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Ortsfeuerwehr Affinghausen und viele Gäste feiern 100 Jahre plus eins

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Von: Sylvia Wendt

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Überraschende Vorbereitungen auf das Singen des Feuerwehrliedes mit Heinz Logemann (rechts) und Friedrich Othmer.
Überraschende Vorbereitungen auf das Singen des Feuerwehrliedes mit Heinz Logemann (rechts) und Friedrich Othmer. © S. Wendt

Affinghausen – Harte Sitten 1961: Kameraden, die vier Mal unentschuldigt beim Dienst fehlten, wurden aus der Ortsfeuerwehr Affinghausen entlassen. „Wenn wir das heute so machen würden, hätten wir keine Mitglieder mehr“, kommentiert Ortsbrandmeister Heino Bensemann diesen Blick in die Chronik und erntet damit einen von vielen Lachern an diesem Abend.

Abordnungen aller Ortsfeuerwehren aus der Samtgemeinde Schwaförden, aus Brake-Mellinghausen, aus Bruchhausen-Vilsen, Asendorf und Ochtmannien, aus örtlichen Vereinen, aus der Kreisfeuerwehr, dem Gemeinderat, der TL-Süd, dazu der stellvertretende Landrat Volker Meyer, Pastor Florian Schwarz – und jeder, der mitfeiern wollte, hatte sich am Samstag im Gasthaus Bensemann eingefunden.

Der angekündigte Blick in die Chronik ließ manchen zusammenzucken, aber Bensemann verstand es hervorragend, den Rückblick kurz und präzise zu halten.

Und was eigentlich wird gefeiert? Die Ortsfeuerwehr als Teil der „kritischen Infrastruktur“ und gegründet 1921 konnte aufgrund der pandemiebedingten Auflagen zwei Jahre keine geselligen Termine planen. Deshalb aber jetzt die Feier „100 +1“.

Und was für eine. Geschickt verknüpfte Bensemann den Blick zurück mit dem in die Gegenwart. Erinnerte an Höhen und Tiefen und daran, dass es auch früher schon schwere Zeiten gegeben habe. Und heute? „Heute müssen sich Einsatzkräfte im Einsatz anpöbeln lassen, weil die laufende Pumpe die Nachtruhe stört.“ Feuerwehrleute verbrächten viele Stunden mit Einsätzen, manchmal unter Lebensgefahr. Ehrenamtlich organisiert – daran erinnerte Bensemann und erklärte: Es gebe keine Institution, die 100 Jahre alt werde, wenn nicht auch Lösungen gefunden würden. Sein nachdrücklicher Wunsch sei, dass auch Jüngere in die Verantwortung nachwachsen, „die helfen, wo Hilfe gebraucht wird“.

Feuerwehrleute müssten nicht jeden Tag gelobt werden. „Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen, eine gewisse Wertschätzung muss da sein und man sollte uns zuhören, mit uns Probleme besprechen und dies bitte nicht über unsere Köpfe hinweg“, mahnte Bensemann. Denn: „Wenn es uns nicht gelingt, wenn wir nicht gemeinsam daran arbeiten, das Feuerwehrwesen attraktiv und modern zu gestalten und auch auf Veränderungen nicht kurzfristig reagieren können, dann bin ich mir sicher, liebe Anwesende, liebe Politiker und liebe Bürger: Ihr werdet uns vermissen.“ Dafür erntete Bensemann großen Applaus.

Endlich darf wieder geschunkelt werden – die Gäste freuen sich.
Endlich darf wieder geschunkelt werden – die Gäste freuen sich. © S. Wendt

„Es warten spannende Zeiten auf uns“, bestätigte Kreisbrandmeister Mike Wessels 5193 aktive Einsatzkräfte seien es per 31. Dezember 2021 im Landkreis Diepholz gewesen, „aber wir bekommen eine andere Generation nach, die ist anders.“ Der Katastrophenschutz werde aktuell zu 80 Prozent vom Ehrenamt geleistet. „Bislang klappt das gut, aber in zehn, 15, 20 Jahren – da weiß ich nicht, wie das werden soll. Ich will nicht den Abend vermiesen, aber wir müssen mit wachen Augen unterwegs sein.“

Und gut bei Stimme. Wessels, auch schon ein paar Jährchen als Kreisbrandmeister bei zig Feuerwehr-Veranstaltungen unterwegs, erlebte eine Premiere in Affinghausen, bei der ihm „das Herz aufgegangen“ sei: Bensemann hatte die Affinghäuser Kameraden einmarschieren lassen als alle Gäste am Platz waren, ließ sie mittendrin antreten und das ureigen von Fritz Heuermann für Affinghausens Feuerwehrleute komponierte Feuerwehrlied intonieren. Aber halt. Heinz Logemann tritt vor. Hat eine Stimmpfeife, bläst die und lässt Kamerad Friedrich Othmer vortreten. „Stimmprobe: mimimi“. Othmer befolgt den Befehl in dunklem Moll. Das Publikum lacht schon herzhaft. Othmer darf wieder wegtreten. Logemann bittet Feuerwehrfrau Benita nach vorne. Stimmprobe! Benita befolgt sie im glockenhellen Hochton-Mimimi. Und Logemann, Ortsbrandmeister von 1993 bis 2004, hat damit bestätigt, was in der Chronik vermerkt ist: Er ist ein Schlitzohr.

Die Chronik: Die Gründung, die Einsätze, die Menschen – Joachim Anton und das Team der Feuerwehr haben ein bildreiches und informatives Nachschlagewerk geschaffen. Das wurde wohlweislich erst nach dem offiziellen Teil verteilt, damit auch alle zuhören. Das taten sie. Oder schunkelten, wenn der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Bruchhausen-Vilsen eine der zahleichen von Bensemann gewünschten Musikpausen erfüllte.

Grußworte sprachen auch Samtgemeindefeuerwehrwart Gerd Scharrelmann, stellvertretender Landrat Volker Meyer („Dank für das ehrenamtliche Wirken an alle Aktiven – und an deren Partner.“), Bürgermeister Jürgen Köberlein („Die Feuerwehr ist aus unserem Dorfleben nicht wegzudenken, ob Brand, Katastrophenschutz oder Verkehrssicherung. Ich wünsche mir, dass das auch in Zukunft so bleibt.“) sowie Hachetal-Chef Harald Wehrenberg namens aller örtlicher Vereine („Wir sind die Zivilbevölkerung und ihr seid die Feuerwehr. Danke, dass ihr immer für uns da seid.“

Und Pastor Florian Schwarz. Wo er wohnt, ist er Mitglied im Feuerwehr-Förderverein, derzeit also in Landesbergen. Schwarz sinnierte locker über Gemeinsamkeiten zwischen Kirche und Feuerwehr und was Kirche von Feuerwehr lernen könne. Er hatte kein „Flachgeschenk“ mitgebracht, versprach aber, weil er ja mal als Feuerspucker gearbeitet hatte, beim nächsten Zeltlager mit den Kindern Feuer zu spucken. Wofür er jetzt schon Szenenapplaus bekam.

Noch vor dem Ende des offiziellen Teils waren die drei Fass gespendetes Freibier leer und hatte Gastwirt Karl-Heinz Bensemann ein weiteres spendiert. „Dienst“ übrigens, damit die Affinghäuser nicht von ihrer Feier zum Einsatz gerufen werden mussten, hatten die Kollegen.

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