Neuer alter Schatz in Schwaförden

Stiftung Naturschutz stellt historische Schlattstandorte wieder her

Das Schlatt aus der Vogelperspektive: Per Drohne hat Eberhard Schumann für die Stiftung Naturschutz das Areal fotografiert.
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Das Schlatt aus der Vogelperspektive: Per Drohne hat Eberhard Schumann für die Stiftung Naturschutz das Areal fotografiert.

Schwaförden –  „Auf einer Ackerfläche am Oberwald in Schwaförden führt die Stiftung Naturschutz des Landkreises Diepholz aktuell landschaftsökologische Baumaßnahmen durch. Momentan erfolgen Erdbaumaßnahmen zur Wiederherstellung historischer Schlattstandorte“, erklärt Projektkoordinator Kai Backhaus die Bauarbeiten an der Staatshäuser Straße.

Die Arbeiter graben an der Staatshäuser Straße nicht nach Wasser, sondern legen ein „natürliches Regenrückhaltebecken“ wieder frei.

Das kostbare Gut versickert an diesen Stellen nicht, die könnten jedoch durchaus in den Sommermonaten vertrocknen. Mit den „Schlatts“, heißt es seitens der Stiftung, seien in der hiesigen Landschaft ganz besondere Schätze verborgen. Regelrecht durchlöchert sei der Bereich um Bassum, Syke, Bruchhausen-Vilsen.

Für die Landwirte sind es „nasse Ecken“, die schwierig zu bewirtschaften sind. „Eigentlich eignen sie sich nur als Grünland“, bestätigt Kai Backhaus. Wenn die ehemaligen Schlatts verfüllt sind und damit eigentlich nicht sichtbar – wie stößt die Stiftung dann auf die Flächen? „Wir sehen sie als runde dunkle Flächen auf Luftbildern“, erklärt Backhaus.

Beim Schwafördener Schlatt sei es allerdings ein Idealfall gewesen: Der Eigentümer habe die Fläche nicht mehr verpachten wollen, habe gewusst um die nassen Ecken auf dem Areal – und kannte die Stiftung. In diesem Fall sei der Kauf der Fläche beschlossen worden. Der Preis sei okay gewesen, sagt Backhaus, in anderen Fällen habe es auch schon deutlich härtere Verhandlungen gegeben.

Finanzierung durch Fördermittel

Dank einer Förderung des Landes Niedersachsen über den Niedersächsischen Landesbetrieb für Küsten- und Naturschutz durch die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) in Höhe von 58 000 Euro habe die Stiftung die Maßnahme finanzieren können.

Oft würden im Rahmen einer Flurbereinigung solche Flächen getauscht, die Stiftung Naturschutz habe für umfangreichen Grunderwerb kein eigenes Budget.

Die neue Schwafördener Fläche ist knapp zehn Hektar groß, und es werden hier nicht nur zwei Schlatts wieder hergestellt. „Ziel der Stiftung Naturschutz ist die Herstellung einer historischen Landschaft mit höchster ökologischer Bedeutung – insbesondere für die Wildinsekten, aber auch für die im Umfeld bereits vorkommenden Amphibienarten“, präzisiert Kai Backhaus.

Die Bauarbeiten am Schlatt an der Staatshäuser Straße in Schwaförden dauern an.

Soll heißen: Nach Abschluss der Baumaßnahmen für die beiden Schlatts werden „Obstwiesen, Hecken, natürliches artenreiches Grünland, Blühsäume, Brachflächen und strukturreiche Waldränder“ hergestellt sein. Auch dafür seien Fördergelder bewilligt, das Vorhaben werde in Teilen durch Mittel der Stiftung finanziert.

Noch bis in die kommende Woche werden die Bauarbeiten in Schwaförden andauern. Was genau wurde gemacht? Das nördliche Schlatt sei einst durch einen Feldweg geteilt worden. Der östliche Teil, mit Bäumen bestanden, weise noch eine Vertiefung auf: „Allerdings wurde dort vermutlich die wasserhaltende Schicht im Boden durchstochen oder durchbaggert, denn es ist häufig trocken. Den westlichen Teil haben wir bereits wieder hergestellt. Trotz historischem Tiefpflügen bis etwa 80 Zentimeter hält sich dort seit Tagen das Wasser – dieses wurde aus dem großen Schlatt dorthin gepumpt“, erklärt Backhaus.

Das große Schlatt im Süden der Fläche sei aktuell noch in Bearbeitung: „Hier werden der Bagger und zwei Schlepper mit Mulde vermutlich noch die komplette nächste Woche tätig sein. Die Abgrabungsfläche ist fast einen Hektar groß, etwa 9 200 Quadratmeter. Auch hier wurde seinerzeit tiefgepflügt und anschließend die Senke mit Boden verfüllt“, erläutert Backhaus.

Diese Auffüllung und ein Teil des gepflügten Bodens werden derzeit entnommen und – das ist hier möglich, weil die Fläche nach Süden hin abfällt –  ganz im Süden des fast zehn Hektar großen Areals landschaftsgerecht eingebaut.

Plan für das Schlatt in Schwaförden.

Könnten solche Maßnahmen auch privat durchgeführt werden? „In der Kooperation mit der Stiftung können unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit erfolgen und Vereinbarungen getroffen werden, ohne, dass die Flächen ins Eigentum der Stiftung wechseln. Aber manche Fördermittel, etwa über die GAK, könnten nicht durch Privatpersonen abgerufen werden“, erklärt Backhaus.

Ist eine Öffnung für sanften Tourismus denkbar? „Das Betreten der Flächen soll nicht aktiv gefördert werden. Aber wir haben schon an manchen Punkten, etwa im Dillertal, Aussichtspunkte eingerichtet, von denen man einen guten Blick in die Schlattflächen bekommt.“ Ob das auch eine Option für Schwaförden ist, sei derzeit noch nicht entschieden.

Weitere Informationen

Über die Arbeit der Stiftung Naturschutz wird online unter www.stiftung-naturschutz-diepholz.de informiert.

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