Gemeinde Ehrenburg bläst Abriss vorerst ab: Gutachter sucht nun Fledermäuse

Ist Nienabers Mühle bewohnt?

Nicht ohne Weiteres einsehbare Verstecke für Fledermäuse hat das verwinkelte Gebäude reichlich zu bieten – tatsächlich kann nur ein Fachmann klären, ob welche in der Mühle Nienaber heimisch sind. - Fotos: Behling

Ehrenburg - Nur dämmriges Licht dringt in das Gebäude, lediglich das wenig Vertrauen erweckende Knarzen und Knacken der Holzböden und -treppen in den verwinkelten Räumen durchbricht bei manchem Schritt die Stille. Eine feine Schicht Mehlstaub bedeckt das verbliebene Inventar aus Zeiten, als in Nienabers Mühle noch Getreide gemahlen wurde.

Dass die schon länger zurückliegen, veranschaulicht der Kalender an der Wand für das Jahr 1994. Doch es regen sich Zweifel daran, dass die Mühle unbewohnt ist – die Vermutung, dass hier Fledermäuse ihr Domizil haben, hat Folgen: Die Gemeinde Ehrenburg musste die Abrissarbeiten, die eigentlich am 18. Juli beginnen sollten, vorerst abblasen, teilt Bürgermeister Hans-Jürgen Schumacher mit.

Der Gemeinderat hatte im Juni mit großer Mehrheit beschlossen, das Mühlengebäude abzureißen, erinnert Schumacher. Sieben Ratsmitglieder stimmten dafür, Schumacher und Ludger Ebenthal dagegen (wir berichteten). „Der Nabu und der BUND haben im Zuge der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange an der Bauleitplanung für das neue Baugebiet ,Nienabers Mühle‘ die Frage gestellt: Habt ihr nachgeguckt, ob es da Fledermäuse gibt? Den Hinweis habe ich sofort an die Verwaltung weitergeleitet“, berichtet der Bürgermeister. 

„Nachbarn sagen, dass sie da Fledermäuse gesehen haben. Jetzt wird allerdings im Ort ,kombiniert‘, dass ich das verbreitet habe, um den Abriss zu verzögern oder zu verhindern“, ärgert sich Hans-Jürgen Schumacher. Die untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Diepholz hat die Gemeinde beauftragt, einen Gutachter prüfen zu lassen, ob und welche Microchiroptera, so der lateinische Name der kleinen fliegenden Säugetiere, in dem Gebäude leben – bis es darüber Klarheit gibt, hat die Mühle stehen zu bleiben. 

„Meine persönliche Meinung ist: Wir sollten uns freuen, dass wir solche Verbände haben, die sich für den Artenschutz einsetzen – und wenn es solche Vorschriften gibt, dann gelten die natürlich auch für uns“, unterstreicht Schumacher.

Eigentlich hätte der Abriss der Mühle Nienaber in Ehrenburg bereits am 18. Juli beginnen sollen, um im künftigen Neubaugebiet Platz für zwei bis drei weitere Bauplätze zu schaffen.

Ein Fachmann ist bereits engagiert, eine Prognose, wie lange die Untersuchung dauert, gibt es nicht: „Im ersten Schritt wird nur erkundet, ob an den Berichten etwas Wahres dran ist“, erläutert stellvertretender Gemeindedirektor Achim Hollmann, der sich schon näher mit dem Thema befasst hat. „Das Dumme ist, dass diese Frage relativ kurzfristig aufgetaucht ist: Die ,Wochenstationen‘, also die Orte, an denen Fledermäuse ihren Nachwuchs zur Welt bringen und aufziehen, werden von einigen Arten im August aufgegeben.“ 

Möglich sei, dass Fledermäuse das Gebäude lediglich ansteuern, um dort Beute zu machen. Wenn sie tatsächlich in der Mühle leben, sei von großer Bedeutung, um welche Art es sich handelt: „Unter Schutz stehen sie alle. Doch es gibt manche, die im Herbst ohnehin das Gebäude verlassen und sich im kommenden Jahr einen neuen Unterschlupf suchen würden, andere, die in der Winterstarre an einen neuen Standort gebracht werden könnten – und solche, die man nicht umsiedeln kann.“

Das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplanes „Nienabers Mühle“ läuft unabhängig von der Fledermausfrage weiter, versichert Achim Hollmann: „Wenn alles gut geht, fällt der Rat im September den Satzungsbeschluss, der dann nur noch vom Landkreis bestätigt werden muss. Der Abriss der Mühle würde zwei bis drei weitere Baugrundstücke ergeben – das hat aber ja keinen Einfluss auf die anderen 15.“ - ab

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