt Heino Bensemann. Fritz Kastens, im eigentlichen Beruf Milchkannenfahrer für die damals ortsansässige Molkerei, sei aber sehr aktiv gewesen und als er einen neuen „Milchwagen“ bekam, wurde das Pferdegespann eben mal vorgeführt. Das Bild hat die Witwe des abgebildeten kleinen Jungen zur Verfügung gestellt.

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