600 Gäste und sechs Live-Acts

NOA-Team hat ein gutes Näschen

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„Paddy & the Rats“ reisten aus Ungarn an und heizten mit tanzbaren Punk mit irisch-/osteuropäischem Einschlag ein.

Neuenkirchen - Von Martina Kurth-Schumacher. Das Orga-Team des Neuenkirchener Open Airs hat eine klare Maßgabe: „Wir setzen auf junge Talente. Und die Bands müssen uns gefallen.“ 600 Gäste feierten am Samstag nicht nur die sechs ausgesuchten und durch die Bank vielversprechenden Live-Acts, sondern auch diese Philosophie der Veranstalter.

„Grillmaster Flash“, Singer-Songwriter aus Bremen-Nord, hatte als Opener den schwierigsten Part. „Ich mach hier meinen Job, und Spaß habe ich auch“, sagte „Grillie“, obwohl der von ihm eingeforderte „stadionartige Applaus“ noch etwas dünn war. Er freute sich über den Support der Newcomer-Band „Eternal Spirit“ bei seinem letzten Song („Ich war nie Rock’n’Roll“) – eine Premiere. Die drei 20-jährigen Indierocker überraschten mit ausgereiften Rock-Songs und melodischen Balladen. Mit Spielfreude, Charisma und selbstbewussten Ansagen animierten sie trotz des Nieselregens die ersten Besucher zum Tanzen vor der Bühne.

Punk auf der Pkw-Bühne

„Misha Kapa“ boten Gute-Laune-Punk mit Elementen aus westlichem Pop und russischer Folklore.

Noch während des Auftritts der Bremer Newcomer machte sich das Duo „Misha Kapa“ auf der Pkw-Anhänger-Bühne klar, die sie gleichzeitig als Künstlergarderobe nutzten. Die Freaks aus dem „Bremer Russland“ boten Gute-Laune-Punk mit Elementen aus westlichem Pop und russischer Folklore. Die Instrumentierung: „Akkordeon und Plastikflasche, Schellenkranz und Lackschuh“. Ihre Ansagen, etwa ein Trinkspruch auf Freiheit und Frieden, ein Toast auf „Katrin in der Küche, die so schön für uns gekocht hat“ und Opas Lebensmotto („Wenn wir heute nicht feiern, dann morgen auch nicht“), hatten ebenso Witz wie Tiefgang. Mit der Zugabe „Drei Chinesen auf dem Kontrabass“ schickte „Kapa“ die Fans vor die große Bühne.

Beim Auftritt von „Radio Havanna“ hatte sich das Publikum bereits warm getanzt. Das politisch-gesellschaftliche Engagement der Berliner Band schlägt sich auch in den Texten ihrer Songs nieder. Mit ihren eingängigen Liedern und treibenden Punk-Rhythmen zeigten sie Flagge gegen Rassismus oder „die unmenschliche Flüchtlingspolitik Europas“. Und für norddeutsches Bier.

Neuenkirchen Open Air 2016

Als Band mit dem größten Anfahrtsweg „ever“ kündigte das Orga-Team „Paddy & the Rats“ aus Miskolc an, Ungarns „Folkpunk-Export Nummer eins“. Nach gefühlt endlosem Soundcheck boten Paddy O’Reilly (Lead Vocals, Gitarre), Sam McKenzie (Geige, Bagpipe, Banjo, Flöten), Bernie Bellamy (Akkordeon), Joey MacOnkay (E-Gitarre), Vince Murphy (Bass) und Seamus Connelly (Drums) „rattenscharfen“, tanzbaren Punk mit irisch-/osteuropäischem Einschlag. Bis zuletzt war das Engagement des Headliners eine Zitterpartie: „Paddy & the Rats“ gaben in diesem Jahr in Neuenkirchen ihr einziges Deutschland-Konzert – zwischen Festivalterminen in Ungarn (Budapest und Dunaújváros) am Freitag und Sonntag.

Bevor „Stepfather Fred“ (Mindelheim) die Bühne mit härteren Sounds rockten, boten Misha Kapa und sein Vize-Schamane noch einmal „Akkordeon Power aus Sibirien“.

Nicht nur die Bands, sondern auch die Festivalbesucher kamen am Samstagabend voll auf ihre Kosten. Das Erfolgsrezept des Kult-Events: Professionalität in puncto Organisation und Equipment, eine glückliche Hand des Teams vom TV Neuenkirchen für das Line-up und nicht zuletzt das „Herzblut“ des großen Unterstützerkreises für die gemeinsame Sache.

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