Heimatverein: Ortsschild ergänzen um „Neenkarken“

Neuenkirchen „op Platt“

Wenn es nach ihnen ginge, stünde auf dem Schild zusätzlich „Neenkarken“ unter „Neuenkirchen (von links): Hermann Meyer, Manfred O. Hinz und Karl Weise.
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Wenn es nach ihnen ginge, stünde auf dem Schild zusätzlich „Neenkarken“ unter „Neuenkirchen (von links): Hermann Meyer, Manfred O. Hinz und Karl Weise.

Neuenkirchen – Kann man eigentlich einfach ein Ortsschild ändern? Ergänzen? Nein. In der Gemeinde Neuenkirchen jedoch wird sich wohl das Ortsschild ändern – es wird ergänzt um den plattdeutschen Namen der Ortschaft, „Neenkarken“.

Äh, ist das wirklich der plattdeutsche Name der Ortschaft? Das recherchieren derzeit Mitglieder des Heimatvereins, allen voran Helgard Patemann, aus dessen Reihen der Vorschlag überhaupt erst stammt.

Der Gemeinderat Neuenkirchen hat sich in seiner jüngsten öffentlichen Sitzung für die Aktion ausgesprochen, auch, um die plattdeutsche Sprache zu fördern. Genau aus dem Grund hatte es der Heimatverein Neuenkirchen eingereicht. Der Rat mahnte, die Änderung müsse für die Gemeinde kostenneutral bleiben.

Premiere im Landkreis Diepholz

Genau genommen basiert der Vorschlag auf dem Ehepaar Anke und Hermann Meyer, aus, na klar, Neuenkirchen. Das Ehepaar war unterwegs im Landkreis Verden, als es ein Ortsschild las, auf dem unter dem hochdeutschen Namen der plattdeutsche (etwas kleiner gehalten) vermerkt war. „Das ist doch mal eine wirklich gute Idee. Ob das bei aus auch geht?“, dachten sich die Meyers.

Als Ehrenbürgermeister trug Hermann Meyer die Idee dem Rat vor. War zunächst ein Zusatzschild am vorhandenen Ortsschild angedacht, so beschied das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr bereits im Jahr 2009, dass sogenannte „zweisprachige Ortstafeln“ nicht zusätzlich, sondern nur anstelle der bisherigen Ortstafeln aufgestellt werden dürfen – das hatte Bauamtsleiter Achim Hollmann dem Rat zur Entscheidungshilfe bereits herausgesucht. So sei genau festgelegt, wo das „Neenkarken“ stehen darf: Nur auf der Vorderseite, unmittelbar unter der hochdeutschen Bezeichnung und in erkennbar kleinerer Schrift. Aktuell gibt es sechs Ortseingangstafeln in der Gemeinde Neuenkirchen und die müssten demnach komplett ersetzt werden. Hermann Meyer rechnet mit etwa 180 Euro pro Schild. Kosten, die der Heimatverein tragen werde.

Rat gibt „grünes Licht“

Mit dem einstimmigen Entscheid des Gemeinderates, die plattdeutsche Ergänzung vorzunehmen, ist es allein nicht getan. Der Gemeinderat darf nur für die Ortsschilder sprechen für jene Straßen, die in ihrer Straßenträgerschaft liegen. „Für die Schilder an den überörtlichen Straßen – Kreisstraßen, Bundesstraße 61 – liege die Entscheidungshoheit beim jeweiligen „Straßenbaulastträger“, der durch die Straßenmeisterei Bassum vertreten wird.

Laut Hermann Meyer beschäftige sich der Heimatverein Neuenkirchen derzeit damit, der unteren Verkehrsbehörde des Landkreises den Nachweis zu erbringen, dass „Neenkarken“ tatsächlich die übliche plattdeutsche Schreibweise ist. Dazu würden aktuell Kirchenregister überprüft und auch das Bremer Institut für Niederdeutsche Sprache sei ob der offiziellen Schreibweise der niederdeutschen Form angeschrieben und wird jetzt erst tätig, weil der Gemeinderat sozusagen „grünes Licht“ gegeben hat. Denn: Tatsächlich sei einem Dokument aus dem 16. Jahrhundert auch „Nienkirchen“ notiert worden. Neenkarken aber finden die Neenkarkner gut. Laut Helgard Patemann datiert die Schreibweise Nienkirchen aus Dokumenten des Kirchspiels aus den Jahren 1614 und 1654. Diese listen Hans Ehlich und Werner Cordes in ihrer Chronik aus dem Jahr 1992 auf.

Nachgefragt beim Landkreis Diepholz, bei stellvertretendem Fachbereichsleiter Volker Töllner vom Fachdienst 31 (Bürgerservice und Straßenverkehr): Wie ist denn nun der weitere Ablauf?
Ortstafeln mit niederdeutschen Anteilen sind ein Ausdruck der kulturellen Vielfalt im Lande. Um der sprachhistorischen Komponente gerecht zu werden, ist es notwendig, die Wahl eines niederdeutschen Namens zu begründen und nachvollziehbar zu machen.
Ist das ein Antrag des Heimatvereins oder der Gemeinde, der an Sie eingereicht werden müsste?
Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr hat für eine einheitliche Handhabung mit Erlass vom 14. September 2004 und 19. März 2009 die zweisprachige Bezeichnung auf Ortstafeln geregelt.
Die Unteren Straßenverkehrsbehörden wurden dabei ermächtigt, im Wege der Ausnahme eine zweisprachige Bezeichnung auf Ortstafeln zuzulassen.
Um eine landschaftsweite, in Einzelfällen auch eine landesweite Klärung zu erreichen, ist die Kompetenz des Instituts für niederdeutsche Sprache Bremen oder des Plattdütskbüro der Ostfriesischen Landschaft mit einzubeziehen.
Neben dem einstimmigen Beschluss des Gemeinderates, einer Bestätigung der Schreibweise durch das Institut - was müsste noch beigebracht werden?
Voraussetzung für die zweisprachige Bezeichnung ist die Übersetzung und Erklärung des Namens, eine phonetische Aufzeichnung der heute gängigen ortsüblichen Aussprache sowie, soweit vorhanden, historische Quellen und urkundliche Erwähnungen.
Darüber hinaus ist ein mit dem Institut oder mit dem Plattdütskbüro abgestimmter Vorschlag für die Schreibweise auf der Ortstafel zu erbringen. Dann können diese Ortstafeln nach Erteilung der Ausnahme anstelle der bisherigen Ortstafeln aufgestellt werden.
Die niederdeutsche Bezeichnung, deren Ausnahme sich nur auf die Vorderseite bezieht, muss unmittelbar unter der hochdeutschen Bezeichnung stehen und mit kleinerer Schrift ausgeführt sein.
Die Kosten für die Änderung der Ortstafeln sind vom Antragsteller zu tragen.
Gibt es schon eine Gemeinde im Landkreis Diepholz, die ihre Ortsschilder um den plattdeutschen Namen ergänzt hat?
Bisher sind im Landkreis Diepholz noch keine derartigen Anträge gestellt worden.

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